Hanfstaengl über die Welle im Eisbach "Keine Chance für Surfer"

Egfried Hanfstaengl, Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, die für die umstrittene Welle im Eisbach zuständig ist, über Münchens größte Attraktion im Englischen Garten.

Interview: Christina Maria Berr

sueddeutsche.de: Herr Hanfstaengl, die Wellensurfer im Eisbach sind das ganze Jahr über eine Attraktion für Touristen. Das soll nun ein Ende haben. Warum?

Hanfstaengl: Das Wellensurfen im Eisbach ist ja bereits verboten. Nur bislang haben wir kaum Handhabe, um gegen die Surfer am Surfen zu hindern. Wir können nur zivilrechtlich gegen sie vorgehen.

Aber wenn etwas passiert, müssen die Angestellten der Schlösser- und Seenverwaltung und der Verwaltung des Englischen Gartens damit rechnen, zur Verantwortung gezogen zu werden.

sueddeutsche.de: Das heißt, Sie sind schuld, wenn etwas passiert?

Hanfstaengl: Genau. Als im Sommer vor einigen Jahren bei einem tragischen Unfall ein Kind im Eisbach ums Leben kam, wurde gegen den Leiter des Englischen Gartens ein Verfahren eingeleitet.

sueddeutsche.de: Das war ein Schwimmunfall. Die Surfer argumentieren, bei Ihnen sei noch nie etwas passiert.

Hanfstaengl: Welche Konsequenzen soll ich daraus ziehen? Ich kann doch nicht sagen: Wer surfen kann, darf das, wer nicht, nicht. Wie sollen wir da unterscheiden? Und was ist, wenn doch etwas passiert? Das wollen wir nicht riskieren.

sueddeutsche.de: Und wie wollen Sie das Surfen künftig verhindern?

Hanfstaengl: Das ist schwierig, Verbote liegen mir nicht. Aber es wäre wichtig, dass wir selbst gegen Unbefugte vorgehen können und, wenn es nötig ist, Ordnungsgelder verhängen. Dazu bedarf es einer rechtlichen Änderung, die wir noch in diesem Sommer erwarten.

sueddeutsche.de: Dann werden Surfer-Streifen bei den Wellensurfern abkassieren?

Hanfstaengl: Uns fehlt das Personal, das lückenlos zu überwachen. Es geht uns nicht darum, Bußgelder zu kassieren. Am liebsten wäre uns eine Regelung, bei der eben nicht die Angestellten haften, wenn trotz Verbot etwas passiert.

sueddeutsche.de: Ist das denn rechtlich möglich?

Hanfstaengl: Wenn uns die Surfer da eine Möglichkeit aufzeigen, gern. Aber bislang haben sie keinen Vorschlag gemacht und ich sehe da keinen Spielraum.

sueddeutsche.de: Ein Vorschlag war es, die Welle zu glätten.

Hanfstaengl: Ja, aber das ist technisch wohl nicht möglich, ohne andere Gefahren auszulösen. Und außerdem sind für die Bauten im Eisbach das Wasserwirtschaftsamt und die Stadt München zuständig.

sueddeutsche.de: Die Stadt aber hatte mit den Surfern aber sogar auf ihrer Homepage geworben ...

Hanfstaengl: Nach den Unfällen im Sommer haben wir mit der Stadt gesprochen und die haben dann eingesehen, dass das nicht geht und die Surfer von der Seite genommen. Bürgermeisterin Christine Strobl hat mir dazu auch einen Brief geschrieben.

sueddeutsche.de: Mal ehrlich, sehen Sie den Surfern denn nicht auch gerne zu?

Hanfstaengl: Ich war vor Ort und habe sie mir angesehen. Die Darbietungen mag man persönlich für interessant halten, aber ich habe auch gesehen, dass es wirklich gefährlich ist.

sueddeutsche.de: Das heißt: Keine Chance für die Surfer?

Hanfstaengl: Im Eisbach sehe ich keine, leider.

Bilder vom reissenden Fluss

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