Gastronomie Poke Bowl: Der Trend kommt aus der Schüssel

Ein bunter Mix an Zutaten gehört in die Poke Bowl.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Reis, Salat, roher Fisch und spezielle Saucen: Die Poke Bowl kommt eigentlich aus Hawaii. Jetzt wird sie zum Münchner In-Gericht.

Von Laura Kaufmann

Der hippe Münchner ist gerade sehr verliebt darin, sein Essen aus einer Bowl, also einer Schüssel zu löffeln. Man möchte fast meinen, der Inhalt sei egal, Hauptsache Bowl. Jetzt aber kristallisiert sich aus der städtischen Schüssellandschaft doch noch ein Trend heraus: die Poke Bowl.

Der Trend kommt, wie so oft, aus den USA. Nur der Trend, wohlgemerkt: Das Essen an sich ist hawaiianischen Ursprungs. Erfunden haben es der Legende nach Fischer, die sich ihr Mittagessen auf dem Meer verfeinern wollten. Die sich ihren frisch gefangenen, rohen Fisch in Stücke schnitten, ihn mit Reis, Sojasauce und Sesam mischten, und, wenn vorhanden, mit Kräutern oder Gemüse. Heute ist Poke (gesprochen Pokay) das Nationalgericht Hawaiis. "Dort wird es wie Fleischsalat bei uns verkauft, im Supermarkt an Theken zum Beispiel", sagt Thomas Kruse.

Bunte Schüsseln

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Der ehemalige Dokumentarfilmer hat seine Elternzeit auf Hawaii verbracht. Drei Monate ist er dort mit seiner Frau und den beiden Töchtern herumgereist. Jetzt will er sein neues Lieblingsgericht an den Münchner bringen. "Aloha Poke" heißt der bunte Laden in der Türkenstraße 80, den er vor ein paar Wochen gemeinsam mit Claus Kratzeisen eröffnet hat. Kruse wusste zwar, wie ein gutes Poke zu schmecken hat, aber nichts von der Gastronomie.

Ganz im Gegenteil zu seinem langjährigen Freund, der als gastronomischer Direktor im Bayerischen Hof und bei Käfer gearbeitet hatte. Kratzeisen weiß, woher er gute Zutaten beziehen kann. Weiche Avocados, niedliche Tomaten, so klein wie Heidelbeeren. Fisch aus nachhaltigem Fang. Auf die guten Zutaten kommt es an, denn Poke ist ein roh zusammen gemischtes Gericht.

Der Gast sucht sich an der Theke zuerst seine Basiszutat aus - hier Reis, Wildreis, oder Salat, dann Lachs, Thunfisch, Garnelen; wer keinen Fisch mag, nimmt Truthahn oder Tofu. Dazu können dann Avocado, Mango, Edamame, Nüsse, Kokoschips, Sesam und so weiter gewählt werden; eine Sauce verbindet die Auswahl. Weißer-Pfirsich-Wasabi zum Beispiel, oder Erdnuss-Koriander. Wem das zu kompliziert ist, der wählt einfach einen der Vorschläge des Hauses. Die normale Portion ist für 9,40 Euro zu haben, die große für 12,40. Das Prinzip dieses Essens ist ganz einfach. Und wie es so oft ist mit den einfachen Dingen, sind sie gut, und man fragt sich beinahe, wieso da niemand früher darauf gekommen ist.

In New York und Los Angeles, in Sydney und in Singapur schießen Poke-Läden mit ähnlichen Konzepten schon seit geraumer Zeit aus dem Boden - "Poke reaches the Shores of Manhattan" schrieb die New York Times Anfang vergangenen Jahres über einen Artikel -, München holt nun schnell auf. Erst vor ein paar Tagen hat eine zweite Anlaufstelle für Poke eröffnet: "Poké Bay" an der Münchner Freiheit, Leopoldstraße 53. Hier konzentrieren sie sich eher auf das Mittagskonzept und auch auf das To-Go-Konzept.

Leicht und farbenfroh

Die Bowls, die sich der Gast ebenfalls selbst zusammenstellen kann, gibt es für 9 Euro. Statt in Hawaii hat eine Delegation der in Köln ansässigen Pokébay GmbH, die hinter dem Laden steht, in der Metropole New York recherchiert. Sollte sich das kulinarisch aufgeschlossene Münchner Publikum für Poke gewinnen lassen, soll die nächste Poké-Bay-Filiale in Köln eröffnet werden.

Auch Thomas Kruse und Claus Kratzeisen wollen es nicht bei einem Laden belassen. Nachdem der erste sehr gut angelaufen ist, eröffnen sie in Kürze eine kleine Filiale im Hauptbahnhof. "Mir war klar, dass Poke superlecker ist und deswegen hoffentlich gut ankommen würde", sagt Kruse. "Aber natürlich ist es auch gesund. Und das mögen Leute." Roher Fisch, Reis, Salat, frisches Gemüse, Obst, Nüsse. Eine leichte Mahlzeit, und farbenfroh obendrein. "Zwei von drei jungen Besuchern ziehen zuallererst das Smartphone raus und machen ein Foto." Das steht dann auf Instagram, Hashtag passend zum Lokal, und schon wollen die Follower auch probieren und schauen vorbei.

So hilfreich das fürs Geschäft sei, bei Aloha Poke solle trotz allem das Genießen im Vordergrund stehen, sagt Kruse. Das kleine Lokal, etwa 20 Plätze, hat sogar eine Alkohollizenz. Wer mag, trinkt Augustiner oder ein Glas Wein zur Poke. Nach Hawaii beamt es den Gast auch damit nicht. Aber schmecken, das tut es.

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