Von Doris Näger

Die Stadtwerke verkünden eine "neue Marktstrategie" gegen die Billigkonkurrenz und sinkende Preise. Damit soll man bis zu 13,6 Prozent sparen können.

Die Münchner profitieren vom Wettbewerb auf dem Gasmarkt: Stadtwerke-Kunden müssen von April an zwischen 8,4 und 9,5 Prozent weniger für Gas bezahlen. Wenn sie mit den SWM einen Vertrag abschließen, können sie sogar bis zu 13,6 Prozent sparen. Die Stadtwerke haben damit, wie im Januar nach dem Vergleich des Bundeskartellamts angekündigt, ihren Preis für Gas deutlich gesenkt.

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Im Januar war der Aufschrei groß: Das Bundeskartellamt hatte eine Liste veröffentlicht, aus der die Stadtwerke München als einer der teuersten Anbieter von Erdgas hervorgingen. Alle Parteien forderten die SWM auf, ihren Preis sofort zu senken. Die Stadtwerke blieben jedoch hart und sagten die Preissenkung erst für April zu, nach Ablauf der Heizperiode.

Künftig bieten die SWM wie beim Strom nicht nur die Grundversorgung, sondern auch einen Vertrag an. Einzige Bedingung: eine Einzugsermächtigung. Ein Zwei-Personen-Haushalt in München, der 1700 Kubikmeter Erdgas im Jahr verbraucht, spart damit 13,6 Prozent seiner jetzigen Gasrechnung und zahlt im Jahr rund 173 Euro brutto weniger. Da die SWM auch die unterschiedlichen Konzessionsabgaben und Netznutzungsentgelte in München und den Umlandgemeinden berücksichtigen, wirkt sich der neue Preis auf Kunden in der Region anders aus, das heißt sie zahlen mehr.

Dort spart der gleiche Haushalt nur zehn Prozent oder 127 Euro brutto. "Nur so können wir das Angebot der neugegründeten Eon-Tochter schlagen, die mit ihrem Gaspreis immer zwei Cent unter dem Allgemeinen Preis des örtlichen Versorgers bleiben will", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Kurt Mühlhäuser. Über die neuen Angebote informieren die SWM bis Ende Februar schriftlich.

Auf alle Preise geben die Stadtwerke eine Garantie bis zum 30. Juni 2008. "Es kann aber dennoch Preissenkungen geben", versichert Mühlhäuser. Auch beim Strom reagieren die SWM auf Angebote von Wettbewerbern und senken den Preis zum 1. April. Grund für die günstigeren Gastarife seien die reduzierten Einkaufspreise für Erdgas und die neue Marktstrategie, teilen die SWM mit.

Der Betrag, den die Werke selbst an ihre Lieferanten zahlen müssen, richte sich aufgrund der Ölpreisbindung nach den Heizölpreisen der vorangegangenen sechs Monate. In die Rechnung gingen die Monate September bis Februar ein und damit erstmals nicht mehr die Höchstpreise vom Juli und August 2006.

"Warum nicht schon eher?"

Folge der neuen Preisstruktur ist, dass die Stadt mehr als eine Million Euro aus der Konzessionsabgabe verliert, bestätigt Felix Gertkemper, Sprecher der Kämmerei. Hintergrund: Für Kunden der Grundversorgung bezahlen die SWM 0,4 Cent pro Kilowattstunde Gas an die Stadt, für Vertragskunden lediglich 0,03 Cent. Unklar ist die genaue Summe, auf die die Stadt verzichten muss. Sie hängt davon ab, wie viele der 230000 Gas-Verbraucher im Ballungsraum in den Vertrag wechseln. Die SWM rechnen mit mehr als der Hälfte. Beim Strom nehmen nur etwa 30 Prozent das Angebot wahr. Die insgesamt 14 Millionen Euro aus der Gas-Konzessionsabgabe hat die Stadt aber fest im Haushalt verplant.

Angesichts der Preissenkung zum 1.April bleibt bei CSU und Grünen ein Nachgeschmack. "Warum nicht schon eher?", fragt der CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Die SWM hatten argumentiert, sie könnten Gewinne nicht direkt an die Verbraucher weitergeben, da sie auf dem freien Markt bestehen müssen. Schmid sieht die Senkung "als Erfolg unserer Bemühungen um faire Preise" und als Folge des "Drucks eines weiteren Anbieters".

CSU-Stadtrat und Stadtwerke-Kritiker Marian Offman findet, dass angesichts einer Gaspreiserhöhung von mehr als 35Prozent seit Februar 2005 und den dramatischen Preissenkungen des Heizöls die Senkungen überfällig gewesen seien. Sie lägen abzüglich der geringeren Konzessionsabgabe unter zehn Prozent. Schmid fordert die SWM auf, Preissenkungen künftig zeitnah weiterzugeben. Grünen-Stadträtin Lydia Dietrich schließt sich an: "Es wäre mir lieber gewesen, die SWM hätten eher reagiert."

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(SZ vom 9.2.2007)