Von Katja Auer, Dominik Hutter und Susi Wimmer

Das befürchtete Verkehrschaos ist ausgeblieben, Zwischenfälle gab es nicht.

Jede Menge Sitzplätze in U- und S-Bahn, leere Innenstadt-Straßen und freie Auswahl auf den Busparkplätzen - das befürchtete Verkehrschaos am Papst-Wochenende ist nahezu komplett ausgeblieben.

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Mit Ausnahme eines kleineren Bus-Staus am Samstagmorgen sowie der zum Ferienende unvermeidbaren Urlauberkolonnen konnte die Polizei keine größeren Störungen verkünden. Statt der prognostizierten 3000 bis 4000 Pilgerbusse rollten nur 2000 gen Riem, und auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln war der Andrang deutlich geringer als erwartet.

Sitzplätze statt Wartezeiten

Dabei hatten sich die Betreiber von U- und S-Bahn auf die komplette Überfüllung eingestellt, extremer noch als bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Stundenlange Wartezeiten waren vorausgesagt worden und eine hoffnungslos von Pilgern bestürmte Messe-U-Bahn, von deren Benutzung ausdrücklich abgeraten wurde. Stattdessen waren in den Zügen der Linie U 2 selbst zwischen sechs und neun Uhr morgens Sitzplätze zu bekommen.

Ein ähnliches Bild bot die S-Bahn, die nach eigenen Angaben das dichteste Betriebsprogramm ihrer Geschichte aufgefahren hatte. Viele der in großer Zahl eingesetzten Fahrgast-Berater wunderten sich über den unverhofft stressfreien Tag. "Eigentlich dachte ich, die Leute stehen sich auf den Füßen", berichtete ein Mitarbeiter der S-Bahn. Mehrere U-Bahn-Stationen, die aus Sicherheitsgründen gesperrt waren, wurden vorzeitig wieder geöffnet.

Potenzielle Spielstraßen

Schon am Samstag, bei der Ankunft des Papstes, hatte die Polizei den zentrale U- und S-Bahnhof Marienplatz erst um 15 Uhr statt wie geplant mittags dichtmachen lassen - weil alles so übersichtlich war. Das lag vor allem an den Nicht-Pilgern, die sich offenkundig für die innere Emigration in Haus und Garten oder aber die ganztägige Flucht in die Peripherie entschieden hatten. Selbst große Verkehrsadern wie die Sonnen- oder Lindwurmstraße waren auffallend leer - so leer, dass sie problemlos auch als Spielstraßen geeignet gewesen wären.

Als "nahezu unglaublich" wertete Polizeisprecher Andreas Ruch die Disziplin der Gläubigen. "Alle unsere Appelle wurden zu fast hundert Prozent umgesetzt", sagte er. So marschierten oder radelten die Gottesdienstbesucher "zivilisiert und geordnet" von München gen Riem, kaum einer wagte sich mit dem Auto in Richtung Messestadt.

Und auch dass bei 14.000 gesperrten Parkplätzen entlang der Papamobil-Strecke lediglich 60 Autos abgeschleppt werden mussten, sei erstaunlich gewesen. Insgesamt blieb für die etwa 5500 eingesetzten Beamten wenig zu tun. Am Samstag hatten Fahnder in der Innenstadt vorsorglich zehn Männer aus Ostdeutschland verhaftet, die in München bereits als Taschendiebe in Erscheinung getreten waren. "Ansonsten verlief alles reibungslos", meinte Ruch.

Mit mehr Stress gerechnet

Erleichtert zeigten sich auch die Rettungsdienste. Einsatzleiter Thomas Auerbach von den Maltesern hatte mit wesentlich mehr Stress gerechnet. "Bei den Wiesn-Umzügen ist mehr los", sagte er angesichts der übersichtlichen Ludwigsstraße am Samstag.

Insgesamt 203 Gottesdienstbesucher mussten am Sonntag behandelt werden - hauptsächlich wegen kleinerer Beschwerden wie Kreislaufschwäche oder Blasen an den Füßen. Elf Patienten wurden zur Weiterbehandlung in Krankenhäuser gebracht. Darunter auch eine 20-jährige Frau: Sie war hochschwanger und wollte offenbar während des Gottesdienstes entbinden.

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(SZ vom 11.9.2006)