Mutmaßliche Täter in Haft: Ein Geschäftsmann ist an einem Münchner S-Bahnhof zu Tode geprügelt worden. Das Opfer hat offenbar kurz vorher die Polizei gerufen. Doch die Beamten konnten ihn nicht mehr retten.
Es wirkt wie ein schöner Morgen. Die Sonne schiebt sich am Bahnhof in München-Solln langsam hinter den Wolken hervor, die ersten Wanderer stehen am Bahnsteig, um mit der Bayerischen Oberlandbahn in Richtung Berge zu fahren.
Am Samstagnachmittag haben zwei Jugendliche am Bahnhof Solln einen Geschäftsmann zu Tode geprügelt. (© Foto: dpa)
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Doch es ist alles andere als ein schöner Morgen. Vier Kerzen brennen auf dem Bahnsteig, Menschen haben Blumen aus ihrem Garten abgeschnitten und auf den Boden gelegt.
Keine 20 Stunden ist es her, dass hier ein unfassbares Verbrechen geschah: Ein 50-jähriger Geschäftsmann versuchte am Samstagnachmittag, eine Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen zu schlichten - und bezahlte dafür mit dem Leben. Er wurde geschlagen und getreten, bis er das Bewusstsein verlor und starb. "Wahnsinn", sagen die Wanderer, schütteln der Kopf und steigen in den Zug.
Die beiden mutmaßlilchen Täter sind inzwischen in Haft und die Polizei hat inzwischen rekonstruiert, wie sich die unfassbare Tat offenbar zugetragen hat: Am Samstag um 15:45 Uhr bredrohen drei Jugendliche im Alter zwischen 17 und 18 Jahren vier Kinder auf dem Bahnsteig an der Donnersbergerbrücke und fordern Geld. Einer der Aggressiven schlägt dabei einem Opfer ins Gesicht, einem anderen auf den Rücken.
Als die S7 in Richtung Solln einfährt, steigen die vier Kinder, die zwischen 13 und 15 Jahren alt sind, in den Zug. Zwei der Erpresser folgen, der Teenager, der zuvor zugeschlagen hat, trennt sich von den anderen.
In der S-Bahn sprechen die beiden Jugendlichen erneut über Geldforderungen, an die vier Jüngeren wenden sie sich nicht explizit. Ein 50-jähriger Münchner beobachtet den Vorfall und versucht zu schlichten.
Er stellt sich schützend vor die Vierergruppe und verständigt den Polizeinotruf. Er rät den vier Bedrohten, nicht an ihrer Haltestelle auszusteigen, sondern gemeinsam mit ihm bis zum Bahnhof Solln zu fahren. Dort soll auch die Polizei eintreffen.
Auch die beiden aggressiven Jugendlichen fahren weiter. Am S-Bahnhof Solln steigen alle Beteiligten um 16:05 Uhr aus, der 50-Jährige geht mit den Bedrohten in Richtung Ausgang.
Und dann geht alles plötzlich sehr schnell.
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Zivilcourage im Leben ist wichtig.
Allerdings kann man sich ohne Rückendeckung seitens der Exekutive selbst in gefährliche Situationen bringen. Ich denke, dass das Opfer eigentlich alles getan hatte, um eben diese Rückendeckung erwarten zu können. Ein Telefonanruf aus der S-Bahn unter dem Polizeinotruf 110, bei dem mitgeteilt wurde, dass wegen der offensichtliche Bedrohung für die 4 jüngeren Kinder das Opfer zusammen mit den Kindern aus eben diesem Zug am S-Bahnhof Solln austeigen würde.
Warum war keine Polizeistreife am S-Bahnhof? Wieviel Zeit stand zwischen dem Anruf und dem Eintreffen des Zuges in Solln zur Verfügung, um rechtzeitig da zu sein? Die Fahrzeit beträgt elf Minuten. Hat das Opfer erst drei Minuten vor dem Eintreffen in Solln bei der Polizeinotrufzentrale angerufen?
Ich würde mir hier mehr Transparenz wünschen. Falls es der Polizei unmöglich war, rechtzeitig in Solln zu sein - hätte der Beamte/in in der Notrufzentrale bei entsprechender Schulung nicht darauf hinweisen müssen, dass ein sicherer Ausstieg in Solln nicht möglich sei?
Ich möchte betonen, dass ich hier keinesfalls unsere Polizei an den Pranger stellen will. Aber wie sollte das Opfer wissen können, dass ihm am S-Bahnhof Solln niemand zur Hilfe stehen würde?
Warum berichtet der MVV eigentlich über banalste Dinge auf seiner Homepage, aber verliert kein Wort über den Vorfall? Wer ist da eigentlich für Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig???
Was mich völlig aus der Bahn wirft, ist dass Gewalt im MVV ja nun beileibe kein neues Thema ist, aber dass die Polizei und der MVV weder Hadlungsanweisungen für die Passagiere noch EInsatzkonzepte für die Sicherheitskräfte zu haben scheinen.
Man findet weder Website der Polizei noch der des MVV irgendwelche Handlungsanweisungen für Fälle von Gewalt in U- und S-Bahnen. Ich sehe auch nie irgendlwelche Plakate in den Zügen oder an den Bahnhöfen. Graffiti soll man melden - aber was soll man bei Gewalt tun? Nach allem was geschehen ist, ist das eine Schlafmützigkeit sondersgleichen.
Seitens der Polizei kann es einfach nicht sein, dass jemand der Polizei sagt, er steigt da und da aus, die Polizei sagt hmhm und dann sind keine Einsatzkräfte da. Wenn die Polizei das nicht schafft, dann soll sie wenigstens sagen, verhalten Sie sich so und so, wir kommen Ihnen da und da zur Hilfe.
DAS sind die Skandale in der Verwaltung, auf die die Politik draufhauen muss. Wir haben bisher geglaubt, in einer sicheren Stadt/einem sicheren Staat zu wohnen, mit kompetenten Sicherheitsfachleuten. Aber offensichtlich ist das ein Mythos. Auch wenn ich grundsätzlich nicht in die Beate Merk-Kritik einfallen möchte: man hat den Eindruck, dass die CSU-Forderungen ein bisschen den Hintergrund haben, dass man ansonsten zugeben müsste, dass die CSu eben nicht jenen sicheren Staat geschaffen hat, mit sie sich zu Wahlkampfzeoiten schmückt.
Ich kenne die Örtlichkeit als in Solln aufgewachsener sehr gut, aber wenn das Opfer die Polizei von der Donnersberger Brücke aus angerufen hat, hat die Polizei ca 10 minuten Zeit um am S-Bahnhof Solln zu erscheinen.
Die Strecke ist vom nächstgelegenen Polizeirevier Drygalskialle mit Blaulicht in 3 Minuten zu bewältigen, locker.
Deswegen würde mich interessieren wieso die Polizei nach dem Anruf 20 Minuten braucht um vor Ort zu sein.
Auch der Krankenwagen braucht vom nächstgelegenen Krankenhaus etwa nur 2 Minuten zum Tatort.
Für mich ist der Mann ein Held und ich hoffe, daß auch eine posthume Würdigung seines Einsatzes von Staatsseite erfolgt. Und plädiere für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, welches sonst mehrheitlich an Lobbyisten ausgehändigt wird.
Es wird wenig an Trost bringen, aber seiner Familie sei gesagt,daß Sie trotz all der Trauer stolz auf diesen in meinen Augen "echten Helden des Alltags sein können".
Leider hat es keiner der umstehenden Gaffer geschafft ihm zur Seite zu springen, möger der Rechtsstaat doch bitte endlich unterlassene Hilfeleistung auch bestrafen.
Es wäre auch zu fragen, ob die Polizei schnell genug in Solln war. Hat das Opfer nicht relativ früh aus der S-Bahn heraus um Schutz am Bahnhof Solln gebeten? Hätte die Polizei nicht, wenn sie schneller dagewesen wäre, das Schlimmste verhindern können? Kann die Redaktion vielleicht mal den genauen zeitlichen Ablauf schildern? Täuscht mich mein Eindruck, oder hat es die Polzei generell nicht so eilig, wenn sie zu einer Schlägerei gerufen wird (kann man ja irgendwo auch verstehen..)?
Ich selber bin sehr verunsichert, nachdem ich einmal angesichts einer sich anbahnenden Schlägerei in der S-Bahn die 110 gewählt habe, und minutenlang niemand abhob, bis ich aufgab! Wo in S- und U-Bahn stehen die Telefonnummern der S-Bahn- bzw. U-Bahn-Wache?
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