Hasenbergl/Giesing Oper aus dem Bus

Auf den Spuren der "Gastarbeiterroute": Julia Domke und Johannes Dunz.

(Foto: Robert Recker / oh)

Berliner Projekt macht in München halt

Von Jutta Czeguhn, Hasenbergl/Giesing

"Dolmuş", das bedeutet "voll" auf Türkisch und bezeichnet jene Kleinbusse, mit denen Arbeitsmigranten seit den Sechzigerjahre alljährlich für ein paar Wochen in ihre Ursprungsländer aufbrechen. Diese Sammeltaxen fahren in der Regel erst los, wenn alle Plätze besetzt sind. Das wird auch der Fall sein, wenn sich der "Operndolmuş" der Komischen Oper Berlin nun auf den Weg nach Süden macht. An Bord sind - mehr passen dort nicht hinein - zwei Sänger, drei Musiker samt Instrumenten und ein Moderator. Auf der sogenannten Gastarbeiterroute fahren sie nach Istanbul. Am Montag, 30. Mai, macht das rollende Opernhaus auch in München Station. Wenn ihnen kein Stau dazwischen kommt, werden die Künstler gegen 18 Uhr in der Stadtteilkultur 2411 im Hasenbergl erwartet, von 20.30 Uhr an sollen sie dann im Giesinger Bahnhof spielen. Weitere Ziele auf ihrer mehr als 3000 Kilometer langen Fahrt an den Bosporus sind Wien, Belgrad und Sofia.

Die Komische Oper Berlin, eine der innovativsten Bühnen Deutschlands, bietet schon seit längerer Zeit Untertitel in türkischer Sprache an. Und mit dem Projekt "Selam Opera" hat sich das Haus vor und hinter den Kulissen interkulturell geöffnet. Projektleiter und Dramaturg Mustafa Akça hatte dann auch die Idee zum Operndolmuş, der seither einmal im Monat die sogenannte Hochkultur in den Berliner Kiez bringt. Dort spielen die Musiker etwa Rossinis "Barbier von Sevilla" oder Bizets "Carmen" vor Schulklassen, in Begegnungsstätten, Elterncafés, interkulturellen Familienzentren oder in Seniorenheimen.

Nun wird der Operndolmuş exportiert, fährt die Route nach, die viele Migranten in den vergangenen beinahe 60 Jahren nahmen. An der Station München fiel die Wahl auf die Stadtteilkultur 2411 Hasenbergl und den Giesinger Bahnhof, weil es auch dort um Begegnung und Austausch unterschiedlicher Kulturen geht. Die Berliner werden dort eine 45-minütige Revue mit fünf szenischen Bildern zeigen, ausgearbeitet von Regisseurin Anisha Bondy. Die Themen sind gar nicht so weit weg von denen in der "großen Oper". Es geht da wie dort um Emotionen, um den Traum vom Glück in der Ferne, um das Nicht- Wissen-wo-man-hingehört, es geht um Heimat oder Heimaten.

Ganz unbedingt wollen die Berliner Künstler mit dem Publikum ins Gespräch kommen, das einfach vorbeischauen kann. Denn für die Kleinbus-Besatzung, obwohl Operndolmuş-Veteranen, wird die Fahrt nach Istanbul eine Entdeckungsreise werden. Am 6. Juni wollen sie dort ankommen.

Operndolmuş, 30. Mai, 18 Uhr, in der Stadtteilkultur 2411, Blodigstraße 4, 3. Stock; 20.30 Uhr im Giesinger Bahnhof, Giesinger Bahnhofsplatz 1.