Haidhausen Vom Verfall bedroht

"Einer Stadt wie München nicht würdig": Generalkonservator Mathias Pfeil beklagt den desolaten Zustand des Maxwerks am Haidhauser Isarufer. Er setzt auf eine gastronomische Nutzung des historischen Gebäudes

Von Johannes Korsche, Haidhausen

Wer im Park der Maximiliansanlagen Ruhe sucht, kennt das Maxwerk am Isarufer nur von außen. Und die Betrachter stören Gestrüpp und Graffiti an der Wand des ältesten Münchner Wasserkraftwerkes. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, sagt: "Momentan ist das Maxwerk ein Schandfleck in der Umgebung." Dass die Stadtwerke, denen das Gebäude gehört, so ein Gebäude derart vernachlässigt hätten, sei einer Stadt wie München nicht würdig. Pfeil besichtigte jetzt gemeinsam mit etwa 25 Interessierten die Innenräume des Maxwerks. In Zukunft könnte das Industriedenkmal als Großgastronomie-Standort mit bis zu 400 Plätzen genutzt werden. Das jedenfalls plant die Augustiner-Brauerei derzeit - der Bezirksausschuss Au-Haidhausen und einige Stadträte haben dagegen schon deutlich Protest eingelegt.

Der Architekt Carl Hocheder entwarf Ende des 19. Jahrhunderts das Wasserkraftwerk als ein barockes Schlösschen, das an die Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark erinnern sollte und sich unauffällig in den Park einfügen sollte. Bis heute produziert eine Turbine, einst entworfen von Oskar von Miller, täglich 430 Kilowattstunden Strom. Neben dem Turbinenraum hat auch eine Wohnung ihren Platz, in der früher der königliche Turbinenwart lebte. Bis in die Siebzigerjahre waren die Räume an Angestellte der Stadt München vermietet. Im Anschluss daran stand das Gebäude dann für 20 lange Jahre leer.

Bis der Haidhauser Dieter Horres und seine Frau Birgitta Lohrer-Horres das Maxwerk 2001 anmieteten. Schon damals war klar, dass das Ehepaar wohl nach 15 Jahren wieder würde weichen müssen. Trotzdem investierte das Ehepaar viel Geld: "Wir haben einen sechsstelligen Betrag in die Renovierung der Wohnung gesteckt, davon hätten wir uns auch eine Wohnung in der Stadt kaufen können." Der originale Dielenboden kam wieder zum Vorschein, die Wände wurden von Feuchtigkeit und Schmierereien befreit - heute dient die einstige Wohnung als Atelier und Büro. Lohrer-Horres ist Kostümschneiderin und Maskenbildnerin an Münchner Theatern.

Trotz all der Anstrengungen des Ehepaares ist der Zustand des Gebäudes für Pfeil desolat: "Als Einzelperson ist man mit so einer Aufgabe einfach überfordert." Um das Maxwerk auch für die Zukunft zu bewahren, müsste so schnell wie möglich eine umfassende fachliche Untersuchung gemacht werden, das könne keinem Mieter zugemutet werden. "Eine gastronomische Nutzung ist daher grundsätzlich keine schlechte Idee", findet der Generalkonservator. Augustiner habe in der Vergangenheit gezeigt, dass man dort mit der Geschichte von Gebäuden umgehen könne. Konkrete Pläne liegen dem Landesamt für Denkmalpflege allerdings noch nicht vor, daher wollte er diese nicht kommentieren. Für ihn ist aber klar: "Der Charakter des Gebäudes darf nicht verloren gehen." Die Brauerei wird darauf eingehen müssen, da die Denkmalschützer bei der Planung mit einbezogen werden müssen.

Lichtdurchflutet: das Maxwerk in der Innenansicht.

(Foto: Robert Haas)

Auch Dieter Rippel, Vorsitzender der "Freunde Haidhausens", ist einem Café mit Räumen für die Stadtteilkultur gegenüber offen, aber: "Alleine der Lieferverkehr für die Gastronomie durch die Maximiliansanlagen ist nicht vorstellbar." Mit Blick auf das Deutsche Museum und dessen Gründer Oskar von Miller kann er sich auch eine andere Nutzung vorstellen: "Es gibt hier einen Originalstandort mit einer erhaltenen Turbine von Oskar von Miller." Man sei nicht gut beraten, würde man diesen Ort heimlich verschwinden lassen.