Tierquälerei Dokumentation der Verfehlungen auf dem Brucker Schlachthof

Die Metzger des Schlachthofes sollen seit Jahren immer wieder gegen den Tierschutz verstoßen haben

(Foto: Soko Tierschutz/oh)
  • Im Zuge des Schlachthof-Skandals hat das Landratsamt Fürstenfeldbruck eine Liste von Verstößen gegen das Tierschutzrecht zusammengetragen. Sie reicht bis ins Jahr 2012 zurück.
  • Der Schlachthof in Fürstenfeldbruck wurde Anfang Mai geschlossen, nachdem die Soko Tierschutz mit Videomaterial Vorwürfe der Tierquälerei erhoben hatte.
Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Im Brucker Schlachthof gab es schon früher Probleme bei der Betäubung von Tieren, ihrer Unterbringung und Versorgung. Das zeigen die Mängellisten aus dem Landratsamt Fürstenfeldbruck, die bis 2012 zurückreichen. Betäubungsgeräte waren nicht richtig gewartet, Elektroden abgenutzt, eine Betäubungszange "hochgradig verschmutzt". Auch Fälle von fehlerhafter Betäubung sind dokumentiert. So waren die Ansatzpunkte der Zange nicht korrekt oder Elektroden nicht richtig positioniert. Die Zeit zwischen Betäubung und Entblutung wurde bei zwei Rindern überschritten, Schweine waren zu stark mit Wasser benetzt.

Alle diese Punkte können dazu führen, dass die Betäubung nicht ausreichend tief ist. Dabei gilt, dass Menschen Fehler machen können. "Um das Risiko für Fehlbetäubungen aber so gering wie möglich zu halten, müssen die Geräte auf jeden Fall in einwandfreiem Zustand sein. Wenn diese schon nicht in gutem Zustand sind, ist es nicht verwunderlich, wenn die Tiere schlecht betäubt sind", erläutert Tierärztin Kathrin Zvonek von der Akademie für Tierschutz des Tierschutzbundes.

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Immer wieder wurde bemängelt, dass Tränkeboxen defekt oder verdreckt waren, in einem Fall mit Kot verschmutzt. Außerdem war zu wenig Wasser in Behältern und etwa die Tränke für Schafe zu hoch angebracht. 2014 registrierte das Veterinäramt einen Fall, in dem ein Mitarbeiter den Schwanz eines Rind verdreht, was höllische Schmerzen verursacht und verboten ist, sowie den Einsatz eines Elektrotreibers bei einem Rind aus Mutterkuhhaltung. Im November 2016 meldete der amtliche Tierarzt, eine Schweinebox sei mit zwölf statt zehn Tieren überbelegt. "Der Betriebsleiter wurde entsprechend belehrt", heißt es.

Diese dokumentierten Mängel betreffen Aspekte, die auch von der Soko Tierschutz kritisiert werden. Aufgeführt ist in den Unterlagen außerdem, dass Mitarbeiter des Schlachthofs immer wieder belehrt und geschult worden seien. Die baulichen Mängel an der Entladerampe und den Wartebuchten sind demnach Anfang November 2016 festgestellt und Abhilfe bis Mitte 2017 "angemahnt" worden. Am 27. April 2017 soll der amtliche Tierarzt erneut auf die Umbauten hingewiesen haben.

Nicht auf das Konto des Schlachthofes gehen hingegen Verletzungen bei angelieferten Tieren, die in den Listen ebenfalls beschrieben sind, darunter ein Mastschwein mit hochgradigem Nabelbruch und ein Rind mit eingewachsener Hornspitze sowie eine tragende Kuh. Die Tiere stammten angeblich alle nicht von Bauern aus dem Landkreis. Für die Zeit vor 2012 existieren keine Mängellisten. Die Unterlagen für die Jahre 1997 bis 2007 dürften bereits im Reißwolf gelandet sein, weil die Aufbewahrungsfrist von zehn Jahren abgelaufen ist. Die Akten bis 2007 liegen im Archiv, erklärte Ines Roellecke, die Pressesprecherin des Landratsamts. Die Angaben aus den Jahren 2012 bis 2015 stammen von dem amtlichen Tierarzt eines privaten Unternehmens, das vom Landratsamt mit den Kontrollen beauftragt wurde. Die Mängel aus dem Jahr 2014 hat das Veterinäramt festgestellt. 2012 und 2013 hat die Behörde selbst keine eigenen tierschutzrechtlichen Kontrollen vorgenommen.

Strafverfahren gegen Geschäftsführer und Mitarbeiter

Die Auflistung aus dem Jahr 2016 bis April 2017 stammt aus der Antwort, die die Hygiene- und Prüf GmbH auf Nachfragen des Landratsamts vom 11. Mai 2017 gegeben hat, nachdem die Soko Tierschutz Videoaufnahmen veröffentlicht hatte, in denen Verstöße gegen den Tierschutz zu sehen sind. Aus der Antwort der Firma geht hervor, dass der amtliche Tierarzt bei den Schlachttagen stets anwesend war. Verstöße gegen die Verpflichtung, die Betäubung zu überprüfen, seien nicht festgestellt worden, heißt es weiter.

Tierschützer hingegen monieren aufgrund des Filmmaterials, dass sich Metzger nicht darum gekümmert hätten, wenn die Tiere sich so bewegten, als sei die Betäubung nicht ausreichend. Zu den Videoaufnahmen hat das Landratsamt die Hygiene- und Prüf GmbH nicht befragt. "Das ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, die können das besser", sagt Pressesprecherin Roellecke.

Der Geschäftsführer des Schlachthofes wollte sich zu dem Inhalt der Filme auch nicht äußern, weil ein Strafverfahren gegen ihn und vier andere Mitarbeiter läuft. "Außerdem haben wir bisher nur zusammengeschnittene und verpixelte Bilder im Internet gesehen", erklärt Keil. Zu den tierschutz- und baurechtlichen Mängeln von 2016 und 2017 meint der ÖDP-Kreisrat, das klinge alles "hochdramatisch". In Wirklichkeit seien "offene Bohrlöcher oder gesprungene Fliesen" bemängelt worden. "Solche Kleinigkeiten wurden natürlich sofort behoben."

Was die Überdachung des Abladebereichs betrifft, so sei diese bereits im Rohbau fertig, außerdem müssen die Metallabtrennungen der Wartebuchten mit schall- und sichtschützenden Plastikplatten verkleidet werden. "Jeder realistisch denkender Mensch wird bei Besichtigung unserer Einrichtung erkennen, dass bauliche Mängel bisher die Tiere nicht geschädigt haben", erklärt Keil. "Wir waren aber all die vergangenen Jahre bemüht, unsere Einrichtung immer wieder zu optimieren, so passiert das auch mit den derzeitigen Anregungen."

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