Gewaltexzesse unter Alkoholeinfluss Tatort Feierbanane

Drei Männer treten nahe der Sonnenstraße einen 18-Jährigen fast tot. Weil die nächtliche Gewalt in der Innenstadt stark ansteigt, fordert Polizeipräsident Schmidbauer ein generelles Ausschankverbot für Schnaps ab 24 Uhr.

Von Florian Fuchs und Bernd Kastner

Kein Verbot von Schnaps: Auf der Sonnenstraße darf weiter die ganze Nacht getrunken werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Ein 18-Jähriger ist in der Nacht zum Samstag von drei unbekannten Männern nahe der Sonnenstraße zusammengetreten worden. Mit zunächst lebensgefährlichen Gesichtsverletzungen kam er in eine Klinik, sein Zustand hat sich laut Polizei inzwischen stabilisiert. Sein 17-jähriger Freund wurde ebenfalls attackiert. Die drei Täter sind geflüchtet. Die Polizei geht von einem versuchten Tötungsdelikt aus, weshalb die Mordkommission ermittelt.

Wie Markus Kraus, Chef der Mordkommission, berichtet, saßen die beiden späteren Opfer gegen 1.40 Uhr in der Grünanlage der Herzog-Wilhelm-Straße auf einer Bank. Ohne ersichtlichen Grund hätten drei Männer sie aufgefordert, den kleinen Park zu verlassen. Es soll zu einem kurzen Wortgefecht gekommen sein, dann seien die beiden Schüler tatsächlich gegangen.

Der 17-Jährige habe dann einen Schlag gegen den Kopf bekommen, weshalb er wegrannte, zunächst verfolgt von zwei der Unbekannten. Als er sich nach etwa 50 Metern umdrehte, habe er bemerkt, dass die Täter nun seinen Freund malträtierten. Einer soll mit den Füßen auf den am Boden Liegenden eingetreten haben. Dabei seien ihm laut Kraus mehrere Knochen in der linken Gesichtshälfte gebrochen.

Als ein Zeuge vorbei kam, flüchteten die Täter, eine Sofortfahndung blieb ohne Erfolg. Nun wertet die Polizei die Aufzeichnungen diverser Videokameras in der Umgebung aus und ist zuversichtlich, fündig zu werden. "Für die drei Täter wäre es das Beste, sie würden sich freiwillig stellen", sagte Kraus. Opfer und Täter sollen sich nicht gekannt haben, es soll auch zuvor keinen Streit gegeben haben.

So werden die flüchtigen Täter beschrieben: Einer soll ein südländischer Typ sein, etwa 20 Jahre alt, knapp 1,80 Meter groß, mit dunklen, längeren Haaren. Bekleidet war er mit einer schwarzen Jacke mit weißem Reißverschluss und einer schwarzen Mütze. Der Zweite soll 1,85 bis 1,90 Meter groß sein, er trug einen grauen Kapuzenpulli und eine schwarze Kappe mit Aufschrift. Bei sich hatte er einen roten Schirm. Der Dritte schließlich soll 1,80 Meter groß sein und kurze, glatte Haare haben. Die Polizei bittet Zeugen, sich unter Telefon 089/29 10-0 zu melden.

Ob Alkohol bei dem Angriff eine Rolle spielte, ist noch unklar. Die Polizei würde es nicht überraschen, wenn dem so wäre. Denn sie beklagt in München schon länger einen Anstieg von Gewalttaten, die von Betrunkenen begangen werden, gerade auch in der Innenstadt. Nun schlägt Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer radikale Lösungen vor.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung begrüßt er nicht nur ein Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen, er stellt auch zur Diskussion, dass Wirte nach 24 Uhr keinen Schnaps mehr ausschenken. "Das Flair einer Weltstadt definiert sich nicht dadurch, dass man nach Mitternacht noch Wodka trinkt." Neben Münchens größtem Partyareal hinter dem Ostbahnhof hat sich die Debatte um nächtliche Gewalttaten zuletzt vor allem an der Entwicklung an der Sonnenstraße entzündet. Zwischen Sendlinger Tor und Maximiliansplatz haben sich zahlreiche Clubs und Diskotheken angesiedelt, viele Polizisten sprechen angesichts des gebogenen Straßenverlaufs von der "Feierbanane".

Die Polizei registriert einen Anstieg der Körperverletzungsdelikte, vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist. So gab es in München laut Schmidbauer im Jahr 2002 knapp 1000 Gewalttaten unter Alkoholeinfluss, im Jahr 2011 waren es fast 50 Prozent mehr. Während vor zehn Jahren ein Viertel aller Gewalttaten unter Alkoholeinfluss geschah, waren es im Jahr 2011 bereits 36 Prozent.

Diese "Exzesse" will der Polizeipräsident eindämmen durch ein städtisches Ausschankverbot von Schnaps nach Mitternacht. Er sei aber auch für andere Lösungen offen: höhere Steuern für harte Alkoholika zum Beispiel.

Erfreulich nennt es Schmidbauer, dass die Clubbetreiber verstärkt gegen Gewalt im Nachtleben vorgehen wollen. An der Sonnenstraße haben sie kürzlich unter dem Motto "Cool bleim - friedlich feiern" eine engere Kooperation mit Polizei und Kreisverwaltungsreferat zugesagt. So gibt es inzwischen Betretungsverbote für Gewalttäter im Bereich der Sonnenstraße.