"Leitln, ein bäriger Abend": In einer Arena ohne Stehplätze himmeln Frauen einen dauergrinsenden Mittfünfziger mit blonder Matte an. Die Ehemänner verstehen die Begleitung als Liebesbeweis.
Der Mann mit der Strickjacke in Reihe 9 blickt belustigt um sich herum. "Ja", sagt er dann bedächtig und grinst ein wenig, "das ist mein Liebesbeweis: Einmal im Jahr geh' ich mit meiner Frau zum Hansi Hinterseer ins Konzert". Seine Frau, eine immer noch ganz gut aussehende Blondine, nickt energisch und hat offenbar beschlossen, den mild-ironischen Unterton des Herrn Gatten zu ignorieren.
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"So und jetzt mach ma's wieder alle miteinander": Der frühere Riesenslalom-Weltcupsieger Hansi Hinterseer. (© Foto: Haas)
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Zu diesem Zeitpunkt weiß man als Außenstehender bereits, dass die Liebe eine Himmelsmacht ist und manche Menschen zu den erstaunlichsten Opfern befähigen kann. Hansi Hinterseer ist schon eineinviertel Stunden auf der Bühne gestanden, hat mit seinen Liedern die Macht ebendieser Liebe (und der Berge) beschworen.
Und er hat sich in breitem Tiroler Dialekt bereits ausgiebig darüber gefreut, dass wieder "alle miteinander" da sind und mitmachen, und "alle miteinander gut drauf san", und immer wieder folgt die Aufforderung: "So und jetzt mach ma's wieder alle miteinander!" Als Hansi dann noch vorschlägt, man solle doch jetzt den linken und den rechten Sitznachbarn "a Busserl geben", ist man doch sehr erleichtert darüber, dass das Hinterseer-Publikum keineswegs kritiklos alles ausführt, was das Idol auf der Bühne aus einer Laune heraus so anschafft.
Überhaupt: das Publikum. Man ist keineswegs besonders boshaft, wenn man behauptet, dass es zu geschätzten 75 Prozent auch zur Klientel der Deutschen Rheumaliga zählen dürfte, schon rein altersmäßig. Deshalb gibt es, ungewöhnlich für die Olympiahalle, auch keine Stehplätze in der Arena - und in der Mitte ist die Halle abgehängt, weil nur etwa 3500 Zuschauer gekommen sind. Und es trifft auch zu, was Hansi Hinterseers Trompeter in der Show einmal in einem Lied über seinen Chef singen darf: dass der nämlich "für viele reife Mädchen das Idol" ist.
Die Reife äußert sich unter anderem auch darin, dass der Begeisterung relativ sachlich Ausdruck verliehen wird: durch Mitklatschen und gelegentliches Schunkeln, Walzertanzen vor der Bühne, sofern man dazu aufgefordert wird, und - als Höhepunkt der Ekstase - durch das Schwenken eines Leuchtstäbchens in Herzform.
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Die neueste Antwort
wenn der Schreiber von seinem Chef zuvor gesagt bekam, dass sich aus der beschriebenen Gruppe wohl kaum je einer für ein SZ-Abo interessieren wird.
Ist das mutig, wie ein Vorkommentator schreibt? Nee, mutig wäre, mal gegen die stets vorhersagbaren Erwartungen der SZ-Leser zu schreiben.
Wobei - Hansi wäre da zugegebenermassen das falsche Objekt
guter artikel und respekt fuer den mutigen Autor, der sich selbstloserweise zum Konzert begeben hat. Genauso stelle ich mir ein H.H. Konzert vor.