Glockenbachviertel Das Gärtnerplatztheater macht wieder auf

Dem Theatergast dürften die Veränderungen kaum auffallen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Nach mehr als fünf Jahren Umbau und vielen Komplikationen ist das Haus endlich fertig - die meisten Veränderungen bemerkt man kaum.

Von Rita Argauer

Das Gärtnerplatztheater hat einen neuen Vorhang. Zu dem typischen roten Theatervorhang, der sich am Sonntag, 8. Oktober, zur Einführungsmatinee und am Samstag, 14. Oktober, zur Eröffnungsgala nach fünfeinhalb Jahren endlich wieder öffnen wird, gibt es nun auch einen Wagner-Vorhang. Also einen Vorhang, der nicht nur zur Seite aufgeht, sondern gleichzeitig auch nach oben gezogen wird, was einen sehr flinken und effektreichen Eindruck macht.

Intendant Josef E. Köpplinger habe sich diesen gewünscht, erklärt Iris Egger, die künstlerische Betriebsdirektorin und stellvertretende Intendantin des Theaters, beim ersten Rundgang durch das gerade fertig gestellte Haus. "Und der Vorhang ist schnell, so wie es Josef Köpplinger gern hat", fügt sie in Anspielung auf den Inszenierungsstil des Intendanten hinzu. In Bezug auf die Verzögerungen beim Umbau des Theaters, wirkt das hingegen fast ein bisschen ironisch. Denn da ging gar nichts schnell. Fünfeinhalb Jahre brauchten die Sanierung des Altbaus und die Fertigstellung des Neubaus (Atelier Achatz Architekten). Immer wieder wurde der Wiedereinzug der Künstler verschoben, während die Kosten weiter stiegen - am Ende auf 121 Millionen Euro.

So sieht das Gärtnerplatztheater jetzt aus

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Dafür steht dort aber jetzt ein hochmoderner Theaterbau, dessen Fassade und Zuschauerraum zwar aussehen wie im 19. Jahrhundert, der aber diverse zeitgenössische Ansprüche erfüllt: Barrierefreiheit etwa. Es gibt neue Sanitäranlagen und einen neuen Garderobenbereich. Kronleuchter und Flügeltüren vermischen sich ästhetisch dabei mit einer modernen Beton-Ausstattung, etwa im neugestalteten Kassenbereich. Beton, der praktischerweise nicht brenne, wie es Kurt Bachmann, Leiter des verantwortlichen staatlichen Bauamts München I, erklärt.

Mit einem halben Lächeln im Gesicht wirkt dieser beim Rundgang durch das Gebäude stolz und gleichzeitig ein bisschen verzwickt. Denn neben dem beeindruckenden Bauwerk, das da nun entstanden ist, stellt sich natürlich auch immer die Frage, was da nun so lange gedauert hat und was da nun so viel teurer wurde, als ursprünglich geplant. Dafür hat Bachmann keine spektakulären Antworten, sondern glanzlose Erklärungen: Im Zuschauerraum, der genauso aussieht wie vor der Sanierung, verweist er etwa auf Lüftungsauslässe, die sich unter jedem Stuhl finden. Im Zuge der Sanierung sollten diese vergrößert werden. Dann stellte man fest, dass die Stahlbetondecke dafür zu schwach war. Also musste die Decke erneuert werden. Das führt zu Staub und Feuchtigkeit, was wiederum die Deckenbespannung des Zuschauerraums beschädigte. Eine Kausalkette von Kleinigkeiten, die gewichtige Auswirkungen hatte.

So etwas ist häufiger passiert. Sowieso sieht im Altbau jetzt eigentlich alles so aus wie früher, aber fast nichts ist genau dasselbe wie vorher: Die Treppe im Foyer ist nach vorne versetzt, damit ein Aufzug zwecks der Barrierefreiheit eingebaut werden konnte; der Orchestergraben wurde erweitert und mit Akustik-Paneelen versehen, das Wandgemälde im oberen Foyer aus den Sechzigerjahren wurde ergänzt, die Stühle haben neue Polster.

Das was richtig neu ist, sieht der Zuschauer aber gar nicht. Denn im Neubau findet sich der Backstage-Bereich. Wie in jedem Theater gibt es auch hier einen Kontrast zwischen dem repräsentativen Zuschauerbereich und dem funktionalen Bereich hinter der Bühne. Doch in dem Neubau, der 16 Meter in die Tiefe geht und drei Probebühnen, alle Werkstätten, Ballett- und Chorsaal sowie die Büros und Garderoben beheimatet, findet sich auch das Glanzstück dieser Sanierung. Wenn man durch die engen Gänge mit tiefen Decken wandelt, eröffnet sich hinter einer Tür der neue Orchesterprobensaal: Lichtdurchflutet, mit Blick auf die umliegenden Dächer durch ein riesiges, asymmetrisches und nicht-rechtwinkliges Fenster.

Ein bisschen wirkt dieser Saal wie eine Raumschiff-Basis aus Star Wars, vor allem das Dach, von der Kantine aus gesehen. Doch innen herrscht eine besondere Atmosphäre, irgendwo zwischen Atelier und Kathedrale. Man plant, dort kleinere Konzerte und Kammermusik aufzuführen. Dann hätte auch das Publikum zeitweise etwas von diesem Neubau, der sonst hinter den Kulissen bleibt.

Erste Einblicke in das neue Theater gibt es beim "Tag des offenen Zuschauerraums" am Sonntag, 8. Oktober, von 14 Uhr an.

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