Goldloch in Haidhausen Riesling als Hauptdarsteller

In der ehemaligen schummrigen Kneipe Rakete hat das strahlend weiße Goldloch eröffnet. Doch das Lokal ist nicht steril, sondern freundlich. Statt überschminkter Stiletto-Damen und gegelter Herren trinken hier entspannte Haidhauser Wein.

Von Judith Liere

Man hätte vielleicht reservieren sollen. Der Laden ist klein, und er ist voll. "Ihr könnt gerne reinschauen, aber ich fürchte, ihr findet keinen Platz mehr", sagt die freundliche Bedienung zur Begrüßung. Alle Tische sind besetzt und die Teller darauf noch voll. "Das wird noch ein bisschen dauern, bis was frei wird. Eben mussten auch schon zwei Leute wieder gehen - die haben aber eine Flasche Wein mitgenommen und warten im Auto."

Vor der Tür steht ein silbernes Oldtimer-Cabrio - zugegebenermaßen eine ganz hübsche Ausweichmöglichkeit, wenn das "Goldloch", die neue Weinbar am Johannisplatz, keinen Tisch mehr frei hat.

Besitzt man aber kein altes Cabrio und sind die Raucherstühle vor dem Eingang noch zu nass vom Sommergewitter, bleibt einem nichts anderes übrig, als nach anderthalb Stunden wiederzukommen. Dann ergattert man zwei Hocker am Tresen und kann sich in Ruhe umschauen. Dass hier einmal die "Rakete", eine hübsch schummrig-schäbige Szenebar drin war, ist nicht mehr wirklich vorstellbar. Die Wände sind strahlend weiß, die Stühle auch, die Tische und die Theke aus hellem Holz - trotzdem wirkt der Raum nicht steril, sondern freundlich.

Die Ende April eröffnete Weinbar überrascht angenehm. Es hätte ja auch schlimm werden können: Schicker Nachfolger der ranzigen Kneipe in frisch saniertem Haus, Haidhausen, über hundert Weine auf der Karte, und dann noch dieser Name, Goldloch - das klingt doch schon so nach Münchner Blingbling-Schickimicki-Bussibussi. Isses aber nicht, zum Glück.

Statt überschminkter Stiletto-Damen und gegelter Herren in zu weit geöffneten weißen Hemden sitzen an den Tischen entspannt aussehende Menschen ab dreißig, Nachbarschaftspublikum wahrscheinlich.

Die Tagesgerichte stehen an einer alten Schultafel über dem Tresen, zum Beispiel Blütensalat mit Büffelmozzarella für 9,50 Euro, der aus Rucola, Kräutern, leckerer Brennnessel und einer roten Blüte oben drauf besteht und mit sehr, sehr leckerem Weißbrot serviert wird. Fünf bis acht verschiedene Gerichte sollen täglich angeboten werden, außerdem gibt es kleine Speisen wie Antipastiteller oder Smørrebrød.

Der Hauptdarsteller des Lokals ist allerdings der Wein. Kein Wunder: Chef des Goldlochs ist der Sommelier Holger Baier, dem außerdem das "Tramin" in der Lothringer Straße gehört. Der Wein hat der Bar auch den Namen gegeben - Goldloch heißt ein Anbaugebiet an der Nahe, von dort kommt der Hauswein, ein Riesling vom jungen, mehrfach ausgezeichneten Winzer Sebastian Schäfer.

Um die 15 offene Weine, das Glas für vier bis fünf Euro, stehen an der Tafel. Und mit dem Durchlesen der Karte mit den Flaschenweinen (zwischen 25 und 100 Euro) kann man sich gut den gesamten Abend im Goldloch vertreiben.

Johannisplatz 11, Haidhausen, Öffnungszeiten: Di-Fr 17-1 Uhr, Sa-So 12-1 Uhr.