Wochen der Besinnung Fasten und gute Taten

Für die Muslime im Landkreis beginnt an diesem Mittwoch der Ramadan

Von Ingrid Hügenell, Fürstenfeldbruck

In den vier Wochen des Ramadan nimmt Husam Salama immer etwa sieben bis acht Kilo ab. Andere nähmen eher zu, erklärt der Arzt, der in Palästina geboren wurde und in Tel Aviv studiert hat. Dann nämlich, wenn sie beim nächtlichen Essen zu ausgiebig schlemmen. Salama hat vor zwei Jahren die Al Nur-Moschee in Fürstenfeldbruck mitgegründet. Dort wird an den Wochenenden des Ramadan abends gemeinschaftlich gegessen und gebetet. Das nennt man Iftar. Das dreitägige Fest am Ende des Ramadan ist das Fastenbrechen, Türkisch Bayram.

Das Fasten ist das, was äußerlich am meisten sichtbar wird. Eigentlich diene der Ramadan aber auch der inneren Einkehr, der Besinnung auf das, was wichtig sei, sagt Salama. Und man solle nachts nicht zu viel essen. Gläubige Muslime sollten im Ramadan viel Zeit mit der Familie verbringen, Kranke besuchen, für arme Menschen spenden, Streitigkeiten beenden - und viel beten. "Man sollte sich auf seine Seele konzentrieren", sagt Salama. Für gute Taten, die man im Ramadan tue, bekomme man von Allah eine besonders große Belohnung.

Wann der islamische Fastenmonat stattfindet, ist vom Mond abhängig. Deshalb bewegt sich der Fastenmonat durchs Jahr. Er beginnt, wenn die erste Mondsichel des Neumonds zu sehen ist und endet, wenn etwa 28 Tage später die Sichel des nächsten Neumonds erstmals am Himmel steht. Gläubige Muslime essen und trinken dann tagsüber nicht, sie rauchen auch nicht und haben keinen Sex.

Gefastet wird zwischen Sonnenauf- und -untergang. Das führt im Sommer in nördlicheren Breiten zu sehr langen Fastentagen. Es gibt aber, wie Salama erklärt, eine praktische Lösung: Muslime, die an Orten leben, an denen die Sonne kaum untergeht, können sich an der Tageslänge von Mekka orientieren.

Wer die Pubertät erreicht hat, soll nach dem Koran fasten. Ausgenommen sind Frauen, die schwanger sind, stillen oder ihre Tage haben. Wer alt oder krank ist, sich auf Reisen befindet und wer schwer arbeitet, ist ebenfalls vom Fastengebot befreit. Er muss Salama zufolge das Fasten nachholen, wenn die Hinderungsgründe entfallen sind, und zudem jeden Tag zwei Personen mit der Iftar-Mahlzeit versorgen. Dazu könne man Geld geben oder auch selbst kochen.

Zum Fastenbrechen kommen Salama zufolge an den Wochenenden viele Menschen in die Al Nur-Moschee, um die 200 waren es im vorigen Jahr. Willkommen seien alle, "sunnitisch oder schiitisch, das macht für uns keinen Unterschied." Für einen Abend im Juni will er auch die Pfarrer einladen, die der Moschee verbunden sind, ebenso Politiker und Menschen, die beispielsweise Flüchtlingen helfen. Auch die Flüchtlinge selbst sind natürlich in der Moschee willkommen. Sie werden, sofern sie kein eigenes Auto haben, bei ihren Unterkünften abgeholt. "Sie sollen das Gefühl haben, dass sich jemand um sie kümmert", erklärt Salama.

Anders als früher fasteten auch immer mehr junge Leute, sagt er. Das kann zu Problemen in der Schule führen. Gundula Socher, stellvertretende Leiterin der Ferdinand-von-Miller-Realschulen Fürstenfeldbruck, hat das an ihrer früheren Schule in Dachau erlebt. Fastende Schüler seien in der Schule sogar umgefallen, vor allem, wenn sie an sehr heißen Tagen nichts getrunken hatten. Socher berichtet auch von muslimischen Schülern, die während der Abschlussprüfungen nicht fasteten. "Die haben gesagt, die Schule geht vor." Salama wertet Schule und Prüfungen als Arbeit, die vom Fasten entbindet. In diesem Jahr erwartet Socher keine schulischen Probleme. Denn ein Großteil des Ramadan fällt heuer in die Pfingstferien.