Guttenberg in München Nein, kein 386. Comeback-Versuch

Gefragter Mann: Karl-Theodor zu Guttenberg reiste für einen Vortrag nach München

Das Haar ungegelt, das Gesicht voller: Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück in München. Bei einem Auftritt am Rande der Sicherheitskonferenz dementiert der Ex-Minister jeglichen politischen Ehrgeiz - und konzentriert sich auf seine Power-Point-Präsentation über Cybergefahren.

Von Matthias Drobinski

Überall stehen Polizisten in dicken Westen und bewachen die Gegend, nur: Sie schützen nicht ihn, sie schützen den Ort, an dem er jetzt spräche, wäre er geblieben, was er war, Verteidigungsminister nämlich. Zu Karl-Theodor zu Guttenbergs Auftritt geht es in die ehemalige Karmeliterkirche; die ist, um es sicherheitsrelevant zu sagen, nur einen Steinwurf entfernt vom Bayerischen Hof in München, wo die Sicherheitskonferenz tagt. Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück, eingeflogen aus den USA an den Rand der Macht; der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) haben ihn eingeladen.

Es ist das erste Mal nach seinem Rücktritt vor drei Jahren, dass Guttenberg einen öffentlichen Vortrag in Deutschland hält; er, das Politiktalent, das damals so tief über seine in Teilen abgeschriebene Doktorarbeit gestürzt ist. Nahezu unbemerkt ist er durch die Kirchentür gekommen, das Haar ungegelt, das Gesicht voller. Nein, das sei nicht "mein 386. Comeback-Versuch", sagt der einstige CSU-Politiker. "Ich will weder den Ministerpräsidenten noch die Kanzlerin noch den Papst stürzen." Er habe eine Firma in den USA gegründet, er engagiere sich für eine Universität, da habe er "etwas gutzumachen", das sei in Amerika aber auch möglich.

Zum Thema also. Es geht um die "Sicherheit der weltweiten Handels- und Logistikströme", das ist gerade für die Exportnation Deutschland ein wichtiges Thema, erklären vbw-Präsident Alfred Gaffas und BDI-Chef Ulrich Grillo. Die Kriege um Rohstoffe und Energie, Umweltkatastrophen, Bürgerkriege, Fukushima, den arabischen Frühling und die Cyberkriminalität, all das muss ein Unternehmer mitbedenken, sagt Gaffas, nur: Das tue er leider zu wenig.

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Die Lage jedenfalls, über die Guttenberg berichtet, ist ernst, er hat sich damit sehr beschäftigt, sagt er. Die Macht in der Welt verschiebt sich von den Regierungen zu den großen Unternehmen, "vom Government zum Googlement", wie er das formuliert: "Facebook könnte Regierungen stürzen." Die Zahl der Hacker-Angriffe auf Staaten, Behörden, Unternehmen steige, im Bereich der Pharma- und Chemieindustrie zum Beispiel um das Vielfache. Doch weder die Unternehmen noch die Staaten seien dafür gerüstet.

Er präsentiert Powerpoint-Seite um Seite: 52 Prozent aller Probleme bei der Handelskette seien mittlerweile cyberverursacht, die Verluste seien so hoch wie bei Brand und Bürgerkrieg. Doch nur eine Minderheit der Manager geht davon aus, dass ihr Unternehmen häufig aus dem Netz heraus angegriffen wird. Er macht sich ein bisschen lustig über die zahlreichen deutschen Internetminister und präsentiert ein Organigramm, das die Verantwortlichkeiten in der EU im Falle eines Cyberangriffs zeigt - es ähnelt zum Schaudern der Zuhörer einem pointilistischen Gemälde. Es braucht Anstrengungen, ist seine Botschaft, national, international.

Er kann das: mit klarer Stimme Hauptsätze sagen, Selbstironie einsprengseln, einen Saal für sich einnehmen, und irgendwie ist ja auch alles nachvollziehbar, was er sagt. Er sei froh, dass er nicht drüben im Bayerischen Hof sein müsse, sagt er noch, wo Dutzende Journalisten schauen, ob er oder Nachfolgerin Ursula von der Leyen breiter lächelt, dass er über Inhalte reden könne. Verzeihung, dass er zerknittert wirke - sein Nachbar im Flugzeug habe geschnarcht. Noch zwei Fragen, dann muss Karl-Theodor zu Guttenberg weg: in die neue Heimat.

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