Ghostwriter für Online-Partnerbörsen Liebesbriefe ohne Herzklopfen

Frauen kennenlernen? Für Andreas Laufer und Ingo Möbius kein Problem. Sie sind Ghostwriter für heiratswillige Männer - und verfassen deren Profiltexte bei Online-Partnerbörsen. Zum ersten Date muss der Mann dann aber selbst.

Von Lenka Jaloviecova

Ein Mann seiner Körpergröße fällt auf. Er hat braune Augen, sehr kurze Haare, eine sportliche Figur, trägt ein bunt-kariertes Hemd und lächelt. Und: Er ist auf der Suche nach der passenden Frau. Allerdings nicht in einem Café oder einer Bar, wie es vielleicht früher der Fall gewesen sein mag, sondern in der virtuellen Welt.

Auf seinem Profil heißt es: Freddie (Name von der Redaktion geändert) ist Nichtraucher, ernährt sich von Fast Food, mag aber auch gesunde Küche - ob italienisch, französisch oder asiatisch ist ihm egal. Dort steht auch: Freddie geht gerne ins Kino, reist, macht Sport, hört Musik und geht gelegentlich aus - so wie viele andere Männer auch.

Aber eines fällt auf: Freddie kann kochen. Das behauptet er zumindest auf seinem Profil. "Es stimmt auch", bestätigt er. Sein Foto im Anzug wirkt sehr lässig, lässiger als er an diesem Abend wirkt. Aber ansprechen soll es möglichst viele Frauen. Denn Freddie, 40-jähriger Arzt aus München, möchte nicht mehr Single sein. Und Andreas Laufer hilft ihm dabei. Laufer hat Freddies Online-Profil erstellt und sucht in dessen Auftrag im Internet die passende Frau für ihn - nicht als Freundschaftsdienst, mit dieser Dienstleistung verdient Laufer Geld.

Frauen kennenlernen? Für den Surfprofi Laufer kein Problem. Erst dieses Jahr hat Laufer, von einer englischen Zeitschrift zur "größten Windsurf-Partykanone aller Zeiten" ernannt, mit 43 Jahren sein Comeback als Surfer gegeben. Als er 2005 erst einmal sein Karriereende verkündete, startete er seine berufliche Karriere - nächste Überraschung - in einem Finanzbetrieb.

Die Branche war nichts für ihn, sagt er, sie sei schlimm gewesen. Aber für ausgefallene Ideen ist der 43-Jährige immer zu begeistern. Und deswegen gründete er mit seinem Geschäftspartner Ingo Möbius, 47, Anfang September die Online-Ghostwriting-Agentur Suredate für Menschen wie Freddie.

Harte Arbeit

In seinem neuen Job spielt er nun den Amor für einsame Herzen und organisiert für seine Kunden romantische Verabredungen. Denn einen Partner fürs Leben im Internet zu finden, ist harte Arbeit und erfordert viel Zeitaufwand. Nicht einfach für die sogenannten Workaholics wie Freddie. Zurzeit ist der Arzt einer von vier Klienten, insgesamt betreuten Laufer und Möbius an die 20 Männer.

Freddie passt genau in Laufers Kundenprofil: gut bezahlter Job, sehr beschäftigt, mittleres Alter, auf der Suche. "Ich habe keine Zeit und Lust auf Rumschreiben und Profile durchgucken", sagt der 40-Jährige. Laufer und Möbius, die sich seit mehr als 25 Jahren aus der Surfszene kennen, ist diese Einstellung aus ihrem Freundeskreis bekannt. Deswegen kam ihnen die Idee eines neuen Berufs: eine Art Online-Flirtassistent. Ihre neue Tätigkeit haben sie zunächst an einem Freund ausprobiert, der verzweifelt nach einem Date suchte, aber vom Online-Dating nicht viel hält. Der Testlauf war erfolgreich, dann machten sie ernst.

In Deutschland ist diese Idee eine Marktlücke, im Ausland jedoch nicht neu. Das Konzept stammt aus den USA und ist dort seit drei Jahren als "Virtual Dating Assistants" bekannt. Laufer und Möbius versuchen sich nun mit dieser Idee in Deutschland. Hier nutzen mittlerweile acht Millionen Menschen Online-Singlebörsen. Das ergab eine Studie von Partnersuche.de.

Der Grund, weshalb so viele den Weg ins Internet suchen ist der Münchner Paartherapeutin Andrea Bräu bekannt: "Das Internet ist heutzutage immer mehr präsent. Ich kann alles kaufen und haben, was ich möchte. Wieso nicht auch eine Frau?" Das Online-Dating gehöre zur heutigen Gesellschaft dazu. Die Menschen seien sehr beschäftigt und wüssten außerhalb ihrer Arbeit nichts mit sich anzufangen.

Laufers Ghostwriting-Agentur geht aber Bräus Meinung nach noch eine Stufe weiter als die Online-Partnerbörsen. "Ich finde es schon dekadent. Jetzt lässt man sich auch noch die Frau im Internet suchen", sagt sie. Dennoch ist die Münchnerin davon überzeugt, dass solche Beziehungen, die im Netz entstanden sind, durchaus halten können und sagt: "Vor zehn Jahren sprach man über das Kennenlernen im Internet noch unter vorgehaltener Hand. Das hat sich nun geändert."