Wasser in der Bibliothek Bücher mit Wellen

Seit der Nassreinigung des Teppichbodens in der Olchinger Bibliothek beschäftigt ein Wasserschaden die Gemeinde.

Erich C. Setzwein

Noch nicht abzusehen sind die Folgen eines durchaus als kurios anzusehender Wasserschadens in der Olchinger Bücherei, der zur zeitweiligen Schließung der gemeindlichen Einrichtung geführt hatte. Erst Anfang dieser Woche konnte Bibliotheksleiter Matthias Wagner die Türen wieder öffnen, nachdem in der vergangenen Woche die völlig durchfeuchteten Räume durch den Einsatz von drei große Spezialmaschinen getrocknet worden waren. Gut 240 Liter Wasser, so viel wie drei volle Badewannen, wurden laut Wagner aus dem Inventar und den Büchern "regelrecht herauskondensiert". Die Folgen sind allerdings immer noch sichtbar, auch wenn es sich nach Wagners Worten schon gebessert hat: Die Seiten fast aller Bücher haben sich gewellt. Die Ursache könne bislang nur vermutet werden, wie Bürgermeister Andreas Magg sagte. Fest steht, dass es kein Wasserrohrbruch gewesen ist und "auch alle anderen Gründe auszuschließen sind". Deshalb geht Magg davon aus, dass der Schaden im Zusammenhang mit der Generalreinigung steht.

Bibliotheksleiter Matthias Wagner zeigt ein Buch, dem die Feuchtigkeit zugesetzt hat.

(Foto: Johannes Simon)

Einmal im Jahr lässt die Stadt Olching ihre Bücherei, den Flachbau an der Schwojerstraße, gründlich reinigen. Der Teppichboden wird dabei nass behandelt. Das passierte heuer am Samstag, 24. August. Ob dabei etwas schief ging, ist noch nicht restlich geklärt. Jedenfalls kam der seit einem halben Jahr in Olching beschäftigte Mattias Wagner am Montag danach an seinen Arbeitsplatz und stellte eine dampfige Atmosphäre in der 370 Quadratmeter großen Bücherei fest. Erst nachdem er die Fenster geöffnet hatte, habe er festgestellt, dass die Bücher anders aussahen als sonst. Nicht nur die großformatigen Bildbände hatten wellige Seiten, auch vom Format her deutlich kleinere Wanderführer waren betroffen. Wagner vermutete zunächst den Wetterumschwung vom Wochenende als Ursache und alarmierte den amtierenden Bürgermeister Robert Meier. Als Feuerwehrmann ist Meier mit Katastrophen aller Art vertraut und lässt umgehend eine Spezialfirma mit Trocknungsgeräten anrücken. Denn der fast eine halbe Million Euro teure Bücherbestand muss sofort gerettet werden. Den Rest der Woche muss Wagner die Bücherei schließen, es wird gelüftet, die Heizung läuft und die Geräte ziehen Wasser aus Luft, Boden, Wänden, Büchern.

Jetzt hat er wieder geöffnet und die ersten Bücherliebhaber kommen vorbei: "Die Nutzer bedauern uns", sagt Wagner, der sich seit Tagen in ganz Deutschland, wie er sagt, nach einem Experten umschaut, der den Schaden begutachten kann. Doch bislang nur Fehlanzeige. Es gebe anscheinend niemanden, der den Wert von gebrauchten Büchern beziffern könne. Unklar ist auch noch, ob die Feuchtigkeit den elektronischen Geräten geschaden haben könnte. Magg: "Für uns stellt sich nun die Frage, wie sich die Bücher weiter verhalten." Auch für die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen sei die Situation neu gewesen, sagte Magg, es könne sein, dass der Olchinger Fall der erste seiner Art sei.