Hauskauf der Erzdiözese München und Freising Unser Palast in Rom

Die Erzdiözese München und Freising hat sich ein Haus gekauft - nicht an der Isar, sondern am Tiber. Keine bescheidene Hütte, sondern ein Palast mit zehn Gästezimmern für fast zehn Millionen Euro. Kardinal Reinhard Marx findet das ganz normal.

Von Franziska Brüning

Die Erzdiözese München und Freising hat sich ein Haus gekauft. Nicht an der Isar, nicht in der Münchner Innenstadt und schon gar nicht im Umland. Nein, diesmal musste es eine Dependance in Rom sein. Handelt sich ja auch wirklich um ein Schnäppchen: zwar nicht billig (9,7 Millionen Euro), aber in praktischer Lage (rund vier Kilometer vom Vatikan) und mit frommem Vorbesitzer (eine Schwesternkongregation).

Schon länger kursierte unter kirchlichen Mitarbeitern das Gerücht, Kardinal Reinhard Marx habe sich in Rom einen "Palazzo" geleistet, um dem Heiligen Stuhl noch ein wenig näher zu kommen. Solchen Lästereien wollte das Ordinariat nun wohl den Garaus machen.

In einer Pressemitteilung heißt es, man wolle "das Wirken der Erzdiözese mit der Einrichtung eines 'Hauses der Begegnung' in Rom weiter verstetigen". Im Übrigen handele es sich um ein ganz normales Haus, der Preis entspreche den römischen Immobilienpreisen, erklärte Pressesprecher Bernhard Kellner auf SZ-Anfrage.

Das "ganz normale Haus" hat immerhin zehn Gästezimmer, eine Kapelle, ein Esszimmer und einen Aufenthaltsraum. Aber es soll ja neben der Bistumsleitung auch allen anderen Mitarbeitern des Ordinariates, Laienräten und Pilgergruppen als "Gästehaus" dienen - für alle Münchner Katholiken quasi. Und schließlich sei das Domizil nicht mit Mitteln aus der Kirchensteuer, sondern aus dem Vermögen der Erzdiözese finanziert worden.

Ein wenig klingt das aber doch so, als ob man im Ordinariat gemeine Gerüchte um einen "Palazzo Marx" gefürchtet hatte. Um so offener wird jetzt für den "Kontaktpunkt in Rom" geworben. Der wurde laut Kellner nämlich schon vor längerem gekauft. Die Millionen würden aber an keiner anderen Stelle fehlen. Und welche "Stelle" hätte auch verlockender sein können, als eine Adresse in der Viale delle medaglie d'oro in Rom.