Von Christina Warta

Gedenkveranstaltung für den getöteten Geschäftsmann Dominik Brunner: Etwa 3000 Münchner haben für mehr Zivilcourage demonstriert.

Die Menschen stehen dicht an dicht auf dem Odeonsplatz, warme Schals ums Kinn, dicke Mützen über den Ohren. In den behandschuhten Händen halten sie rote Papierherzen, die sie immer wieder in die Luft recken.

Werben für mehr Zivilcourage: Hoeneß, Ude und Seehofer; dpa

Werben für mehr Zivilcourage: Hoeneß, Ude und Seehofer (© Foto: dpa)

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"Nimm Dein Herz in die Hand", das ist das Motto der Kundgebung für mehr Mut zur Zivilcourage, die am Sonntagnachmittag vor der Theatinerkirche stattgefunden hat. Und trotz der beißenden Kälte wagen sich viele Münchner vor die Tür - weil das Thema so wichtig ist. "Wir müssen einfach füreinander einstehen", sagt eine Frau. Am Ende, schätzt die Polizei, sind es zwischen 2500 und 3000 Menschen, die ein Zeichen setzen für mehr Mut im Alltag.

Am 12. September 2009 wurde Dominik Brunner am Sollner S-Bahnhof von zwei Halbwüchsigen zu Tode geprügelt, weil er eine Gruppe Teenager vor den Schlägern schützen wollte. Dass Brunner sein couragiertes Verhalten mit dem Leben bezahlte, schockierte die Menschen; schon bald wurde die Dominik-Brunner-Stiftung gegründet.

"Wehren Sie sich gegen Gewalt"

Die Stiftung mit ihrem Kuratoriumsvorsitzenden, dem FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, hat auch die Demonstration am vierten Adventssonntag organisiert. "Wir können jederzeit Opfer von Gewalt werden", ruft Hoeneß den Menschen zu. "Deshalb: Wehren Sie sich gegen Gewalt." Begleitet wird Hoeneß von den Bayern-Spielern Miroslav Klose, Thomas Müller und Holger Badstuber sowie von Sportdirektor Christian Nerlinger.

"Solidarität ist praktizierte Nächstenliebe", appelliert auch Ministerpräsident Horst Seehofer, "dieses Bewusstsein ist viel wichtiger als Paragrafen und Gesetze."

Er habe Brunner posthum den Bayerischen Verdienstorden verliehen, "und als ich ihn seinen Eltern übergeben habe, da hat sein Vater gesagt: Dominik hätte gar nicht anders handeln können, er ist immer für Gerechtigkeit eingetreten". Brunners Vater ist auch bei der Kundgebung am Odeonsplatz anwesend.

"Nicht wegsehen"

Oberbürgermeister Christian Ude sagt: "Der Anschlag auf Dominik Brunner war nicht der erste. Da fragen wir uns entsetzt: Woher kommt diese menschenverachtende Gewaltbereitschaft?" Alle Menschen müssten deshalb sämtliche Register ziehen, um solche Vorfälle zu verhindern.

Das beginne bei der frühkindlichen Erziehung, schließe aber auch die Videoüberwachung in U-Bahnhöfen mit ein. "Wir sollen keine Heldentaten vollbringen, aber auch nicht wegsehen, sondern Hilfe holen", so Ude.

Die Stimmung auf dem Odeonsplatz ist verhalten fröhlich und zugleich feierlich. Der Jugendchor "Young Souls" intoniert berührende Gospels, Miroslav Klose schaut verfroren in die Menge, und Peter Brugger von den "Sportfreunden Stiller" singt: "Lasst die Liebe rein in Euer Life-Design".

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(SZ vom 21.12.2009/plin)