Fußball-Krawall Neue Ermittlungen gegen prügelnde Polizisten

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen möglicher polizeilicher Übergriffe beim Amateur-Derby 1860 München gegen FC Bayern wieder aufgenommen.

Von Susi Wimmer

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen möglicher polizeilicher Übergriffe beim Amateur-Derby 1860 München gegen FC Bayern wieder aufgenommen. Wie die SZ berichtete, hatte die Behörde die Untersuchung der Vorkommnisse vom 9. Dezember 2007 zunächst eingestellt, weil die USK-Beamten nicht zu individualisieren seien. Nun will die Staatsanwaltschaft Polizeibeamte befragen und die eingesetzten Gruppen identifizieren. Die Grünen fordern nach dem Vorfall Erkennungsnummern für USK-Kräfte.

"Wir haben jetzt konkrete Ermittlungsaufträge an die Polizei gegeben", sagt Oberstaatsanwalt Anton Winkler, nachdem die SZ am Mittwoch über die Einstellung des Verfahrens berichtet hatte. Zeugen sollen nun noch einmal vernommen und die Zugführer befragt werden.

Man wolle die Gruppeneinteilungen ermitteln, um herauszufinden, wer wo zu welchem Zeitpunkt eingesetzt war. Damit könne man eventuell die Zahl der möglichen Täter verkleinern, meint Winkler. Damit sind Polizisten gemeint, die am 9. Dezember 2007 nach dem Lokal-Derby im Grünwalder Stadion laut Zeugen "wahllos und ohne erkennbaren Grund" mit Schlagstöcken auf die Zuschauer aus dem Löwen-Block eingeprügelt haben sollen.

Die Staatsanwaltschaft selbst war in der Einstellungsverfügung zu dem Schluss gekommen, dass es aufgrund der Zeugenaussagen und der Verletzungen der Fans "zu Tätlichkeiten seitens der eingesetzten Polizeibeamten" gekommen sein muss, sah aber keine Möglichkeit, die mutmaßlichen Täter zu identifizieren.

Im Rahmen der Ermittlungen wolle man jetzt aber auch die eingesetzten Beamten befragen, sagt Winkler. "Wenngleich wir sie belehren müssen, dass sie nichts aussagen müssen, was sie selbst belastet." Möglich sei aber, dass etwa ein Beamter einen Kollegen bei Übergriffen beobachtet habe.

Bis dato waren die eingesetzten Beamten überhaupt nicht zu den Vorfällen befragt worden, auch gab es keine Gegenüberstellungen. Wie Anwalt Marco Noli, der zehn geschädigte Fans vertritt, erklärt, würde einer seiner Mandanten den Beamten wiedererkennen, der ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hatte.

Am besagten Derby-Tag waren mehr als 100 Polizeibeamte im Einsatz. Darunter Kräfte der grüngekleideten Bereitschaftspolizei aus Dachau sowie zwei Züge des dunkelblau uniformierten Unterstützungskommandos (USK). Letztere Einheiten der Polizei sind weder durch Namen noch Nummern auf den Uniformen zu identifizieren.

"Das ist ein Skandal", wettert Siegfried Benker von den Grünen. Durch das Verhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft werde das USK behandelt "wie eine paramilitärische Einheit". Als Anmelder für Demonstrationen wisse er, dass "USK-Einheiten von der Einsatzleitung der Polizei nicht kontrolliert werden können oder sollen". Doch das USK müsse genauso kontrollierbar sein wie alle anderen Beamten, fordert Benker nun in einem Stadtratsantrag. Wenn nicht mit Namensschild, dann mit einer Nummer.

"Die Einsatzreferenten der Länder haben bislang keinen Bedarf für derartige Maßnahmen gesehen", sagt Oliver Platzer, Sprecher des Innenministeriums. Namensschilder lehne man bei diesen Einheiten "aus Fürsorgegründen" ab: Wenn Polizisten mit Namen beispielsweise auf Homepages von Extremisten angeprangert werden, sei das weder für den Beamten noch für seine Familie erfreulich. Nach Aussagen von Platzer könne die Polizei intern aber sehr wohl zumindest Gruppen von bis zu etwa acht Leuten aufgrund von taktischen Zeichen auf den Uniformen identifizieren. Zu einer möglichen Nummerierung will sich Platzer nicht äußern: "Wir warten erst das Ende der Ermittlungen ab."

Klarheit wollte auch der TSV 1860: Wie Klub-Präsident Rainer Beeck sagt, habe man gleich nach den Vorfällen die Verantwortlichen "um Aufklärung und Transparenz" gebeten. Doch darauf warten die Löwen bis heute. "Jetzt drängen wir darauf, dass die Vorkommnisse lückenlos aufgearbeitet werden", so Beek.