Als am Samstag in München vier Jugendliche einen Manager zusammenschlugen, saß Claudia May im selben S-Bahn-Wagen - und griff ein. Ein Erfahrungsbericht.

Kein halbes Jahr nach dem tödlichen Angriff auf Dominik Brunner wurde die Münchner S-Bahn wieder Schauplatz eines Prügelüberfalls: Am Samstagabend schlugen vier Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren den 29-Jährigen Manager Mirko B. brutal zusammen. Die Täter konnten noch in Tatortnähe gefasst werden. Die Journalistin Claudia May war Zeugin des Vorfalls - und versuchte zu helfen. Ein Augenzeugenbericht.

S-Bahnhof Hackerbrücke

Am S-Bahnhof Hackerbrücke flüchteten die vier jugendlichen Schläger, sie konnten jedoch kurz darauf festgenommen werden. (© Foto: Schellnegger)

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Erst zwei Tage später erinnere ich mich wieder an die Wodkaflasche. Gleich am Anfang der Schlägerei hatte einer der Täter mit ihr auf Mirkos Kopf geschlagen. Mir kommt das Geräusch wieder in den Sinn ... zerberstendes Glas auf seiner Schädeldecke. Ich sehe wieder die Glassplitter vor mir, die sich auf den Boden der S-Bahn verteilen.

Es ist keine schöne Erinnerung.

Am Samstag bin ich in der Münchner S-Bahn in eine Prügelei hineingeraten. Es war reiner Zufall, dass ich in dem Zug saß. Vier Jugendliche gingen auf einen Mann los, den ich heute als Mirko kenne. Und erst langsam erinnere ich mich wieder an die vielen Details.

Da ist zum Beispiel dieses Pärchen, das mir in der S1 in Richtung Flughafen direkt gegenübersitzt. Sie haben einen viel besseren Blick auf das, was gerade geschieht. Ich sitze mit dem Rücken zu Mirko und seinen Angreifern. Doch sie veranstalten einen solchen Lärm, dass ich mich umdrehe. Im nächsten Moment stehe ich auch schon. Das Pärchen bleibt sitzen. Ich spüre, dass gleich etwas passiert. Die Jugendlichen wirken aggressiv. Einer brüllte immer wieder: "Was willst du?"

Kurz darauf geht die Schlägerei los. Ich laufe hin, schreie so laut, dass es auch noch der letzte Fahrgast hören muss: "Hört sofort auf, ich rufe die Polizei!" Ich sehe ein wirres Knäuel schlagender Menschen. Warum da gekämpft wird? Keine Ahnung. Ob ich Angst habe? Nein. Denn dazu bleibt mir keine Zeit. Mir ist nur klar, dass wir schnell Hilfe brauchen.

Ich sehe die Wodkaflasche zerbersten. Dann ist auch noch ein Holzknüppel im Spiel.

Gerade sind wir in den Bahnhof Hackerbrücke eingefahren. "Blockiert die Türen", rufe ich anderen Fahrgästen zu. Es stellen sich sofort Menschen in die Lichtschranke. Einige Jungs versuchen sogar, die Schläger wegzuzerren. Diese erkennen bald, dass sie schnell weg müssen. Sie lassen von ihrem Opfer ab und fliehen nach draußen. Der Letzte direkt an mir vorbei durch die offene S-Bahn-Tür. Er beachtet mich kaum, sondern hetzt die Stufen am Aufgang des Bahnhofs hinauf. Er sieht sehr jung aus, hat schwarze Haare, ein hübsches Gesicht. Ansonsten könnte ich ihn jedoch kaum beschreiben.

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