Ob das Verhalten des Filmteams nun wirklich als Hausfriedensbruch zu bewerten ist, ließ das Oberlandesgericht zwar offen. "Das Filmteam hat jedoch unter Verletzung des Grundrechtsschutzes der Wohnung geschützte Räume bei laufender Kamera betreten und damit in nicht gerechtfertigter Weise auch in die Privatsphäre des Klägers eingegriffen", sagt der 18. Senat im Urteil: "Den Mitgliedern des Kamera-Teams musste auch bewusst sein, dass die Befugnis der Gerichtsvollzieherin, sich Zutritt zu den Räumlichkeiten zu verschaffen, nicht auf sie erstreckte und sie durch das Betreten der Wohnung unbefugt in die räumliche Privatsphäre des Klägers, noch dazu in einen Schlafraum, eingedrungen waren."
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Dem Film-Team sei klar gewesen, dass der Mann nicht das Geringste über die geplante Sendung wusste - und habe ihn trotzdem nicht über die Aktion aufgeklärt. "Es ist daher zumindest als grob fahrlässig zu bewerten, dass die Beklagte das Verhalten des Klägers als eine wirksame Einwilligung in die Anfertigung von Filmaufnahmen und deren geplante Veröffentlichung auffasste", stellten die OLG-Richter fest. Der Sender hätte sicherstellen müssen, "dass die Anforderungen an die journalistische Sorgfaltspflicht im konkreten Einzelfall eingehalten werden".
Auch wenn hier ein Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit am Vorgehen einer Gerichtsvollzieherin gegen zahlungsunwillige Schuldner befriedigt werde, gebe es keine übergesetzliche Rechtfertigung der Verletzung der räumlichen Privatsphäre durch recherchierende Journalisten (Az.: 18 U 4520/08).
Ob Pro7 die Berufung zurück nehmen wird, ist noch offen. Sicher ist dagegen, dass Anwalt Leske nun noch Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Gerichtsvollzieherin einlegen wird.
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(SZ vom 04.02.2009)
Brasiliens Präsidentin Roussef
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endlich mal ein winziger Silberstreif am Horizont des Verblödungsfernsehens.
"Wie berichtet, hatte in erster Instanz das Landgericht Münchenden Sender zur Zahlung von 5500 Euro verurteilt."
Als ob das dem Sender wehtun würde. Der Betrag ist eher eine Aufmunterung zum Weitermachen.
Aber da steht doch ganz klar Pressefreiheit versus Wahrung der Privatsphäre!
Selbstverständlich sollte die Presse im ÖFFENTLICHEN Raum die Freiheit haben zu berichten und selbstverständlich sollte ein investigativer Journalismus auch in Angelegenheiten von öffentlichem Interesse herum "wühlen" dürfen. Das ist grundsätzlich gut. Klar - es stellt sich die Frage, wo die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre liegt, wenn man auch Privatwirtschaft etc. einbeziehen möchte.
Doch sollte doch die private Wohnung geschützt sein! Nicht umsonst bedarf es u.U. eines richterlichen Durchsuchungsbefehls, um die Privatsphäre zu durchleuchten. Zwei Polizisten mit 4 Augen an der Wohnungstür sind da auch noch einmal in andere Kategorien einzustufen als eine Kamera mit "Millionen Augen".
Spinnen wir mal ein absurdes(?) Szenario: Das fernsehen finanziert Sondereinsatzkommandos im Stile einer GSG9 mit livegeschalteten Kameras auf dem Kopf - Berichterstattung à la Irakkrieg, aber in unseren Städten. Je mehr Einsätze, desto mehr Werbeumsatz... Bald schon kann jeder kleine Steuerbetrüger mit Journazisten (Jounalist + Polizist) rechnen, die für ordentlich reißerischen Stoff im Fernsehen sorgen. Damit ist keinen gedient bzw. wird das ganze Leben zu einem einzigen Dschungelcamp.
Witzigerweise ist mir aufgefallen, dass sich im Wort Journazisten auch das Wort NAZI verbirgt: JourNAZIsten. Darauf sollte gar nicht so rumgeritten werden. Aber es gab nicht nur bei den Nazis die Tendenz die Würde des Individuum unter das der Allgemeinheit zu stellen - was ja passieren würden, wenn die Persönlichkeitsrechte UNTER die Rechte der Medien (unter dem Gewand der Pressefreiheit) gestellt würden.
Aber tatsächlich war die harte Verquickung von Investigation und Exekutive noch immer gruselig in der Geschichte (Stasi, Nazis ...). Da kehrt sich um, was mit der "zahnlosen" Presse in Russland gemeint ist.
Ich lebe lieber mit ein paar Gefahren mehr! Anstatt mich zu einem gläsernen Menschen machen zu lassen - anstatt Infos über mich preis geben zu müssen unter dem Deckmantel, die Welt werde sicherer dadurch!
Wir vergessen oftmals, dass immer jemand bereit sein muss, die Drecksarbeit zu machen. In diesem Fall die Kameraarbeit. Immerhin könnte ein Kameramann sagen: nein, das tue ich nicht. Aber in dieser Zeit der Turbomedien ist alles opportun, was Geld bringt. Und so ein Einbruch in die Privatsphäre mit einem Unterhosenmann im Bild, das ist doch immer etwas für die privaten Schmuddelsender, die ihren Schund heuchlerisch als Information verkaufen. Wäre noch zu klären, was der Sender der Gerichtsvollzieherin zugesteckt hat, die diese Aufnahmen erst ermöglichte. M. E. ist die Strafe viel zu gering ausgefallen. Eine Buße, die von den Programmmachern persönlich zu entrichten wäre, könnte dieses Treiben eventuell bremsen. Ein frommer Wunsch in einer schamlosen Zeit.
Natürlich liegt mit der über den Äther gegangenen Namensnennung ein schwerer handwerklicher Fehler vor, allerdings sollten alle selbstgerechten Gutmenschen hier nicht übersehen das für Demokratien eine liberale Pressefreiheit wichtig ist. Wenn man je miterlebt hat wie schwierig eine Berichterstattung über Betrüger und deren Enttarnung inclusive der Dokumentation der Untätigkeit der "anderen" drei Mächte in diesem Land ist, sollte sich wirklich fragen ob wir nicht im Gegenteil zu strenge Persöhnlichkeitsrechte haben.
Natürlich wäre es möglich den ganzen Tag Astrid Lindgren Filme auszustrahlen, und gute Laune - die Welt ist ja nur rosa Filmchen - auszustrahlen, eine politische Mehrheit für den Vorschlag wäre schnell gefunden.
Wenn das tägliche Leben und die Arbeit der Exekutive nicht mehr dokumentiert werden kann/darf, kann auch keine öffentliche Meinungsbildung mehr stattfinden, von der Möglichkeit Korruption und Amigotum zu vertuschen gar nicht zu reden.
So verurteilenswert der unvorsichtige Umgang mit dem Namen ist (hier mangelt es oft an Ausbildung, um genaues Rechtswissen), hier wurde eine Einwilligung gegeben, wie stellen Sie sich denn eine Berichtserstattung sonst vor, oder besser diesen Teil des Lebens totschweigen?
Am ende haben wir eine zahnlose Presse a la Russland und ja Usa. Sie schiessen hier auf die eventuell richtigen, und treffen am Ende die falschen, eine wichtige Säule der Demokratie
Abgesehen davon tut sich ein Schreiberling (ja auch der Verfasser dieses Artikels) natürlich leichter, da er ja nicht vor Ort sein muss, er braucht keine Bilder, ihm reicht es einen Artikel aus hören/sagen zu generieren, so einfach hat es das Fernsehen nicht.
Ich habe eher den Eindruck hier sollte im Nachhinein noch etwas mehr Einkommen für einen Burgerbrater generiert werden, Pro7 hats ja.
Meine 10cent zu diesem Thema.
Paging