Von Monika Maier-Albang

Constantinos A. sitzt wegen Geiselnahme an einer deutscher Schule in Griechenland in griechischer Haft. Nun drohte er, am Münchner Hauptbahnhof Bomben explodieren zu lassen.

Ein in Griechenland inhaftierter Mann hat Ende Dezember per Telefon damit gedroht, am Münchner Hauptbahnhof und an zwei weiteren Orten in Deutschland Bomben explodieren zu lassen. Die Polizei durchsuchte daraufhin ein Schließfach am Hauptbahnhof, fand allerdings keinen Sprengstoff. Dennoch halten die Behörden Constantinos A. für gefährlich: Der 55-jährige Grieche hatte bereits mehrfach Menschen als Geiseln genommen. Und in dem Schließfach, dessen Nummer A. angegeben hatte, stand eine Kerze. Der Grieche muss also in München einen Helfer haben.

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In diese Schule drang Constantinos A. mit Sprengstoff ein. Nun drohte er, in Deutschland Bomben zu legen. (© Foto: AFP)

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A. hatte schon mehrmals Menschen in Angst und Schrecken versetzt, zuletzt am 2. Dezember vergangenen Jahres. Da war der Grieche in die deutsche Schule in Thessaloniki gestürmt, hatte ein Lösegeld von zehn Millionen Euro verlangt, gleichzeitig mit Selbstmord gedroht und eine Stunde lang drei Geiseln festgehalten: den deutschen Schuldirektor, einen Lehrer und einen griechischen Mitarbeiter.

Die Geiselnahme endete unblutig; A. ergab sich schließlich der Polizei, die ihn bereits kannte. Denn A. hatte, wie die in Athen erscheinende Griechenland Zeitung im Dezember berichtete, bereits 2006, als er auf Hafturlaub war, dieselbe Schule überfallen. Ausgestattet mit einer Maschinenpistole und Handgranaten. Nun sitzt der 55-Jährige nahe der nordgriechischen Stadt erneut in Haft.

Nach SZ-Informationen hatte der als psychisch gestört geltende A. am 30. Dezember mehrere Drohanrufe abgesetzt. Auf Deutsch meldete er sich beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden, beim Münchner Merkur, der Süddeutschen Zeitung und dem Bayerischen Rundfunk, gab allerdings keinen Namen an. Er wolle zehn Millionen Euro, um einen Bekannten aus dem Gefängnis freizukaufen. Später würde er das Geld zurückgeben. Für den Fall, dass man seiner Forderung nicht nachkomme, habe er an drei Orten in Deutschland drei Kilo TNT hinterlegt. Zu zwei Orten machte er keine Angaben. In München nannte er das Schließfach am Hauptbahnhof.

Die Ermittlungen hat mittlerweile das Bundeskriminalamt in Wiesbaden übernommen. Der Verdacht: "Bildung einer kriminellen Vereinigung", weil A. einen oder mehrere Helfer haben muss. Die Sprecherin der Münchner Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger, bestätigte am Donnerstag, dass es eine Bombendrohung gegeben habe. Diese Drohung sei von den Behörden auch als "ernst" eingestuft worden, so Stockinger. Bei seinem ersten Anruf hatte A. angekündigt, sich am folgenden Tag wieder zu melden.

Die Polizei legte daraufhin eine Fangschaltung und konnte Constantinos A. tatsächlich identifizieren, als er am 31. Dezember erneut anrief. Die Beamten dürften allerdings reichlich erstaunt gewesen sein, als es ihnen gelang, den Anruf zurückzuverfolgen: Es war ein Festanschluss in dem griechischen Gefängnis bei Thessaloniki, in dem A. inhaftiert ist.

Allerdings besitzt der 55-Jährige offenbar auch ein Handy mit aktiver SIM-Karte, das er in seiner Zelle benutzen durfte.Nach dem zweiten Anruf am 31. Dezember kontrollierte die Polizei erneut mit Sprengstoffhunden alle rund 2000 Schließfächer am Hauptbahnhof; diesmal entdeckte man jedoch nichts. Die Kerze wurde inzwischen kriminaltechnisch untersucht, es fanden sich jedoch keine Spuren, die Hinweise auf den Mittäter geben könnten.

Mehrfach verurteilt

Constantinos A. sitzt in Griechenland mittlerweile in Einzelhaft; sein Handy hat man ihm abgenommen. Warum A. überhaupt Hafturlaub erhalten hatte, ist den hiesigen Behörden jedoch ein Rätsel. Denn die Geiselnahme im Mai 2006 war nicht seine erste. In den achtziger Jahren hatte er in Deutschland zwei Geschäftspartner entführt. 1995 wurde er zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem er acht Jahre Haft in Deutschland verbüßt hatte, wurde A. nach Griechenland überstellt, um den Rest seiner Strafe dort abzusitzen.

Ungefährlich ist der Mann also nicht, das dürften auch die griechischen Behörden wissen: Als er 2006 die deutsche Schule in Thessaloniki stürmte, trug er zusätzlich zu den Handgranaten und der Maschinenpistole eine Tasche bei sich, in der drei Kilo Sprengstoff verkabelt waren. Damals drohte Constantinos A. damit, die Schule in die Luft zu sprengen, falls man ihm nicht zehn Millionen Euro aushändigt.

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(SZ vom 15.01.2010/wib)