Veranstaltungsforum Fürstenfeld Minibahn im Handgepäck

Bei den Modellbautagen wird das ehemalige Klostergelände am Wochenende wieder zur Spielwiese für 3000 Besucher. Konrad Stigelloher ist einer von ihnen. Befällt ihn der Eisenbahn-Virus, lässt er in seinem Reisekoffer einen kleinen Zug fahren

Von Linda Zahlhaas, Füstenfeldbruck

Der Fantasie und Kreativität im Modellbau sind keine Grenzen gesetzt. Das haben die Modellbautage im Veranstaltungsforum Fürstenfeld am Samstag und Sonntag gezeigt: Ferngesteuerte Flugzeuge, Panzer, Lego-Städte und selbstgemachte Sciene-Fiction-Kostüme lockten etwa 3000 Besucher in die Tenne.

"Wenn der Eisenbahn-Virus einen gepackt hat, dann lässt einen dieses Hobby nicht mehr los!", erzählt Konrad Stigelloher, stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahnfreunde München-Land, und zeigt auf den Reisekoffer, in dem eine kleine Bahn ihre Runden um ein bayerisches Bergdorf zieht. Bis ins kleinste Detail bastelte Alois Forstner 15 Monate an dem Mikrokosmos im Inneren. Eine Styroporplatte am Boden des Koffers diente ihm als Grundlage für die Geländeveränderungen. Weitere Berge und Hügel formte er mit Modellbaumasse und stellte Bäume, Häuser, Autos und menschlichen Figuren im Miniformat darauf. "Wenn der Virus zuschlägt, dann hole ich einfach einen Koffer unter dem Bett hervor", sagt Stigelloher begeistert. Der "Virus" wie Stigelloher seine Leidenschaft nennt, infizierte ihn bereits vor vierzig Jahren. Damals bastelte er gemeinsam mit seinem Vater an analog gesteuerten Bahnanlagen. Heute funktionieren die meisten Bahnen digital. So können sich mehrere Züge auf gleicher Fläche bewegen und es ermöglicht Spielereien wie Soundsysteme und Lichter.

Auch auf dem Zug im Reisekoffer ist eine kleine Kamera montiert, die aus Bahnfahrer-Perspektive die Fahrt filmt und auf einen Monitor neben dem Koffer überträgt. Dagegen arbeitet Michael Erbl ganz klassisch an seinem Flugzeug-Standmodell: Der 25-Jährige klebt mit einer Pinzette die Instrumentenanzeigen auf das Instrumentenbrett eines englischen Zweisitzers aus dem Ersten Weltkrieg. Die Millimeterarbeit erfordert eine ruhige Hand und Gefühl. Mit Hilfe von Lupe, Skalpell und Pinzette geht er dabei genau nach der Anleitung des Modellbausets vor.

Mit Legosteinen lässt sich alles nachbauen, auch eine oberbayerische Dorfkirche mit einem Kreuz auf dem Turm.

(Foto: Günther Reger)

Erbl ist ein Flugzeug-Fan und wollte früher Pilot werden. Das habe wegen seiner Sehschwäche aber nicht geklappt. "Jetzt baue ich die Flugzeuge, die ich gerne fliegen würde, aber nie fliegen werde, eben im Modell", erzählt Erbl. Der Modellbau habe Nachwuchsschwierigkeiten, erklärt er. Im Vergleich zu früher habe sich einiges geändert: Computerspiele, Smartphones, Apps und die Sozialen Medien für Kinder und Jugendliche machten dem traditionellen Modellbau Konkurrenz. Unter den Besuchern fachsimpeln überwiegend ältere Männer über ihre neuesten Modelle, fragen nach Details zu den Fahr- und Flugzeugen und stöbern durch die 300 Stände.

Auf eine Entdeckungsfahrt über das Gelände des Klosters und Veranstaltungsforums Fürstenfeld begibt sich dieser Besucher der Modellbautage.

(Foto: Günther Reger)

Doch man kann auch Computerspiele und Legobauen verbinden: Im Lego-Spielbereich für Kinder basteln die beiden neunjährigen Jungen Luis und Simon gerade an einem Minecraft-Monster. Minecraft kennen sie eigentlich als Computerspiel, in dem man seine eigene 3-D-Welt und dessen Kreaturen in würfelförmigen Blöcken am Computer baut. Diese Wesen nicht nur am Computer, sondern auch mit echten Lego-Steinen zu bauen, finden die beiden "super cool!". Auch der vierzehnjährige Jonas Nebl hat gerade einen halben Meter hohen Creeper, ein weiteres grünes Monster von Minecraft, fertiggestellt. Jonas macht am Stand von Bricking Bavaria mit, einem Lego-Verein, der in der Tenne eine ganze Lego-Stadtlandschaft ausstellt. Für diese hat Jonas die Kirche beigesteuert. "Die Faszination an Lego ist, dass man einerseits detailliert und realistisch bauen kann, aber auch schnell mit wenigen Steinen etwas steht", erklärt er.

Ebenfalls fasziniert tummeln sich junge und alte Science-Fiction Fans am Stand der German Garrison, dem deutschen Ableger der 501st Legion, einem der größten Star- Wars- Kostümklubs. Aus Kunststoff-Materialien bauen die Mitglieder ihre an die Filme angelehnten Kostüme.