Hahn oder Flasche Mineralwasser oder Leitungswasser?

Die einen zapfen es aus dem Hahn, die anderen schleppen lieber Flaschen. Ob jemand Leitungswasser oder Mineralwasser bevorzugt, ist meist eine Frage des Geschmacks. Was gesünder ist - darüber scheiden sich die Geister.

Von Violetta Simon

Jamaika, Kuba und einige afrikanische Staaten haben gerade mal eins. Unser Nachbarland Österreich begnügt sich mit rund 30. Die USA, wer hätte das gedacht, geben sich mit einer Auswahl an 170 zufrieden und rangieren damit weltweit auf Platz vier. Die Rede ist vom Mineralwasser.

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Etwa 500 Mineralwassermarken gibt es allein in Deutschland, das übertrifft nur noch Italien mit etwa 590 Sorten. Im Gegensatz zu Spaniern, Franzosen und Amerikanern bevorzugen die Deutschen nach wie vor Wasser mit Kohlensäure.

Dennoch steigt der Verbrauch von stillen Mineralwässern stetig. Wolfgang Stubbe, Geschäftsführer des Verband Deutscher Mineralbrunnen, weiß den Grund dafür: "Das Mineralwassers hat einen Imagewandel vom reinen Durstlöscher zum Wellnessgetränk erfahren". Der Wunsch nach Gesundheit und Fitness sei selten ausgeprägter gewesen als heute.

Mineralwasser - der Durstlöscher Nummer eins. Etwa 70 Prozent der Deutschen trinken es täglich und kommen dabei auf einen Pro-Kopf-Durchschnitt von 130 Liter im Jahr. Weiter nicht verwunderlich: Es ist gesund und hat keine Kalorien. Doch das gilt für Leitungswasser auch.

Der Unterschied: Mineralwasser enthält große Mengen von gelösten Mineralien wie Kalzium, Magnesium, Natrium und Eisen. Doch dieser vielgepriesene Vorteil ist für uns weniger relevant als gemeinhin angenommen.

Mineralien im Wasser

Ein weit verbreitetes Argument für den Konsum von Mineralwasser ist sein hoher Mineralgehalt. Doch der menschliche Organismus nimmt diese Mineralien nicht vollständig auf.

Der Bedarf an Mineralstoffen wird in europäischen Ländern vorwiegend über die Nahrung gedeckt: Die Aufnahme von Calcium erfolgt über Milchprodukte und Gemüse, Magnesium erhält der Körper über Vollkornprodukte, Bananen und Gemüse.

Der Mineraliengehalt im Trinkwasser und im Mineralwasser spielt - je nach Ernährungsweise - eine eher untergeordnete Rolle und wirkt bestenfalls ergänzend. "Wasser - ob aus der Leitung oder der Flasche - dient in erster Linie als Durstlöscher", erklärt die Ökotrophologin Sabine Stubbe aus Frankfurt.

Was Natrium betrifft, so nehmen wir bereits zu viel davon auf, etwa über Salz und andere Gewürze. Es ist daher nicht nötig, die Natriumzufuhr etwa durch den Konsum von Mineralwasser weiter zu erhöhen.

Trinkwasser enthält weniger Natrium als Mineralwasser. Dennoch ist Mineralwasser in jedem Fall gesünder als die meisten, vor allem zuckerhaltigen oder alkoholischen, Getränke.