Gesundheit Kiechle im Kinderspital: Problem erkannt, nicht gebannt

Hauner-Chef Christoph Klein, Marion Kiechle und Karl-Walter Jauch, Ärztlicher Direktor des LMU-Klinikums (v. li.), wollen den Pflegermangel bekämpfen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wegen der Debatte um den Pflegenotstand im Haunerschen Kinderspital kommt die neue Wissenschaftsministerin Marion Kiechle zu Besuch - mit alten Vorschlägen.

Von Stephan Handel

Den Mangel an Pflegekräften in Kliniken gibt es im Gegensatz zum Kabinett Söder bereits seit vielen Jahren. Weil eine neue Regierung aber zuallererst einmal demonstrieren muss, dass mit ihr jetzt alles besser wird, verteilt Markus Söder nicht nur per Regierungserklärung Wohltaten übers Land - seine Ressortminister sind auch kräftig unterwegs um zu beweisen, dass sich jetzt gekümmert wird. Marion Kiechle (CSU) zum Beispiel, die Wissenschaftsministerin, packt gleich den Pflegenotstand an.

Naja. Zunächst einmal kommt sie am Donnerstag ins Haunersche Kinderspital am Goetheplatz, um sich zu informieren. Das dauert inklusive Rundgang durch die Patientenstationen eine Dreiviertelstunde, woraufhin die Ministerin schon die von ihr favorisierten Lösungen für das Problem Pflegenotstand präsentieren kann, als da sind: Mehr Geld, noch mehr Geld, günstige Wohnungen und schließlich die Akademisierung des Berufs.

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Das sind nun allerdings keine neuen Vorschläge, und Kiechle fehlt erkennbar noch die Politiker-Fähigkeit, größte Banalitäten als noch größere Innovationen zu verkaufen. So will sie es der Münchner Uniklinik weiter ermöglichen, Krankenschwestern und -pflegern zusätzlich zum Tarifgehalt eine Zulage zu zahlen - ob diese 400 Euro brutto jedoch ausreichen, um die Mehrausgaben durch das teuere Leben in München zu kompensieren? Das gleiche gilt für Kiechles Vorhaben, Pflegekräfte nicht mehr nach bayerischem Landestarif, sondern nach TV ÖD, dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Bundes zu bezahlen. Sowieso verdienen die Pflegekräfte nicht schlecht, zumindest am Anfang ihrer Laufbahn. Ein Problem entsteht erst in späteren Jahren, weil dann auch zusätzliche Qualifikationen kaum noch Gehaltssteigerungen bringen. Diese Schieflage geradezurücken hat der gewesene Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine ganze Legislatur lang versucht, er ist aber nicht sehr weit gekommen damit.

Was die Wohnungen betrifft: Natürlich ist für viele Pflegekräfte das Schwesternwohnheim die einzige Möglichkeit, in München leben und arbeiten zu können. Irgendwann wollen sie aber raus aus dem Ein-Zimmer-Appartement, vielleicht eine Familie gründen. Karl-Walter Jauch, der Ärztliche Direktor des LMU-Klinikums, fasst das bündig zusammen: "Wir haben zu viel Weggang wegen der Lebenshaltungskosten."

Bleibt die Akademisierung der Pflege, ein Vorschlag, den Fachleute seit vielen Jahren unterstützen, unter anderem die LMU-Pflegedirektorin Helle Dokken, für die der Termin mit der Ministerin einer der letzten hier ist: Sie hat diesen Freitag ihren letzten Arbeitstag und tritt dann einen neuen Posten an, in Göttingen. Pflege studieren zu können, das mag den Beruf attraktiver machen - kurzfristig wird es aber den Notstand nicht verbessern, wie Kiechle auch festgestellt hat: "Wenn man das einführen will, dann muss es ja auch juristisch wasserdicht sein." Immerhin klingt sie so, als sei dies bald erreicht - "ein paar Fachhochschulen interessieren sich sehr für das Angebot".

Wie immer stellt sich die Frage, wer alles bezahlen soll. Um das zu klären, will Kiechle "noch vor Pfingsten" einen Krankenpflegegipfel einberufen, mit ihren Kabinettskollegen von Gesundheit, Finanzen und Kultus, zusätzlich Fachleute. Auch Bauministerin Ilse Aigner soll dazukommen. Sie könnte Kiechle dann gleich fragen, wann mit dem Neuen Hauner was weitergeht, dem Neubau der Kinderklinik in Großhadern. Karl-Walter Jauch sagt dazu, dass demnächst der Klinikum-Aufsichtsrat tagen und über modifizierte Baupläne entscheiden werde, und dann könne man vielleicht bald an den Spatenstich denken, so dass 2024, 2025 eventuell mit der Fertigstellung zu rechnen sei.

Die Pläne stammen aus 2015, da war der Architektenwettbewerb. 2018, so die damaligen Planungen, sollte der Bau beginnen, vier Jahre später sollte er fertig sein. Dass das nun zwei, drei Jahre länger dauert, hätte natürlich am Pflegemangel wenig geändert. An der medizinischen Versorgung kranker Kinder in München allerdings schon.

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