Wie Julia Leichert von der Unternehmenskommunikation berichtet, sei die Tendenz bei den Geburten "definitiv steigend", in diesem Jahr liege das Krankenhaus bisher bei 1901 Entbindungen, das sind gut 150 mehr als noch 2007. In den kommenden Monaten sei sogar mit einer weiteren Steigerung zu rechnen. Bei den werdenden Müttern sei eine starke Nachfrage nach einer Kombination aus klassischer und sanfter Geburtshilfe gefragt, stellt Leichert fest: "Die Frauen schätzen es, wenn sie vor dem gesicherten Hintergrund höchster medizinischer Leistungsfähigkeit auch auf alternative Angebote wie Akupunktur oder Homöopathie zurückgreifen können."

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Hebammen und Ärzten fällt auch in diesem Jahr auf, dass Frauen immer später schwanger werden. "Gerade Akademikerinnen bekommen ihre Kinder erst mit Mitte 30", sagt Leichert. Professor Friese von den LMU-Kliniken, die auch besonders viele Risikoschwangerschaften und fast die Hälfte aller Frühchen mit weniger als 1500 Gramm in Bayern betreuen, bestätigt dies: "Die schwangeren Frauen sind eindeutig älter."

1990 habe der Anteil der Schwangeren über 35 Jahre noch bei zehn Prozent gelegen, mittlerweile sind es 18 Prozent. Heute komme erst der Beruf und dann die Familienplanung, wobei allerdings bei Spätgebärenden die Risiken zunähmen. Das optimale Geburtsalter sei 25, sagt Friese, denn auch darunter gebe es entgegen der landläufigen Meinung "je jünger, desto besser" ein erhöhtes Risiko.

Wem nun das Verdienst für den Münchner Kindersegen zuzurechnen ist, da klopfen sich gleich mehrere Politiker auf die Schultern. Die Bundesregierung nennt das Elterngeld als Grund dafür, dass sich wieder mehr Paare für Kinder entscheiden. Gegen diese Annahme spricht allerdings, dass die Geburtenrate bundesweit in den vergangenen zwei Jahren nur leicht um 3000 zugenommen hat, während München alleine von 2006 auf 2007 einen Zuwachs von mehr als 600 schaffte.

Dementsprechend will auch das rot-grüne Rathausbündnis in München als eigentlicher Pate des Baby-Booms angesehen werden, weil die Landeshauptstadt "familienfreundlich" sei. Dieser Einschätzung lässt sich entgegensetzen, dass es im teuren München immer noch mehr Singlehaushalte als solche mit Kindern gibt - und dass der Anteil der Alleinlebenden in der Stadt zuletzt sogar noch um 1,5 Prozent auf 54,2 Prozent gewachsen ist.

Außerdem bestehen - trotz erheblicher Investitionen der Stadt - weiterhin große Defizite beim Betreuungsangebot für Kleinkinder. Nur für jedes fünfte Kind gibt es derzeit in München einen Krippenplatz.

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(SZ vom 11.08.2008/sonn)