Verkehr Marode Brücken über die Bahn

Streusalz hat die Betonpfeiler der Autobrücke über die Bahnlinie angegriffen. Ein Gutachter hält deshalb den Austausch der Stützen für notwendig.

(Foto: Johannes Simon)

Die in Gernlinden in den Siebzigerjahren gebauten Übergänge sind vom Salz zerfressen. Voraussichtlich im Jahr 2020 sollen beide saniert werden - ohne dass die Ortsteile voneinander abgehängt werden

Von Ariane Lindenbach, Gernlinden

Ein Dreivierteljahr. Das wird in etwa der Zeitraum sein, für den die Gernlindner nach jetzigem Stand ohne eine zentrale Überführung über die Bahnlinie auskommen müssen. Denn die beiden vorhandenen Brücken, die für Kraftfahrzeuge in der Merianstraße sowie die Fußgänger- und Fahrradbrücke beim S-Bahnhof, sind stark beschädigt. Sie müssen zumindest in Teilen erneuert werden, was voraussichtlich mindestens neun Monate dauern wird, wie ein Fachmann den Gemeinderäten erläuterte. Die gute Nachricht ist: Bis gebaut wird, dauert es noch mindestens bis 2020. Darüber hinaus sollen die Planer überlegen, wie die Arbeiten gestaltet werden könnten, ohne die Ortschaft in einen Nord- und einen Südteil zu teilen.

Dass die beiden Brücken stark sanierungsbedürftig sind, ist dem Gemeinderat längst bekannt. Ihr Zustand wurde bei den routinemäßigen Brückenprüfungen entdeckt. Die Frage ist nun, wie man bei der Sanierung am klügsten vorgeht. Hierfür hatte der Gemeinderat einen Experten in die jüngste Sitzung eingeladen, der dem Gremium verschiedene Varianten der Erneuerung vorstellte, aber auch allgemeine Erläuterungen zu so einem nicht gerade gewöhnlichen Bauvorhaben parat hatte. Volker Wegel vom gleichnamigen Ingenieurbüro erläuterte den Gemeinderäten unter anderem, dass die Brücke an der Merianstraße nach seiner Ansicht keine Grunderneuerung benötigt, sondern lediglich die vom Streusalz zerfressenen Träger ausgetauscht werden sollten. Eine Grunderneuerung sei unnötig, mindestens doppelt so teuer und: "ich sehe den Vorteil für die Gemeinde nicht".

Für eine Variante entscheiden mussten sich die Gemeinderäte in der Sitzung noch nicht, da die Bauarbeiten frühestens 2020 beginnen können. Für die Maßnahme muss eine Zeitlang der Bahnverkehr der ICE-Strecke München-Augsburg über Ingolstadt geführt werden. Für diese Umleitung benötige die Bahn zwei bis drei Jahre Vorlauf, erläuterte Wegel. Deswegen kann die Gemeinde auch nicht einfach bestimmen, wann gebaut wird. "Die Bahn gibt uns vor, wann wir arbeiten", betonte der Planer. Und verdeutlichte, an was das Gremium ohnehin schon gedacht hatte: dass beide Brücken gleichzeitig saniert werden sollten.

"Gernlinden ohne Brücken, das wäre der Tod", betonte Bürgermeister Hans Seidl (CSU). Er gab Wegel mit auf den Weg, eine Behelfsbrücke und eine Unterführung als Alternativen durchzurechnen. Beides könnte vor oder zumindest zu Beginn der Bauarbeiten errichtet werden und würde wenigstens für Fußgänger und Radler eine Verbindung zwischen den beiden Teilen von Gernlinden schaffen. Eine Unterführung hätte zudem den Vorteil, dass dort im Winter nur wenig Streusalz verwendet werden muss. Denn ein Grund für den Zerfall der in den Siebzigerjahren entstandenen Brücken ist das im Streusalz enthaltene Chlorid; es zerfrisst den Beton. Wegel nannte die Chloridwerte "jenseits von Gut und Böse". Eine andere Alternative zum Vermeiden von Streusalz, die der Planer durchrechnen soll, ist eine Heizung für die Brücke. "Wir müssen auf eine Lösung kommen, wo wir langfristig möglichst wenig Unterhaltskosten haben", unterstrich der Bürgermeister.

Aufwendig wird an der Maßnahme außerdem, dass man je nach Variante ein oder sogar zwei Spezialkräne benötigt. Die kosten nach Angaben von Wegel sieben bis acht Millionen Euro. Hinzu kommen etwa 300 000 Euro für die Bauaufsicht der Bahn, welche die Baustelle überwacht und absichert, wenn die Strecke für den Zugverkehr gesperrt wird. Natürlich dauert diese Sperrung keine neun Monate, sie erfolgt immer nur in den Nächten an den Wochenenden. Wirklich laute Arbeiten wird man dem Ingenieur zufolge aber - soweit es möglich ist - tagsüber erledigen. Konkrete Gesamtkosten wurden in der Sitzung nicht genannt. Dazu muss sich der Gemeinderat erst einmal für eine Variante entscheiden. Doch dafür haben die Politiker ja noch ein bisschen Zeit.