Gebäude an der Münchner Freiheit evakuiert Bombenalarm in Schwabing

Der Fund einer Weltkriegsbombe hat in München Polizei, Feuerwehr und Anwohner die ganze Nacht beschäftigt. Dutzende Häuser mussten evakuiert werden, damit der Zünder kontrolliert gesprengt werden kann. Helfer des Roten Kreuzes haben Notunterkünfte eingerichtet. Die Entschärfung wird bis in den Abend dauern.

Von Florian Fuchs und Christian Sebald

Der Fund einer Fliegerbombe in unmittelbarer Nähe der Münchner Freiheit hat Montagnacht Polizei und Feuerwehr in Atem gehalten. Arbeiter hatten den Sprengsatz auf der Baustelle in der Feilitzschstraße entdeckt, dort, wo früher die Kneipe "Schwabinger 7" stand.

Evakuierung in Schwabing dauert an "Für mich einfach Chaos"

Anwohner müssen mitten in der Nacht ihre Häuser verlassen und werden bei Freunden oder in Notunterkünften untergebracht. Noch immer ist unklar, wann die Bewohner wieder zurück dürfen. Manche befürchten auch geschäftliche Schäden, andere sehnen sich einfach nur nach einer Dusche. Bilder und Stimmen aus einem Viertel im Ausnahmezustand.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Stephan Rumpf)

Von 18.30 Uhr an wurden im Umkreis von 300 Metern Häuser evakuiert und Läden geschlossen, etwa 800 Anwohner waren zunächst betroffen. Gegen 21.30 Uhr begann die Entschärfung. Sie gestaltete sich aber so schwierig, dass der Sprengmeister die Aktion gegen 22 Uhr unterbrach. Wenig später entschied das Sprengkommando dafür, den gefährlichen Zünder erst am nächsten Tag an Ort und Stelle kontrolliert zu sprengen. Anfangs hatte es geheißen, die Bombe werde bei Tagesanbruch entschärft, weil es dann hell genug sei. In den frühen Morgenstunden verschob die Einsatzleitung den komplizierten Einsatz.

Die Polizei spricht von einer "brenzligen Situation". Demnach trug die Bombe einen chemisch-mechanischen Zünder, der auch nach Jahrzehnten im Untergrund noch voll funktionsfähig war und die Bombe jederzeit zur Explosion hätte bringen können. Deshalb war eine Entschärfung, aber auch ein Abtransport der Fliegerbombe unmöglich. Noch in den Nachtstunden bereiteten die Experten alles für die kontrollierte Sprengung vor. Die Polizei zog weitere Einsatzkräfte zusammen.

Auch Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) eilte zur Feilitzschstraße und informierte sich über die Vorbereitung der Sprengung. Im Lauf der Nacht wurden weitere Anwohner evakuiert. Wie die anderen wurden sie zu rasch eingerichteten Notunterkünften im Willi-Graf-Gymnasium und in der ebenfalls nahe gelegenen Katholischen Akademie in der Mandlstraße gebracht. Dort werden sie von Sanitätern des Roten Kreuzes betreut.

Die 250 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Fabrikation stammt aus dem Zweiten Weltkrieg und steckt senkrecht im Boden. Bauarbeiter hatten sie gegen zwölf Uhr mittags entdeckt. Experten kamen bereits nach der ersten Begutachtung zu dem Entschluss, dass ein Abtransport zu gefährlich und eine Entschärfung vor Ort unumgänglich sei. Der Evakuierungsbereich umfasst zunächst die Leopoldstraße von der Einmündung Ungererstraße bis zur Hohenzollernstraße, die Haimhauserstraße, Marktstraße, Feilitzschstraße, Franzstraße und Siegesstraße.

Auch der Platz an der Münchner Freiheit musste gesperrt werden, die U 3 und U 6 fuhren aber weiter durch Schwabing, allerdings ohne an der Station anzuhalten. Busse wurden umgeleitet, die Tram der Linie 23 fuhr die Münchner Freiheit während der Entschärfung nicht an. Ein Teil der Leopoldstraße ist gesperrt, am Dienstagmorgen im Berufsverkehr kam es dort zu einem Verklehrschaos.

Erst im Mai hatten Bauarbeiter eine 225 Kilogramm schwere Bombe im Grünwalder Stadion entdeckt. Auch damals riegelten Einsatzkräfte den Bereich um die Arena großräumig ab, bis ein Räumkommando die US-Fliegerbombe entschärft hatte.