Martha Radu berät Schwangere in Notsituationen. Sie spricht über mögliche Beweggründe der Mutter des tot aufgefundenen Säuglings.
Was treibt eine Frau dazu, ihr neugeborenes Kind unter einem Gebüsch abzulegen? Wie erreicht man Frauen, die eine Schwangerschaft verdrängen? Martha Radu berät seit neun Jahren beim Sozialdienst katholischer Frauen Schwangere und versucht, in Notsituationen zu helfen.
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Martha Radu vom Sozialdienst katholischer Frauen unterstützt Schwangere in schwierigen Lebenssituationen. (© Foto: Hess)
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SZ: Was bewegt eine Frau dazu, ihr Baby nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause oder auf einer öffentlichen Toilette zur Welt zu bringen?
Radu: Möglich ist, dass eine Frau die Schwangerschaft verdrängt und das Kind für sie selbst überraschend kommt. Die Gründe, warum jemand eine Schwangerschaft nicht wahrhaben will, können vielfältig sein. Die Frau mag in einer akuten Lebenskrise stecken. In seltenen Fällen kann auch eine psychische Erkrankung zu einer solchen Handlung führen.
SZ: Es ist also nicht zwingend ein Ausdruck emotionaler Kälte, wenn jemand ein Baby in einem Müllsack in einem öffentlichen Park entsorgt?
Radu: Eine Frau, die so etwas tut, ist in einer Ausnahmesituation und nimmt die Realität sicher nicht so wahr, wie sie ist. Das würde sie ja gar nicht aushalten. Vielleicht war sie vorher schon in einer Krise und der Akt der Geburt hat diese Krise so verstärkt, dass die Frau quasi neben sich tritt und Dinge tut, die sie sonst nicht tun würde.
SZ: Eine Frau, die ihre Schwangerschaft verdrängt, findet selten den Weg in eine Beratungsstelle. Wie kann man ihr dennoch helfen?
Radu: Wir bieten etwa eine Onlineberatung an (www.beratung-caritas.de) und machen die Erfahrung, dass gerade junge Frauen, die sonst mit niemandem über ihre Situation sprechen, den Chat nutzen. Wir Beraterinnen versuchen die Frauen zu überzeugen, sich jemandem anzuvertrauen - der Vertrauenslehrerin, einer Ärztin. Und wir geben Adressen weiter. Ob die Frauen sich schließlich Hilfe holen, wissen wir aber nicht.
SZ: Wie sollte man als Nachbar oder Bekannter reagieren, wenn man das Gefühl hat, da ist jemand mit der Schwangerschaft überfordert?
Radu: Da ist natürlich Feingefühl gefragt. Wenn ich kein so enges Verhältnis zu der Person habe, dass sie sich mir gegenüber öffnet bei einem so sensiblen Thema, kann ich überlegen, ob es vielleicht jemand anderen gibt, dem sie so viel Vertrauen entgegenbringen würde. Für die Frau ist es ja oft schon schwierig, sich selbst einzugestehen, dass sie Hilfe von außen braucht, nicht weiter weiß, Angst hat.
SZ: Wenn eine Frau in die Beratung geht, ist sie schon einen Schritt weiter. Sie sucht Hilfe, weil sie sich das veränderte Leben mit dem Kind nicht vorstellen kann und in Sorge ist, dass sie ihre Ausbildung nicht beenden kann, ihre Arbeit verlieren könnte, dass die Partnerschaft in die Brüche geht. Da ist es mit einer finanziellen Starthilfe allein wohl kaum getan?
Radu: Die Ängste gehen tatsächlich meist tiefer, über Geldprobleme hinaus. In der ersten Beratungsphase hilft es jedoch oft schon, wenn eine Frau ihre Angst aussprechen kann, wenn sie den Eindruck bekommt: Da ist jemand, der zuhört und mich ernst nimmt. Wenn es gut läuft, entsteht ein Vertrauensverhältnis, auf dem man aufbauen kann. Wir bieten die Begleitung ja von Beginn der Schwangerschaft an bis dahin, wenn das Kind drei Jahre alt ist. Einen Krippenplatz können wir natürlich auch nicht zusichern, aber wir können helfen, kreative Lösungen zu finden, etwa Mutter-Kind-Gruppen oder Ehrenamtliche, die stundenweise helfen. Und wir haben vor einem Jahr das Projekt "Start ins Leben" gegründet für Familien, die in besonders schwierigen Situationen sind. Hier geht ein Team aus Hebamme, Psychologin und Soziapädagoginnen in die Familien. Die Beraterinnen begleiten bei Behördengängen und vernetzen mit anderen Organisationen oder Hilfsangeboten. Unsere Erfahrung ist, dass oft allein die Sorge vor dem, was kommen könnte, lähmt. Sobald Frauen spüren, dass Unterstützung da ist, fassen sie meist wieder Mut.
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(SZ vom 08.10.2009/ag)
Studie zur Beliebtheit der Deutschen
Die neueste Antwort
dass die Mutter ihr Kind ohne irgendwelche Scherereien zu fürchten durch eine Abtreibung hätte töten lassen können.