Haus für Schüler Fürs Leben lernen

Nicht alle Schülerinitiativen sind so gut ausgestattet wie das Münchner Schülerbüro, das schon jetzt eigene Räume hat.

(Foto: Robert Haas)

Die Pläne für ein "Münchner Haus der Schülerinnen und Schüler" werden konkreter. Die Initiatoren wollen einen Ort etablieren, an dem Jugendliche sich politisch engagieren und ihre Freizeit verbringen können. Befürworter gibt es viele - doch eine der wichtigsten Fragen ist noch offen.

Von Melanie Staudinger

Münchner Schüler wollen endlich ein Gebäude bekommen, in dem sie sich treffen, Projekte planen und Veranstaltungen ausrichten können. Es soll Raum bieten für selbst organisiertes soziales und politisches Engagement. Die Öffnungszeiten des Hauses sollen unabhängig von denen der Schulen sein. Einen Namen hat das Gebäude schon. "Münchner Haus der Schülerinnen und Schüler" soll es heißen. Auch ein erstes Konzept liegt bereits vor. Was allerdings noch fehlt, ist ein konkreter Standort und Geld, mit dem sich das Projekt umsetzen lässt. Um die Prozesse zu beschleunigen, laden die Stadtschülervertretung München und das Münchner Schülerbüro nach den Sommerferien Lehrer, Politiker und in der Bildungspolitik engagierte Vereine und Verbände zu einer internen Diskussionsrunde.

Die Schüler wollen mit ihrem Vorhaben ihre eigene Mitbestimmung stärken. Die Lust, sich zu engagieren, sei durchaus da, auch wenn viele Erwachsene immer noch das Gegenteil annehmen würden, sagt Hannah Imhoff, Sprecherin der Stadtschülervertretung. Es fehle aber an Räumen, um die Ideen auch zu verwirklichen. In manchen Schulen könne man sich nicht einmal ungestört nach dem Unterricht treffen, weil etwa der Hausmeister das Gebäude zusperren wolle.

"Ein offener Raum und eine leichtere Vernetzung würden uns wahnsinnig helfen", sagt Imhoff. Schülersprecher würden jährlich gewählt, eine Einarbeitung in das große Feld der Bildungspolitik sei für sie kaum möglich. Sobald sich jemand gut auskenne, sei er auch schon wieder fertig mit der Schule. Für die Nachfolger beginne der schwierige Weg von vorne. "Wissensaustausch, Weiterbildung und Hilfe außerhalb der Schule wären dringend notwendig", erklärt Imhoff.

Engagement braucht Raum

Das Konzept steht unter dem Motto "Engagement braucht Raum und Räumlichkeiten". Das Gebäude soll nach Ansicht der Schüler einen großen Saal oder Mehrzweckraum für Veranstaltungen, Büros für die Verbände und Organisationen von Schülern, einen eigenen Bereich für Pädagogen, an dem sich Lehrende informieren können, Plätze für individuelle Arbeit an einzelnen Projekten, Seminar- und Tagungsmöglichkeiten sowie eine Küche samt Cafeteria mit Couchecke bekommen, die die Schüler mit gesundem Essen versorgt. Geplant ist zudem ein Kino, eine Bibliothek, ein Keller mit Bandübungsräumen. Die Jugendlichen sind sich einig: Sie wollen einen politischen Ort etablieren, an dem sie gerne ihre Freizeit verbringen.

Nach den Sommerferien wollen die Schüler eingeladenen Politikern aus dem Stadtrat, anderen Jugendlichen und Verbandsvertretern noch einmal die Notwendigkeit ihres Projekts aufzeigen und besprechen, wie das Vorhaben realisiert werden kann. "Wir werden den Abend bewusst offen gestalten, jeder soll seine Gedanken einbringen können", sagt Imhoff.

Freiräume, um sich auszuprobieren

Die Idee stößt schon jetzt auf breite Zustimmung. Unterstützung erhalten die engagierten Schüler etwa von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). "Ich finde die Idee für ein Haus für Schüler und Schülerinnen ausgesprochen charmant", sagt er. Junge Menschen bräuchten Freiräume, die sie selbst gestalteten und verwalteten. "Wir müssen jede Chance nutzen, wenn sich Jugendliche politisch und sozial weiterbilden wollen und wenn sie das selbst organisieren, in einem eigenen Haus, dann wird die Stadt auch Möglichkeiten finden, bei der Realisierung zu helfen", verspricht Reiter.

Auch der Kreisjugendring München-Stadt findet die Idee eines Schülerhauses gut. "Der Kreisjugendring München-Stadt als Interessenvertretung junger Menschen fordert seit vielen Jahren mehr Mitbestimmungsrechte für Kinder und Jugendliche, auch und gerade im schulischen Alltag", sagt der Vorsitzende Tom Rausch. Schüler wollten sich engagieren, Engagement aber brauche Raum. Die Schülerunion, die Schülerorganisation der CSU, befürwortet ein eigenes Haus für Jugendliche ebenfalls. "Es muss nur offen für alle sein und nicht unnötig kompliziert organisiert", sagt der Kreisvorsitzende Nico Singer.