Grippewelle Der Schnupfen nach der Wiesn

München niest und hustet. Jedes Jahr, wenn das Oktoberfest vorüber ist, grassieren Erkältungen. Da hilft nur eins: viel Flüssigkeit und gesunde Ernährung - und im Bett in Wiesn-Erinnerungen schwelgen.

Von Von Sibylle Steinkohl

Auf Schreibtischen, in Handtaschen und auf Nachtkästchen gibt es zurzeit auffallend viele Fläschchen und Päckchen mit pflanzlichen Mitteln, die noch schnell eine schlimme Erkältung abwenden sollen. Der Zigarettenkonsum in der Umgebung sinkt, die Zahl der Kranken steigt.

Eine Möglichkeit der Vorbeugung: die Impfung. Sie hilft allerdings nur gegen die Visengrippe nicht gegen den "Wiesn-Virus".

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"Ich kämpfe", sagt ein Opfer und meint das Kratzen im Hals, die verstopfte Nase und das Kopfweh, das sie seit einigen Tagen plagt. Ein Familienmitglied sei gleich eine Woche mit Fieber im Bett gelegen, und die Bedienung neulich in der Kneipe habe auch an einem heftigen Schnupfen laboriert.

Kein Zweifel, die erste Erkältungswelle dieses Herbstes hat München fest im Griff. "Wiesn-Virus" taufte jetzt eine Bouleveardzeitung die lästigen bis schweren Symptome.

"Sie können die Uhr danach stellen", sagt Karen-Mareen Bereiter vom Bayerischen Apothekerverband: Pünktlich in der Woche nach dem Oktoberfest beginne die alljährliche Erkältungssaison. Es sei ja auch kein Wunder, findet sie, "die Leute sitzen in den Zelten eng nebeneinander". Da sei die Streuwirkung der Tröpfcheninfektion ganz enorm.

Über den Ladentisch ihrer Apotheke reicht sie sanfte, homöopathische Arzneien ebenso wie die typischen Medikamente gegen grippale Infekte. Wer fit für eine Prüfung oder beruflich präsent sein muß, versuche die Beschwerden gezielt und rasch zu lindern.

Den Münchnern, die noch verschont geblieben sind, rät die Apothekerin, in den nächsten Wochen die Abwehrkräfte zu steigern, mit Vitamin C zum Beispiel, ein Tipp, den auch Johannes Bogner, Infektiologe am Klinikum der Universität, für sich persönlich beherzigt.

Wichtig sei jetzt besonders, für ausreichend Flüssigkeit und eine vitaminreiche Ernährung mit genügend Eiweiß und wenig Kohlehydraten zu sorgen, sagt der Professor: "Alles, was das Immunsystem belastet, sollte zurückgeschraubt werden."

Zu viel Alkohol genauso wie Nikotin, "das absolute Gift". Der schnelle Wechsel von Wärme und Kälte und das falsche Atmen durch den Mund statt durch die Nase machten ebenfalls für Infekte anfällig. Besser sei es übrigens, Nasensekret hochzuziehen anstatt zu schnäuzen. "Dann drückt man die Krankheitserreger nicht in die Nebenhöhlen", erklärt der Mediziner.

Doch auch die Ärzte hat es schon erwischt. "Jeder zweite Mitarbeiter schnieft und fühlt sich krank", berichtet Bogner. Wer sich die "Post-Wiesn-Erkältung" eingefangen hat, muss sich nun in Geduld üben. Es kann zwischen zehn und 14 Tagen dauern, bis der Husten verschwunden und die Nase wieder frei ist.

Mit der Virusgrippe freilich dürfen die grassierenden Erkältungs-Viren nicht verwechselt werden. Vor der gefährlichen Influenza schützt nur die Grippeimpfung, für die es nun wieder an der Zeit ist. Der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf ging gestern mit gutem Beispiel voran und ließ sich die Spritze geben.