Gärtnerplatzviertel Das München 72 muss schließen

Der Mietvertrag für das München 72 läuft im Mai 2014 aus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

"Uns tut es leid, aber das bringt nun mal eine Gentrifizierung mit sich": Das Lokal München 72 im Gärtnerplatzviertel muss nach viereinhalb Jahren schließen. Die Hauseigentümerin hat den Mietvertrag nicht verlängert - sie will das Haus möglichst teuer veräußern.

Von Astrid Becker

Sie gilt als legendär, die Bar "München 72" im Gärtnerplatzviertel. Doch nun ist nach viereinhalb Jahren Schluss. Das Lokal, das nicht nur wegen seines Namens, sondern auch durch seine Einrichtung eine Hommage an die Olympischen Spiele in München darstellt, wird im nächsten Jahr schließen. Der Grund: Die Hauseigentümerin hat den Mietvertrag nicht verlängert. Sie will das Haus möglichst teuer veräußern - eine Gastronomie passt da offensichtlich nicht ins Konzept. So sieht es zumindest Wirt Tom Zufall, der nun auf der Suche nach einer neuen Location ist.

Auf seiner Facebook-Fanseite teilt er den Gästen die bevorstehende Schließung mit: "Uns tut es leid, aber das bringt nun mal eine Gentrifizierung mit sich." Die Reaktionen auf diese Nachricht sind enorm: Bereits nach wenigen Stunden haben sich knapp 90 Gäste gemeldet, die ihrem Unmut über das Ende ihrer Kneipe in der Kohlstraße Luft machen. "Sehr traurig", schreibt einer, der sein erstes Date mit seiner jetzigen Freundin dort hatte, und: "Hoffentlich finden die nach Eurem Auszug eine Weltkriegsbombe im Keller." Ein anderer Fan stellt die These auf: "Wenn das so weitergeht, dann sinken die Mieten wieder, weil keiner mehr hier wohnen will."

Das sieht auch Tom Zufall so. Das Glockenbachviertel habe sich zu einem In-Viertel entwickelt, eben gerade, weil sich dort viele Geschäfte und Kneipen angesiedelt hätten. Deshalb zögen die Menschen so gern hierher, aber: "Im eigenen Haus wollen sie dann kein Lokal."

Auch er habe immer wieder Ärger mit einer Anwohnerin gehabt, die Polizei habe jedoch nie Lärmbelästigungen festgestellt. Deshalb glaubt Zufall nicht daran, dass konkrete Beschwerden der Grund für die Kündigung seines Vertrages sind. Vielmehr, erzählt Zufall, sei die frühere Hausbesitzerin gestorben. Ihre Erbin wolle das Haus nun verkaufen: "Wir haben uns um ein Gespräch mit ihr bemüht - vergeblich." Dann sei ihm gekündigt worden - zum Mai 2014. Die Hauseigentümerin selbst ist nicht zu sprechen. Aber eines ist ohnehin klar: Eine Gastronomie wird es in dem Haus nicht mehr geben. Zufall will sich nun ein neues Lokal suchen. Sein "München 72" im Olympiapark, das es seit drei Jahren gibt, will er weiter betreiben.