Bar 55 Eleven Neue Heimat in der alten News Bar

Nicht immer üppig, aber gut sind die Drinks von der Bar.

(Foto: Florian Peljak)

Das 55 Eleven ist ein Ort, zu dem Studenten noch immer bedenkenlos pilgern können - so wie einst in die News-Bar. Es ist jetzt ein bisschen schicker, doch eine charmante Wurschtigkeit bleibt.

Von Florian Fuchs

Ein bisschen News ist schon noch: Direkt gegenüber vom Eingang, neben der Bar, da haben sie drei Holzteile an die Wand genagelt. Und da stecken nun allerlei Zeitschriften und Zeitungen drin, die sich die Gäste nehmen und darin lesen können, um sich die Zeit zu vertreiben. Es sieht nun anders aus hier, es ist ein anderes Konzept, die alte News Bar an der Ecke Amalienstraße und Schellingstraße heißt nun 55 Eleven - aber ein bisschen Hommage an die Vorgängerin muss schon sein.

Die News Bar im Herzen des Univiertels war eine Institution, und zwar morgens, mittags und abends. Wer in der Früh doch lieber noch einen Kaffee wollte, weil die Vorlesung ja irgendwie auch verzichtbar war, der bog auf dem Weg in die Uni kurzerhand ab und fand hier immer eine Heimat. Wer dann mittags eine Stärkung brauchte, weil die Stunde in der Bibliothek nach der verpassten Vorlesung so anstrengend war und weil es ja irgendeine Ausrede brauchte, die nächste Vorlesung auch zu schwänzen, der war hier gut aufgehoben. Und wer dann abends die Versäumnisse des Tages verdrängen wollte, der fand sich, richtig, gerne in der News Bar wieder.

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Charmante Wurschtigeit einer Studentenkneipe

Das alles kann das 55 Eleven auch, sogar ein bisschen gemütlicher: Von der Decke hängen nun Glühbirnen herunter, notdürftig mit etwas Drahtverhau geschützt oder von - ja, was eigentlich? - einer Art großem Apfelmusglas umgeben. Abends dimmen sie hier das Licht herunter, das ist gleich viel wärmer als früher, dazu ein bisschen Holz und milde flackernde Teelichter. Damit es nicht allzu romantisch wird, haben sie am Eingang zwei Schmutzfänger ausgelegt, die so dermaßen nach Baumarkt aussehen, dass man sie dem ärgsten Nachbarn nicht wünscht.

Das 55 Eleven ist ein Ort, zu dem Studenten noch immer bedenkenlos pilgern können. Es ist jetzt ein bisschen schicker, aber die Bedienung vergisst auch gerne mal, die Karte zu bringen oder das Getränk oder auch beides - aber immer mit einem Lächeln und nie mit einer Verzögerung, die wirklich ärgerlich wäre. Eher mit dieser Wurschtigkeit, die eine Studentenkneipe braucht. Sie haben ein paar Gerichte auf die Karte gehoben, wobei es eine normale Currywurst statt der mit Curry-Ananas-Sauce und Jalapenos (9,50 Euro) auch getan hätte, und wo findet man in München schon Labskaus, sofern man so etwas überhaupt finden will (14,20 Euro)?

Bei den Getränken ist das 55 Eleven eher spartanisch aufgestellt, Bier (0,5l zwischen 3,50 und 3,90) und Wein (0,2l zwischen 4,50 und 7 Euro) gibt es genauso wie diverse Klassiker, die meist 8 Euro kosten. Auch das 55 Eleven hat seine speziellen, eigenen Drinks - der Vanilla Wine zum Beispiel mit Vanille Wodka, weißen Weintrauben, Zitronenmelisse, Zucker und Limette ist ebenfalls für 8 Euro zu haben. Allerdings ist es schon ziemlich happig, wenn der Cocktail dann in einer Art halbem Weinglas daher- kommt und nach drei Schluck leer ist. Aber was soll's, wenn es hilft, die verpassten Vorlesungen zu verdrängen.