Fußballer Gerald Asamoah liest in München Er kann auch ernst

Gerald Asamoah inspiziert vor seinem Auftritt den Kickertisch im Münchner Vereinsheim.

(Foto: Robert Haas)

Gerald Asamoah lacht sogar, wenn er am Tor vorbeischießt. Doch bei der Vorstellung seiner Autobiografie in München zeigt der Fußballspieler auch eine ernste Seite. Es geht um seine Herzerkrankung und einen fragwürdigen Anruf von Jürgen Klinsmann.

Von Lisa Sonnabend

Plötzlich wird Gerald Asamoah ernst. Der Mann, der sogar fröhlich grinst, wenn er in einem Spiel mal wieder am Tor vorbeischießt und sein Verein, die SpVgg Greuther Fürth, weiterhin auf dem allerletzten Platz der Bundesligatabelle liegt. Doch jetzt, an diesem Dienstagabend, lacht der wohl bestgelaunte Fußballer Deutschlands nicht, er lächelt nicht einmal. Stattdessen blickt er zu Boden.

Der 34-Jährige sitzt auf der Bühne in der Münchner Kneipe Vereinsheim, um seine Autobiografie "Dieser Weg wird kein leichter sein - mein Leben und ich" vorzustellen. Gerade wurde er nach seiner Herzerkrankung befragt, wegen der der Stürmer mit 19 Jahren beinahe seine Karriere hätte beenden müssen, noch ehe sie richtig begonnen hatte. "Auf einmal war alles weg", erinnert sich Asamoah nachdenklich an diese Zeit. "Ich dachte: Was passiert jetzt mit meinem Leben? Ich weinte viel."

Nach einem Spiel mit seinem damaligen Verein Hannover 96 war Asamoah zusammengebrochen, die Ärzte diagnostizierten einen Herzfehler und entzogen ihm die Spielerlaubnis. Monatelang tingelte der junge Spieler von Krankenhaus zu Krankenhaus, bis er einen Arzt fand, der das Risiko auf sich nahm, ihm zu bescheinigen, dass er wieder Fußball spielen darf. Ein Restrisiko ist bis heute geblieben, ein Defibrillator steht stets neben dem Platz, wenn Asamoah aufläuft.

Doch schnell hat Asamoah an diesem Abend genug von der gedämpften Stimmung. Er blickt ins Publikum und sagt gewinnend grinsend: "Ich muss jeden Morgen Beta-Blocker nehmen und habe deswegen nur 94 Prozent Leistungsfähigkeit. Stellt euch mal vor, ich hätte 100 Prozent!" Die Zuschauer in der vollen Kneipe lachen, der Fußballer auch wieder.

Natürlich ist Asamoah nicht der erste Fußballprofi, der eine Autobiografie geschrieben hat. Auch die Effenbergs, Kahns oder Lahms haben schon Bücher geschrieben. Und zuletzt Lothar Matthäus. Nicht alle sind als gelungen zu bezeichnen. Das Leben von Asamoah dagegen ist so außergewöhnlich, dass allein dies schon die 224 Seiten rechtfertigt.

Gerald Asamoah wuchs bei seiner Großmutter in Ghana auf, wo er fast täglich mit Kindern aus anderen Dörfern kickte. Barfuß. Als er zwölf Jahre alt war, holten ihn seine Eltern nach Deutschland. Für seine große Leidenschaft, Fußball zu spielen, hatten sie wenig Verständnis. Der junge Gerald schlich sich oft heimlich aus der Wohnung, um trainieren zu können. Und setzte sich schließlich durch.

Mit dem FC Schalke 04 hat Asamoah zwei Mal den Pokal gewonnen. Er spielte für die deutsche Nationalmannschaft, wurde 2002 Vizeweltmeister und 2006 WM-Dritter. Und im vergangenen Jahr sorgte er für eine Überraschung: Mit den "Unaufsteigbaren" aus Fürth gelang der Einzug in die erste Liga.