Haunersches Kinderspital Ein Haus gegen die Angst

Der Entwurf des Münchner Architekturbüros Nickel und Partner sieht für das neue Klinikgebäude insgesamt sechs Höfe vor. Simulation: PR

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  • Der Neubau des Haunerschen Kinderspitals wird wohl vom Architekturbüro Nickl und Partner entworfen.
  • Der Neubau soll Kindern die Angst nehmen. Der Entwurf sieht überall im Gebäude Tageslicht vor, außerdem soll viel Grün eine freundliche Atmosphäre erzeugen.
  • Ob der Entwurf tatsächlich auch umgesetzt wird, steht erst im Herbst fest.
Von Stephan Handel

Das Architekturbüro Nickl und Partner aus München hat den Wettbewerb um den Neubau des Haunerschen Kinderspitals am Campus Großhadern gewonnen. Eine 46-köpfige Jury vergab den ersten Preis am Freitagnachmittag. Den zweiten Platz belegte Architects Collective aus Wien, den dritten Riegler Riewe aus Graz.

Die Jury unter dem Vorsitz der Architektin Gesine Weinmiller lobte am Siegerentwurf die Lösung der komplexen Aufgabe: "Man kann für Kinder ja keine Maschine aufstellen. Der Entwurf von Nickel und Partner kann ihnen die Schwellenangst vor dem Krankenhaus nehmen", sagte Weinmiller. "Daneben funktioniert der Entwurf auch noch extrem gut."

Hans Nickl, der in Großhadern zuletzt das Centrum für Schlaganfall- und Demenzforschung entworfen und gebaut hat, ließ sich für das Neue Hauner ein Gebäude etwa von der Größe eines Fußballfeldes einfallen: rund 100 Meter lang, 45 Meter breit, drei Stockwerke hoch.

Wie der Entwurf aussieht

Das Besondere sind sechs asymmetrisch geformte Innenhöfe, die, so der Architekt, dafür sorgen, dass überall in dem Haus Tageslicht zur Verfügung steht, was durchaus einer ärztlichen Intention entspricht, die Karl-Walter Jauch, der Ärztliche Direktor des LMU-Klinikums, so zusammenfasste: "Wir wollen ja die Leute aus dem Bett bringen." Zudem soll viel Grün eine freundliche Atmosphäre erzeugen. Die Patientenzimmer werden entlang der Außenwände platziert, die Bereiche für die Pflege zu den Innenhöfen hin. Das hat zur Folge, dass die Pfleger große Areale überblicken können, aber genügend Platz bleibt, um etwa Spielbereiche für die kleinen Patienten einzurichten. Die einzelnen Höfe haben zudem den Vorteil, dass etwa Patienten mit geschwächtem Immunsystem von solchen mit ansteckenden Krankheiten getrennt an die frische Luft gehen können.

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Dass der Entwurf nun auch gebaut wird, steht allerdings noch nicht fest. Im nächsten Schritt würden Vergabegespräche mit den Preisträgern geführt, teilte das Klinikum mit. "Dabei wird geklärt, ob der Entwurf vom jeweiligen Architekturbüro im vorgegebenen zeitlichen und finanziellen Rahmen umgesetzt werden kann." Dieser Schritt soll bis September 2015 abgeschlossen sein. Nach der Auftragsvergabe soll 2018 mit dem Bau begonnen werden, 2022 soll er abgeschlossen sein.

Entstehen soll ein Haus mit etwa 22 000 Quadratmetern und 276 Betten. Pro Jahr sollen 40 000 Patienten ambulant behandelt werden, 16 000 teilstationär und 10 000 stationär. 2500 Geburten können jedes Jahr bewältigt werden.

Wer das Neue Hauner bezahlt

Das Neue Hauner wird geschätzte 165 Millionen Euro kosten. 128 Millionen davon stellt der Freistaat zur Verfügung, dazu kommen Eigenmittel des Klinikums und Spenden aus der Stiftung "Das Neue Hauner". 17 Millionen spendete der Sultan von Oman, nachdem er selbst in Großhadern behandelt worden war.

23 Architekturbüros hatten Entwürfe eingereicht, darunter auch welche aus Frankreich und der Schweiz. Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, auch Mitglied der Jury, sagte: "Mit der Kür des Gewinners ist ein ganz entscheidender Schritt getan für den Neubau des Neuen Hauners. Nickl und Partner haben eine interessante und spannende Antwort auf die komplexen Fragen gefunden." Christoph Klein, der Chef der alten wie der neuen Kinderklinik, formuliert es so: "Wir wollen einen maßgeblichen Beitrag zum Fortschritt der Kinderheilkunde und Jugendmedizin leisten, aber nie vergessen, dass immer das Kind und seine Familie im Zentrum unseres Tuns stehen."

Die Entwürfe des Architektenwettbewerbs sind von Montag an in Großhadern ausgestellt.

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