Gefängnis Stadelheim Psychologin versorgt Häftlinge mit Schlüsseln

Nachgemachte Schlüssel, Handys und Drogen: Eine Psychologin hat sich offenbar von Häftlingen im Gefängnis Stadelheim bestechen lassen. Ausbruchsgefahr bestand nicht, trotzdem sitzt die Frau nun in Haft.

Von Florian Fuchs

Eine Anstaltspsychologin der Justizvollzugsanstalt Stadelheim soll es Häftlingen ermöglicht haben, Nachschlüssel für Teile des Gefängnisses anzufertigen. Die Schlüssel, die sie den JVA-Insassen laut Vorwurf der Ermittler gegen Geld zur Verfügung gestellt haben soll, wären nach aktuellem Kenntnisstand jedoch nicht für einen Ausbruch tauglich gewesen. Sie sollen nur teilweise zu Schlössern im Innenbereich des Gefängnisses gepasst haben. Nach einer groß angelegten Durchsuchung der Polizei am vergangenen Donnerstag sitzt die Psychologin inzwischen in einer anderen JVA in Untersuchungshaft. "Der Tatvorwurf lautet auf Bestechlichkeit", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Nach SZ-Informationen durchsuchten am Donnerstag zahlreiche Polizisten und Wachtmeister den Südbau und auch große Teile des Westflügels der Anlage in Stadelheim. Es sind die Bereiche, in denen die Psychologin tätig war, deren Büro ebenfalls kontrolliert und anschließend versiegelt wurde. Wie lange die Frau ihren Handel mit Häftlingen bereits betrieben hat, wie viel Geld sie dabei eingenommen hat und wie viele Insassen an den Deals beteiligt gewesen sind, müssen die Ermittler erst herausfinden. Unbekannt ist auch noch, in welche Bereiche des Gefängnisses die Häftlinge mit den nachgemachten Schlüsseln gelangen konnten.

Neben den Schlüsseln soll die Psychologin auch Handys und andere Waren beschafft haben. Unter den Häftlingen des Gefängnisses kursiert das Gerücht, dass sie sogar Drogen wie halluzinogene Pilze ins Gefängnis schmuggelte und verkaufte. Laut Staatsanwaltschaft seien die Geschäfte aufgefallen, als Nachschlüssel bei einigen Häftlingen gefunden wurden. Offenbar stellte die Psychologin gegen Geld ihre eigenen Schlüssel zur Verfügung. Die Gefangenen kümmerten sich darum, Abdrücke anzufertigen und sie dann nachmachen zu lassen.

Eine Beteiligung von JVA-Mitarbeitern am Schmuggel im Gefängnis ist ein altbekanntes Problem. Meist handelt es sich bei den Deals um Handys, die Angestellte den Gefangenen verkaufen. Von kommendem Montag an zum Beispiel stehen in einem solchen Fall fünf ehemalige Häftlinge vor Gericht, die unter anderem einen 40 Jahre alten Wachbeamten in Stadelheim bestochen haben sollen. Er selbst hatte bereits in einem Verfahren im vergangenen Jahr eingeräumt, Telefone ins Gefängnis geschmuggelt zu haben. Der Richter hatte sich damals überrascht gezeigt von den Sicherheitsdefiziten in der Haftanstalt, die mit 1400 Gefangenen eine der größten in Bayern ist.

Während der Wachbeamte angab, aus Geldnot gehandelt zu haben, musste sich eine Vollzugsbeamtin im März dieses Jahres vor dem Amtsgericht verantworten, die sich in einen Häftling verliebt und ihm neben Handys auch Muskelaufbau-Präparate in den Knast geschmuggelt hatte. Die 24 Jahre alte frühere Obersekretärin wurde vom Schöffengericht zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Heute betreibt sie mit ihrem inzwischen aus dem Gefängnis entlassenen Freund einen Schrotthandel. Das Motiv der Anstaltspsychologin, die nun verhaftet wurde, ist noch unklar.