Hallenprojekt FC Bayern-Basketballer geben Red Bull einen Korb

Zukunft im Audi Dome: Der FC Bayern hat für seine Basketball-Abteilung bereits fünf Millionen Euro in die ehemalige Rudi-Sedlmayer-Halle gesteckt.

(Foto: Lennart Preiss/Bongarts/Getty)
  • Die Basketballer des FC Bayern steigen aus dem Hallenprojekt mit Red Bull und dem EHC München aus.
  • FCB-Präsident Hopfner mit und begründete diesen Schritt mit einem "zu hohen wirtschaftlichen Risiko für den Club".
  • Sportbürgermeisterin Christine Strobl sieht das Projekt insgesamt nicht gefährdet.
Von Ralf Tögel

Es wäre eine spektakuläre Kooperation geworden: Der österreichische Getränkekonzern Red Bull wollte im Olympiapark eine Arena bauen, welche den Eishockeyspielern des EHC München und den Basketballer des FC Bayern eine neue Heimstatt sein sollte. Ende 2014 hat der Stadtrat dem Bau einer Multifunktionshalle mit Platz für 10 000 Zuschauern zugestimmt, 2015 wurde dafür das ehemalige Radstadion dem Erdboden gleichgemacht.

Die europaweite Ausschreibung hinterließ in Red Bull einen einzigen Interessenten, der Investor aus Salzburg will sich die Halle 100 bis 120 Millionen Euro kosten lassen. Eine wichtige Rolle in dessen Kalkulationen spielten die beiden geplanten "Ankermieter" FC Bayern und die Stadt München. Doch nun muss neu gerechnet werden in Salzburg, denn die Bayern-Basketballer haben den Rückzug bekannt gegeben.

Bayern-Basketballer steigen aus Hallenprojekt aus

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Das hatte sich bereits angedeutet, denn Vizepräsident Rudolf Schels, der die Basketball-Abteilung verantwortet und mit Präsident Karl Hopfner die Verhandlungen geführt hat, erklärte der SZ, dass sich der FC Bayern durchaus eine Zukunft im Audi Dome vorstellen könne. Fünf Millionen Euro hatte der FCB in die Sanierung der ehemaligen Rudi-Sedlmayer-Halle investiert, die in jedem Fall auch weiterhin als Trainingshalle und Standort für die Jugendabteilung betrieben werde sollte.

Warum der FC Bayern zurückzieht

Die Möglichkeit, die Zuschauerkapazität von 6700 auf knapp 8000 zu erhöhen, sowie die eher moderate Entwicklungen der Besucherzahlen waren weitere Argumente für einen Verbleib der Basketballer im Audi Dome. Nun also hat das Präsidium Fakten geschaffen: "Wir haben diese Entscheidung nach reiflicher Überlegung getroffen", teilte FCB-Präsident Hopfner mit und begründete diesen Schritt mit einem "zu hohen wirtschaftlichen Risiko für den Club" sowie "Überschneidungen im künftigen Spielbetrieb von Eishockey und Basketball".

Denn beide Mannschaften sind auch im internationalen Geschäft vertreten. Allein deshalb hätte der Verein den Audi Dome in einem "spielfähigen Zustand" halten müssen. Zudem hatte Red Bull nach SZ-Informationen eine sehr hohe Laufzeit beim Mietvertrag gefordert, die Miete läge im siebenstelligen Bereich: Viel Geld, das die ambitionierten Basketballer nun in den Kader investieren können.

Red Bull wollte sich zunächst nicht äußern. Der Neubau im Olympiapark muss aber nicht gescheitert sein, bestätigt Sportbürgermeisterin Christine Strobl. Jetzt müsse Red Bull "das kompensieren", mit dem verbliebenen Mieter - der Stadt. Deren Verhandlungen führt sie selbst. Red Bull hatte 2019 für eine Inbetriebnahme avisiert, ein Termin, den Strobl ohnehin "persönlich mit einem Fragezeichen" versehen hatte. Auch die Kapazität von 10 000 Plätzen sieht sie nicht zwingend gegeben, denn die Olympiahalle in direkter Nachbarschaft decke diese Dimension ab und sei "mittlerweile technisch wieder auf einem neuen Stand". Bedarf gebe es "eher in einem kleineren Segment".

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Welche Alternativen Strobl sieht

Strobl jedenfalls bleibt gelassen, denn zum einen ist nun Red Bull am Zug, zum anderen herrscht mehr Klarheit. Bisher hatten die Österreicher parallel mit den Bayern und der Stadt gesprochen, was die Verhandlungen nicht gerade beschleunigt hatte. Jetzt gibt es nur noch zwei Parteien. Denkbar wäre aber auch ein Alleingang von Red Bull.

Selbst der Gedanke an einen Rückzug des potenten Investors scheint Strobl nicht zu erschrecken, denn eine solche Fläche inmitten der Stadt bietet viele interessante Möglichkeiten. "Es gab schon einmal die Idee eines Musiktheaters", erinnert Strobl, auch Freiflächen seien ein netter Gedanke. Dennoch bleibt die Münchner Bürgermeisterin optimistisch, was die Multifunktionshalle betrifft. So lange indes eine Entscheidung aussteht, ist ungeklärt, was mit dem fast 50 Jahre alten Olympia-Eissportzentrum geschieht, dessen Sanierung die Stadt rund 30 Millionen kosten würde.

Allein deshalb wird die Stadt weiter Druck machen, Strobl hatte eine Entscheidung in den nächsten "ein, zwei Monaten" angemahnt. Auch diesbezüglich gibt es mehrere Denkmodelle, aber wenig Konkretes. Strobl könnte sich vorstellen, die Halle wie beim Munich Mash für Trendsportarten zu nutzen. Denn auch dafür bestehe in München Bedarf.

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