SZ: Herr Hildebrandt, Sie fordern seit jeher ein solidarisches Miteinander. Wie liberal muss eine Gesellschaft sein?
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Hildebrandt: Ich bin gegen strikte Verbote. Zum liberalen Gedankengut gehört aber auch einzusehen, dass man Gebote einhält. Dann bin ich ein Mitglied der Gesellschaft und nicht asozial. Ich kann mal ein wenig unsozial sein, aber nicht in der Grundhaltung. Ich bin zur Verantwortung zu ziehen. Das heißt, liberales Denken hat Grenzen, die man sich selber setzen muss. Ich werde immer nach Tabus gefragt. Ich habe Tabus, selbstverständlich. Meine eigenen. Aber ich möchte mir keine oktroyieren lassen. Ich möchte nicht, dass dies oder jenes verboten ist. Man muss mich überzeugen. Das ist angewandte Demokratie. Deswegen ist die Betonung von liberal gar nicht nötig. Die FDP ist eine überflüssige Partei. Sie kann höchstens hin und wieder ausgleichen oder eine Mehrheit schaffen.
Gauweiler: Ich habe früher auch gedacht: Ich bin liberal, im Sinne von normal. Aber nachdem so viele Leute sagen: "Peter Gauweiler, wenn einer nicht liberal ist, dann bist es Du." Daher sag' ich: Okay, dann bin ich es eben nicht. Weil der Begriff von so vielen benutzt wird...
Hildebrandt: ...besetzt wird.
Gauweiler: Um es literarisch zu sagen: "In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen." Das entspricht mir.
Hildebrandt: Das ist liberal.
Gauweiler: Ich sage, eine Stadt ist kein Autoscooter. Es geht nicht ohne Regeln, weil sich sonst doch immer der Rücksichtsloseste durchsetzt.
SZ: Also doch Law-and-Order?
Gauweiler: Naja, unangenehm ist dabei, dass mit dem Politischen das sich Profilieren verbunden ist. Man profiliert sich dabei immer auf Kosten anderer. Nicht, dass ich es nicht getan hätte. Das Problem ist halt, dass so selbst eine gute Sache oder richtige Maßnahme einen miesen Beigeschmack bekommt. Deswegen kann man das mit dem Law-and-Order nur eine gewisse Zeit lang machen.
SZ: Aber bei der U-Bahn-Sicherheit bleiben Sie hart.
Gauweiler: Mein Argument ist klar: Eine Frau ist um zehn Uhr abends in der S-Bahn auf bestimmten Strecken gefährdeter als jeder Minister. Ich sehe nicht ein, warum man nicht in jeden U- und S-Bahn-Waggon präventiv eine Wachperson stellt.
SZ: Herr Hildebrandt, haben Sie Angst, in der Stadt mit der S-Bahn zu fahren?
Hildebrandt: Ich fahre viel S-Bahn. Auf meiner Strecke ist das aber harmlos. Und auf den Bahnsteigen laufen dann diese Wachleute rum. Schwer bewaffnet.
Gauweiler: Aber wirkungsvoll.
Hildebrandt: Die haben Knüppel. Dann wittert man auch eine Pistole - aber die haben sie gar nicht. Dazu machen sie dieses bewaffnete Gesicht.
Gauweiler: Wenn zwei aggressive Muskelpakete, tätowiert bis zum Ohrläppchen, nachts in der U-Bahn auf Sie zukommen und Sie anpöbeln, hüsteln auch Sie etwas. Und wenn dann zwei schwarze Sheriffs auftauchen, sagen selbst Sie: So schlecht sind die doch nicht.
Hildebrandt: Ich trau' denen nur nicht. Ich glaube, die laufen davon.
Gauweiler: Gut, das wäre schlecht.
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(SZ vom 05.07.2008/af)
Die neueste Antwort
Interessantes Interview, hätte in der Tat noch etwas länger sein können
Danke für dieses Interview! Es hätte auch noch länger gehen können. In meiner Jugend war ja Gauweiler der Sheriff, interessant wie er sich mit dem Alter ruhiger entwickelt hat...
So isses...
Aber wenn es die Schafe so wollen, bekommen es die Schafe eben so.
mfg nh100
ja ja... und die Welt ist eine Scheibe
Dieses Gespräch ist doch wieder ein schlagender Beweis dafür, dass alle deutsche Parteien außer der FDP staatsgläubige Sozialisten sind.
Paging