Zehn zu vier Stimmen Kreisräte lehnen Münchner Angebot ab

Bis nach Fürstenfeldbruck schlägt der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München entlang der S4 in einer Potenzialanalyse Radschnellwege vor.

(Foto: Johannes Simon)

Der Landkreis beteiligt sich nicht an einer Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg. Dieser hätte entlang der Gleise der S 4 von der Landeshauptstadt über Puchheim nach Fürstenfeldbruck führen können. Doch Landrat Karmasin hält nichts von solchen Trassen

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Pendler aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, die für den Weg zu ihrem Arbeitsplatz in München das Fahrrad nutzen, sind die Ausnahme. Seit die Nachfrage nach schnellen E-Bikes und Pedelecs jedoch boomt, ist die Landeshauptstadt München mit solchen Zweirädern fast ebenso schnell zu erreichen wie mit dem Auto. Was jedoch noch fehlt, ist die dazu passende Radinfrastruktur mit entsprechenden, drei Meter breiten Radschnellwegen. Das könnten drei Fahrradtrassen oder Korridore an den Bahnlinien der S 3, S 4 und S 8 werden, wie sie der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München in einer Potenzialanalyse schon vor zwei Jahren aufgezeigt hat.

Nun könnte Bewegung in das Projekt kommen. Die Landeshauptstadt München hat nämlich dem Landkreis angeboten, gemeinsam eine Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg am Bahngleis der S 4 von München über Aubing nach Fürstenfeldbruck in Auftrag zu geben. Diese Offerte lehnte der Energie-, Umwelt- und Planungsausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung jedoch mit einer Mehrheit von zehn zu vier Stimmen ab. Die vom Landkreis anteilig zu tragenden Kosten werden vom Planungsverband mit annähernd 70 000 Euro angegeben.

Damit bleibt der Ausschuss seiner Linie treu. Bereits im November 2015 hatte es das Gremium abgelehnt, sich an den Machbarkeitsstudien des Planungsverbands zu Radschnellwegen in der Region zu beteiligen.

Vergeblich appellierte der Puchheimer Bürgermeister Norbert Seidl an die Ausschussmitglieder, doch dieses Mal die einmalige Chance zu nutzen und auf den Zug aufzuspringen. Laut dem SPD-Politiker hätte der Korridor von Aubing über Puchheim, Eichenau und Emmering in die Kreisstadt ein "gewaltiges Potenzial". Mit einem solchen "Leuchtturmprojekt" ließen sich alternative Fortbewegungsmöglichkeiten fördern und zudem eine Lücke im Fahrradwegenetz zwischen Puchheim und Fürstenfeldbruck schließen. Der Bedarf sei akzeptiert und erkannt. Seidl forderte, den "großen Wurf" zu denken und zu bedenken, welche Folgen der Ausbau des Böhmerweihers zu einem Erholungsgelände und die Expansion von München mit dem Neubaugebiet Freiham für den Landkreis hätten. Deshalb gehe es schon lange nicht mehr um das Ob solcher Fahrradautobahn, sondern nur noch um den Zeitpunkt.

Die Mehrheit von CSU und FW sprach sich mit Landrat Thomas Karmasin (CSU) trotzdem gegen die Empfehlung der Verwaltung aus, mit der Prüfung dieses Korridors zur Entwicklung einer "zukunftsfähigen" Radinfrastruktur im Landkreis beizutragen. Laut Karmasin kommt das Angebot aus München zu früh, er plädierte deshalb dafür, die Machbarkeitsstudie zurückzustellen. Bis zum Sommer sei das möglich, ohne Folgen für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Landrat verhehlte jedoch nicht, dass er persönlich von Fahrradschnellwegen überhaupt nichts hält. Mit dem Hinweis, er wolle seine Meinung nicht der Verwaltung aufzwingen, begründete der Landrat die davon abweichende Darstellung der Verwaltung. Postwendend kündigte Seidl an, dass die SPD-Kreistagsfraktion umgehend einen entsprechenden Antrag stellen werde.

Mit seiner generellen Ablehnung stand Karmasin alleine da. Die Kreisräte, die mit ihm stimmten, setzten aber andere Prioritäten. Ihnen ging es vor allem um den Zeitpunkt und um die Vorgehensweise. Priorität hat für einige der Kreisräte das neue Radwegekonzept für den Landkreis, das zurzeit erarbeitet wird, um vor allem die Belange von Alltagsradlern zu berücksichtigen. Dieter Rubenbauer (CSU) setzte die Errichtung von Radschnellwegen dem Bau einer neuen Straße gleich, was ein Raumordnungsverfahren voraussetzt. Josef Wörle (CSU) wollte vor einer Machbarkeitsstudie klären lassen, ob die benötigten Grundstücke überhaupt zur Verfügung stehen.

Hans Merkl (Grüne) riet dazu, das Angebot von München anzunehmen. Planen der Landkreis und München nämlich getrennt, könnten Lücken im Netz entstehen.