Glockenbachviertel Heimatgefühl, mitten in der Großstadt

Bonsai statt Geranie vor den Fenstern - es ist idyllisch an manchen Stellen im Glockenbachviertel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Trotz der Gentrifizierung hat das Leben im Glockenbachviertel seinen Charme behalten - wegen der Menschen, die hier wohnen. Ein Rundgang in Bildern.

Von Günther Knoll (Text) und Stephan Rumpf (Fotos)

Heutzutage braucht es schon ein richtiges Event: Das alljährliche Straßenfest in der Hans-Sachs-Straße macht deutlich, wofür das Glockenbachviertel noch vor gar nicht allzu langer Zeit stand: Es war der Ort, den vor allem die Münchner Schwulenszene prägte. Heute ist es an vielen Stellen ein Innenstadtbezirk fast wie jeder andere, mit einer Gastronomie, welche die einschlägigen Vorgänger verdrängt und auf junges Ausgehpublikum setzt, mit Luxussanierungen, hohen Mieten und Zuzüglern, die sich diese leisten können. Ein sogenanntes Szeneviertel, in dem sich kaum noch erahnen lässt, dass dort früher einmal die kleinen Leute wohnten und arbeiteten. Die sind ebenso verschwunden wie der Namensgeber des Viertels: Der Glockenbach, der früher für eine Gießwerkstatt genutzt wurde, verläuft inzwischen unterirdisch.

Wenn aber jemand einen Großteil seines nicht gerade knappen Einkommens für die Miete ausgeben muss, ist der dann noch zu denen zu zählen, die sich alles leisten können? Von der interessant-verruchten Atmosphäre des Glockenbachviertels haben sich nicht nur die Kreativen und Künstler anziehen lassen, sondern auch viele junge Familien. Die Geburtenrate ist in der Isarvorstadt höher als in vielen anderen Münchner Stadtbezirken. Ein Blick auf die Straßen zeigt: Das Viertel lebt, und nichts kann das besser dokumentieren als seine Bewohner.

Der SZ-Fotograf Stephan Rumpf ist einer von ihnen. Er hat das im Bild festgehalten, was für ihn das Glockenbachviertel ausmacht - die dort lebenden Menschen. Nachbarn, Bekannte, Freunde, auch Originale und Institutionen, man kennt sich eben mit der Zeit. Hier ein Gruß, dort ein Ratsch, ein Espresso im Lieblingscafé, ein Abendessen beim Griechen - das alles zusammen schafft, mehr als die umgebende Architektur, die Atmosphäre, in der man sich trotz der viel beklagten Gentrifizierung noch wohl fühlen kann.