Gastronomie Slowfood fürs Partyvolk

Ein Heimwerk auf zwei Ebenen: Das neue Lokal im Glockenbachviertel setzt vor allem auf regionale Lebensmittel und eine Speisekarte zum Basteln.

(Foto: Florian Peljak)

Das Restaurant Heimwerk gibt es jetzt neuerdings auch im Glockenbachviertel

Von Franz Kotteder

Eigentlich ist diese Ecke ja viel zu großstädtisch, als dass der Laden kein Erfolg wird: eine belebte Kreuzung, die Trambahn in der Müllerstraße, und dann eine Fassade, die wie ein Flaggschiff das immer noch trendigste Ausgehviertel der Stadt markiert. Willkommen im Heimwerk, dem Nachfolger des Glockenbachs, das an der Ecke Müller-/Pestalozzistraße acht Jahre lang vorwiegend junges Partyvolk als Restaurationsbetrieb beglückte und im vergangenen November aufgab, weil es der Hauptbetreiberin Valentina Schunk einfach zu viel Arbeit wurde.

Seit Donnerstagabend hat nun das Heimwerk geöffnet, ein Speiselokal, das auch als Bar funktioniert. Es ist bereits das zweite seiner Art. Der Prototyp steht seit 2016 in der Schwabinger Friedrichstraße und funktioniert dort sehr gut. Man orientiert sich an den Grundsätzen der Slowfood-Bewegung, die da lauten: hohe Qualität, faire Produktion, regionale Erzeuger, keine künstlichen Zusatzstoffe. Zugleich aber ist das Heimwerk auch eine Art Schnitzelparadies, denn diese Fleischstücke in ihren unterschiedlichen Ausprägungen vom Münchner Schnitzel bis zum vegetarischen Gemüse-Kartoffelschnitzel bilden den Schwerpunkt auf der Karte des Hauses. Nun also nicht nur in Schwabing, sondern auch im Glockenbachviertel.

Einiges aber ist im Heimwerk anders als in anderen Lokalen. Manche Menschen wollen ja einfach nur essen gehen, faul am Tisch sitzen, schnell und zuvorkommend bedient werden und dann wieder heimgehen. Die sind im Heimwerk fehl am Platze. Dort ist schon ein wenig Mitarbeit gefragt. Nicht, dass man sich das Essen selbst servieren müsste. Aber den Standardteller nach Schema F gibt es hier nicht. Dafür kostet ein Beilagenwechsel nichts extra und ist überhaupt kein Problem. Ganz einfach deshalb, weil man sich die Beilagen zu jedem Gericht sowieso selbst auswählen kann. Oder muss - je nach Sichtweise.

An dieser Stelle muss man wohl Archibald Graf von Keyserlingk zu Wort kommen lassen. Der Mann ist Geschäftsführer des Heimwerks und ein Fachmann in Sachen Marketing. "Auf der ersten Seite unserer Speisekarte erklären wir, wie unser System funktioniert", sagt er, "wenn das die Bedienung jedes Mal runterbeten muss, dauert das ja ewig." Dabei ist es gar nicht so schwer zu verstehen, und man muss nur ein bisschen Spaß am Basteln mitbringen. Es gibt nämlich von jedem Gericht kleine und große Portionen, genannt "Snack" oder "Mahl", und es gibt Hauptspeisen und Beilagen, die man beliebig miteinander kombinieren kann. Bestellen kann man bei jeder Servicekraft, die am Tisch vorbeikommt, gebucht wird das Bestellte auf einem kleinen Plastikkärtchen. Das legt man am Ende der Kasse am Eingang vor, dort wird abgerechnet und bezahlt.

Ausgedacht hat sich Keyserlingk das alles zusammen mit seinem Team, und das Glockenbach-Heimwerk ist nun also das zweite Glied in einer Kette. Weil die das bekannte Fastfood-Prinzip auf Slowfood anwendet, lässt man sich wohl auch mit dem Wachstum etwas Zeit. Ansonsten aber erinnert vieles an erfolgreiche andere Unternehmungen, die auf standardisiertes Kochen und einheitliches Erscheinungsbild setzen, wie die Burgerkette Hans im Glück etwa. Nicht umsonst sagt Archibald von Keyserlingk schmunzelnd: "Ich bin mit Wienerwald aufgewachsen." Potenzial ist offenbar genügend vorhanden, man sieht das auch an den Mitgesellschaftern, die an Keyserlingks Gastro-GmbH beteiligt sind. Unter ihnen ist zum Beispiel auch Wiesnwirt und Hotelier Peter Inselkammer.