Gescheiterter Fußballer Timo Heinze "Details entscheiden oft, ob es nach oben geht"

Nach seiner Zeit beim FC Bayern spielte Timo Heinze noch ein paar Monate in der Dritten Liga bei der SpVgg Unterhaching.

(Foto: Claus Schunk)

Timo Heinze wollte Fußballprofi werden - und hatte beim FC Bayern seinen Traum schon fast verwirklicht. Doch dann stürzte er plötzlich ab. Im Gespräch erklärt der 26-Jährige, warum er ein Buch über sein Scheitern geschrieben hat und warum der FC Bayern sich nicht immer korrekt verhalten hat.

Von Lisa Sonnabend

Timo Heinze war auf dem besten Weg, Fußballprofi zu werden: Der FC Bayern verpflichtete ihn, als er zwölf Jahre alt war, er spielte in der Jugendnationalmannschaft und wurde Kapitän der Zweiten Mannschaft der Bayern. Doch plötzlich verbannte der Trainer ihn auf die Ersatzbank, seine Form ließ nach. Schließlich beendete Heinze seine Karriere, ehe sie richtig begonnen hat. Nun ist "Nachspielzeit - Eine unvollendete Fußballkarriere" (Rowohlt, 8,99 Euro) erschienen. Darin schildert der 26-Jährige, der mittlerweile an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert, seine Geschichte.

SZ.de: Im Sport sind Gewinner lieber gesehen als Verlierer. Sie haben ein Buch über das Scheitern geschrieben. Warum?

Timo Heinze: Es gibt jede Menge Biographien von Sporthelden, aber kaum eine von einem, der nah dran war und es nicht gepackt hat. Meine Geschichte ist zwar sehr individuell, aber sie ist kein Einzelfall. Sie steht für die große Masse, der der große Erfolg verwehrt bleibt. Oft sind es nur kleine Details, die entscheiden, ob es bis ganz nach oben geht oder eben nicht. Aber natürlich wollte ich mit dem Buch auch einen kleinen Einblick hinter die Kulissen geben: Wie es abläuft bei einem Jugendspieler, wie man sich hocharbeitet, wie das Innenleben eines Vereines aussieht.

Warum haben Sie es nicht geschafft?

Es war ein Mix aus Gründen. In einer ganz wichtigen Phase, dem Übergang vom Jugendbereich zum Profibereich, war ich ein Jahr lang verletzt und wusste zeitweise nicht, ob ich überhaupt wieder spielen kann. Dann habe ich mich zurückgekämpft, wurde sogar Kapitän der Amateurmannschaft. Doch plötzlich wurde ich vom Trainer auf die Bank verbannt, was sehr überraschend für mich kam und nicht nachvollziehbar war. Und der dritte Punkt ist sicherlich, dass ich danach selbst mental nicht mehr in die Spur kam. Es mag mysteriös klingen, aber irgendwann kam ich zu der Überzeugung, dass es mit einer Profikarriere einfach nicht sein sollte.

Ihr Buch ist sehr persönlich und ehrlich geworden. Wie viel Überwindung hat es gekostet, es zu schreiben?

Nachdem ich meine Karriere beendet hatte, flog ich für ein paar Wochen nach Bali, um Abstand zu gewinnen. Als ich wieder nach München zurückgekommen bin, habe ich angefangen zu schreiben. Nur für mich selber, um das Geschehene zu verarbeiten. Das Schreiben war meine Therapie. Meinem engen Umfeld habe ich es dann zum Lesen gegeben und die haben mich ermuntert, es zu veröffentlichen. Ich habe lange gezögert, weil es doch eine sehr persönliche Geschichte ist. Dass es nun so gut ankommt, habee ich nicht erwartet.

Haben Sie schnell einen Verlag gefunden?

Nein, das hat gedauert. Einige Verlage waren skeptisch, weil ich keinen berühmten Namen habe und weil die großen Enthüllungen fehlen. Ich wollte aber keine Wegbegleiter in den Schmutz ziehen. Ich möchte nicht dastehen als einer, der es nicht geschafft hat und nun verbittert über jeden schimpft.

Sie nennen zwar die kritisierten Personen nicht beim Namen, allerdings ist klar, dass mit dem Trainer der Zweiten Mannschaft vom FC Bayern, bei dem Sie plötzlich auf der Ersatzbank saßen, nur Hermann Gerland gemeint sein kann.

Ich kann das nicht rauslassen, weil es einer der Wendepunkte in der Geschichte, in meinem Leben war. Ich wollte aber nicht, dass es in den Mittelpunkt rückt.