Hansa Stavanger "Ich habe gedacht, ich komme nicht zurück"

Nach seiner Rückkehr nach München erholt sich der Kapitän der freigelassenen "Hansa Stavanger". Ob er wieder in See sticht, ist unklar.

Zunächst ist kaum zu erkennen, dass Krzysztof Kotiuk als Geisel somalischer Piraten monatelang auf der "Hansa Stavanger" um sein Leben bangen musste. Mit aufgeknöpftem Hemd sitzt der Kapitän neben seine Frau Bozena auf einer Parkbank vor seinem Zuhause in München und spielt mit seinem Labrador Ivo.

Der heimgekehrte Kapitän und seine Frau

(Foto: Foto: ddp)

Doch sobald der 60-Jährige über die vergangenen Monate spricht, spürt man, wie aufgewühlt er ist. "Ich bin sehr müde, ich brauche einfach Ruhe", sagt er. Erst vor zehn Tagen waren Kotiuk und die übrigen 23 Besatzungsmitglieder gegen ein Millionenlösegeld freigekommen. Am Dienstag kehrte er schließlich nach München zurück, in die Stadt, in der er seit mehr als 20 Jahren lebt.

Einen Tag nach seiner Rückkehr erzählt er nun, dass er sich noch immer so ermattet fühle, dass das Bundeskriminalamt ihm zugesichert habe, ihn eine Woche lang mit Fragen zu verschonen.

Der entscheidende 4. April Doch dann beginnt er, ein wenig zu erzählen. Am 4. April kaperten Piraten das deutsche Containerschiff Hansa Stavanger 400 Seemeilen vor Somalias Küste. Damit begann die Geiselhaft der Besatzung. "Ich habe gedacht, ich komme nicht zurück", bekennt Kotiuk.

Als Kapitän stand er unter doppeltem Druck. Wie alle Besatzungsmitglieder habe auch er den Terror der Piraten aushalten müssen. Doch im Umgang mit seinen Crew-Mitarbeitern habe er versucht, ihnen Mut zu machen.

Wie es nun für ihn weitergeht, weiß auch er nicht. Seit mehr als 30 Jahren fährt er zur See. Die Touren dauerten meist etwa vier Monate mit einer anschließenden Pause von zwei Monaten zur Erholung in München. Ob er jemals zu diesem Rhythmus zurückkehren wird, ist ungewiss.

Erst müsse er wieder zu alter Form finden, sagt er. "Jetzt würde ich jedes Fischerboot als Piratenboot sehen und falsche Befehle geben." Daher freue er sich nun, bei seiner Frau zu sein. Doch auch sie bemerkte bereits am Flughafen, dass sich bei ihrem Mann rein äußerlich etwas verändert hat: Während seiner Geiselhaft nahm er 15 Kilogramm ab.

(SZ vom 13. August 2009/dpa/ksp)