Harry Klein Bumm-Bumm an der Sonnenstraße

Der Elektro-Club "Harry Klein" zieht vom Osten in die Innenstadt. Ein schallsicherer Würfel soll gegen Beschwerden schützen.

Von Astrid Becker

Es war bis heute das bestgehütete Geheimnis des Münchner Nachtlebens: Der derzeit angesagteste Club der Stadt, das "Harry Klein", wird seine Zelte in den Optimolwerken abbrechen und ins Zentrum ziehen. Mehr als zwei Jahre hatte Betreiber David Süß nach einer geeigneten Location gesucht und sie nun in der Sonnenstraße 8 gefunden. Eröffnung soll bereits im November sein.

Erst vor kurzem wurde der Club von dem renommierten Magazin DJ MAG auf Platz 59 der weltweit besten 100 Clubs gewählt. Nun steht ein Umzug bevor - auch wenn bislang noch so gar nichts darauf schließen lässt, dass sich der einstige Treff von griechischen Jugendlichen, das Café Glam, in das "Harry Klein" verwandeln soll, um nicht nur Plattenspieler und Bar, sondern auch den Ruhm mit umzuziehen.

Die Wände sind dunkelorange gestrichen, eine geschwungene Treppe führt auf eine Galerie - insgesamt also eine Formensprache, die so gar nichts mit dem bislang geometrischen und eher puristischen Stil des "Harry Klein" zu tun hat. Doch das soll sich ändern: Der neue Club werde eindeutig als "Harry Klein" zu identifizieren sein, sagt Geschäftsführer David Süß. Deshalb wird die neue Location erst einmal für knapp eine halbe Million Euro umgebaut. Ein wahrer Kraftakt.

Allein um dem Schallschutz und damit dem Ruhebedürfnis des einzigen Anwohners in diesem Gebäude Genüge zu leisten, haben sich Betreiber, Architekten (Büro: Daniel Hildmann) und Akustikspezialist Christian Becker ein neuartiges Raum-im-Raum-Konzept einfallen lassen. So soll in den jetzigen Raum ein Betonwürfel eingezogen werden, der auf speziellen Federn steht: "Die lenken den Schall quasi nach innen ab, so dass nach außen kein Lärm dringt", sagt Süß.

In der Nachbarschaft hätten sich zudem viele Ärzte und Rechtsanwälte angesiedelt, die nicht gestört werden sollen. "Falls es gar nicht anders geht, schließe ich den Club lieber etwas früher, ehe ich irgendein Risiko eingehe", sagt Süß.

Durch eine Passage, die von den Medienkünstlern von "M + M" mit immer wechselnden Ausstellungen gestaltet werden soll, gelangen die Gäste künftig ins neue "Harry Klein". "Dafür suchen wir derzeit noch nach Sponsoren", so der Clubbetreiber. Über eine Schleuse im Eingangsbereich werden die Gäste dann über die Garderobe in das Innere des "Würfels" geleitet. Dort warten Tanzfläche, Bar und DJ-Podest - schließlich sollen hier auch künftig nicht nur die bekanntesten DJs aus der elektronischen Musikszene zu erleben, sondern auch, wie gewohnt, Videokunst zu sehen sein.

Dafür wird der Zugang zu den Toiletten im Untergeschoss von hinten nach vorne in den Eingangsbereich verlagert. Zudem will Süß die geschwungene Treppe begradigen: "Die passt so nicht zu uns." Auf der Galerie, genauer in Höhe der jetzigen Küche, soll eine Lounge entstehen, in der die Gäste in Ruhe etwas trinken und sich unterhalten können. Bereits im November soll der neue Club, in dem von Donnerstag bis Samstag 300 Menschen Platz finden, eröffnet werden. Verwirklicht werden kann das Vorhaben allerdings nur mit Hilfe von gleich drei Brauereien: Augustiner, Beck's und Schneider.

Bereits vor mehr als zwei Jahren hatten die Betreiber beschlossen, einen neuen Platz für ihren Club zu suchen: "Wir hatten keine Planungssicherheit mehr, weil wir nicht wussten, was aus den Optimolwerken wird und ob unser Mietvertrag verlängert wird", erzählt Süß. Zusammen mit dem Betreiber der Milchbar, Florian Faltenbacher, mit dem er das "Gabidom" auf dem Tollwood-Festival verwirklicht hatte, habe er sich dann eines Nachts auf den Weg durch die Innenstadt gemacht, um ein Plätzchen für das "Harry Klein" zu finden.

Fünf oder sechs Lokale haben die beiden besichtigt, doch keines konnte das "Glam", in dem sie den Abend begonnen hatten, übertreffen. Es sollte jedoch eine Weile dauern, bis sie Vormieter und Vermieter für ihre Idee, das "Harry Klein" in der Nachbarschaft der "Milchbar" anzusiedeln, begeistern konnten.

Als es soweit war, kam heraus, dass eine der Wände direkt an eine Wohnung angrenzt. Um gleich von vorneherein Lärmprobleme auszuschließen, stellten Süß und seine Planer erst einmal Schallschutzmessungen bei dem Anwohner an - mit dem Ergebnis, das nur ein eingebauter Würfel Abhilfe schaffen kann. Nun ging es an die Detailplanung, um auch die zuständigen Behörden dazu zu bringen, dem Vorhaben die nötige Baugenehmigung zu erteilen.

Seine Mitarbeiter informierte Süß dann auf der sogenannten "Weihnachtsfeier" des Clubs Mitte Mai. Sie waren begeistert von der neuen Location: "Damit schaffen wir locker Platz fünf, wenn nicht Platz eins unter den besten Clubs der Welt", lautete das einhellige Echo. Bis heute drang von den Plänen nichts nach draußen: Süß hatte seine Leute dazu verdonnert, eine Verschwiegenheitserklärung zu unterzeichnen.

"In" in der Innenstadt

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