Von Jan Bielicki

Die Parteibasis der Grünen stellt die Olympiabewerbung in Frage. Ein ablehnendes Votum bei der Stadtversammlung könnte die Rathaus-Koalition schwer belasten.

Der Antrag ist einfach. "Wir lehnen die Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele 2018 in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee (München plus 2) ab", schreibt die Grüne Jugend München (GJM) klipp und klar. "Olympia, nein danke!", heißt das, und finden die Junggrünen bei der Stadtversammlung ihrer Partei am heutigen Dienstagabend eine Mehrheit für ihren Vorstoß, könnte das die offizielle Haltung der Grünen zur Olympia-Bewerbung der Stadt werden - zum Schrecken der grünen Vorleute.

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München als Olympiastadt? "Die Olympia-Skepsis ist sehr groß bei unseren Leuten", glaubt Parteichef Uwe Kramm. (© Foto: dpa)

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"Die Olympia-Skepsis ist sehr groß bei unseren Leuten", glaubt Parteichef Uwe Kramm nach einer Tour durch die Ortsvereine erkannt zu haben und sieht eine "sehr schwierige Diskussion" vor sich. "Das wird in der Tat eine schwierige Sache", erklärt die Stadträtin Sabine Krieger fast wortgleich. Tatsächlich erscheint es keineswegs ausgeschlossen, dass sich die Junggrünen mit ihrem antiolympischen Begehr durchsetzen gegen die eigene Ratsfraktion und große Teile der eigenen Parteiführung.

So gut wie alle Obergrünen haben sich hinter einen Gegenantrag der Stadträtin Krieger gestellt: Parteichef Kramm ebenso wie die Landesvorsitzende Theresa Schopper, Bürgermeister Hep Monatzeder und der städtische Umweltreferent Joachim Lorenz, dazu demonstrativ alle grünen Stadträte - mit Ausnahme von Boris Schwartz, der ohnehin in der Olympia-Bewerbungsgesellschaft dafür verantwortlich ist, das Umweltkonzept der Spiele zu erarbeiten.

"Chance für Umsetzung harter ökologischer Kriterien"

Sie warnen die Parteibasis davor, sich gegen Münchens Olympia-Bewerbung zu stellen - jedenfalls jetzt schon: "Die Entscheidung über eine Teilnahme der Münchner Grünen an der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018 in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau wird erst im Herbst 2009 getroffen", fordern die Stadträte ihre Parteifreunde auf, eine Festlegung für oder gegen Olympia bis dahin zu vertagen.

Ihr Argument: Erst dann legt die Bewerbungsgesellschaft den Entwurf des Bewerbungsbuches vor, das beschreibt, wie Olympia in München, Garmisch und am Königssee aussehen soll - und wie das Umweltkonzept dazu. "Vorher wissen wir doch gar nicht, welche ökologischen Auswirkungen die Spiele haben werden", sagt Krieger. Winterspiele in München, so argumentiert sie, könnten ja "auch eine Chance sein" - und zwar gerade "für die Umsetzung harter ökologischer Kriterien".

Davon jedoch wollen die Olympia-Gegner nichts wissen: "Winterspiele sollten schon dort stattfinden, wo 2018 noch Schnee fällt", sagt die GJM-Chefin Katharina Schulze, außerdem könnten "Sportgroßveranstaltungen überhaupt nicht klimafreundlich sein". Ähnlich streng fordern Landeschef Dieter Janecek und der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann "die grüne Stadtratsfraktion auf, die Bewerbung für die Winterolympiade 2018 auf Grundlage des bisher bekannten Konzeptes ,München plus 2‘ zu überdenken und einen glaubwürdigen Kurswechsel einzuleiten". Soll heißen: Olympia auch in Ruhpolding und Oberstdorf zu planen, eine von den Olympia-Strategen längst als chancenlos verworfene Alternative, die allerdings einen innergrünen Formelkompromiss bilden könnte.

Denn die Stadträte sorgen sich auch um das Klima in der Rathauskoalition. Setzen sich die Olympia-Gegner durch, steckt die grüne Ratsfraktion im Dilemma: Hält sie sich an einen Anti-Spiele-Beschluss, müsste sie die Koalitionsvereinbarung mit der SPD brechen. In dem - von der grünen Basis erst vor einem knappen Jahr mit großer Mehrheit gebilligten - Papier ist eine Planung "ökologischer und nachhaltiger Winterspiele" festgeschrieben. Bei einem vorzeitigen Nein zur Olympia-Bewerbung, so schwant es Krieger, werde es für den Bestand der Koalition "sehr, sehr schwierig" werden.

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(SZ vom 31.03.2009/pfau)