Kandidat für den Tassilo 2018 Anpacken und durchziehen

Kulturveranstalter, Gastronom, Herausgeber, ehemaliger Politiker, alles mit großem Erfolg: Thomas Breitenfellner hat mit seinen 35 Jahren schon einiges erreicht.

(Foto: Carmen Voxbrunner)
  • Thomas Breitenfellner wurde mit einem Tassilo-Förderpreis ausgezeichnet.
  • Der Preis ist mit 500 Euro dotiert.
Von Florian J. Haamann, Gröbenzell

Es sind die kleinen Dinge, die bei Thomas Breitenfellner auf Unverständnis stoßen. Etwa, dass er immer noch keinen Plakatkasten in der Bahnunterführung bekommen hat. "Das wird von der Verwaltung abgelehnt mit der Begründung: Wir sind ja kommerziell." Kommerziell bedeutet im Fall von Breitenfellners Kulturhaus "Stockwerk" allerdings nur, dass es keine Zuschüsse aus öffentlicher Hand bekommt und der Veranstaltungsbetrieb sich rein über die Verkäufe von Eintrittskarten finanziert.

In Zeiten, in denen ähnliche Veranstaltungsorte jährlich mit Millionenbeträgen subventioniert werden, eine beachtenswerte Leistung. Zumal Gröbenzell anders als Fürstenfeldbruck, Germering und Puchheim selbst kein Kulturhaus betreibt. Weil das aus Breitenfellners Privatinitiative entstandene Stockwerk sich seit seiner Gründung 2007 zu einem der wichtigsten Veranstaltungsorte des Landkreises entwickelt hat, ist es nun mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet worden.

"Ein bisschen fehlt mir schon die Anerkennung durch die Kommune. Wenn ich irgendwo anders hingehe und sage: Hey, ich mache euch ein Kulturprogramm mit 40 bis 50 hochwertigen Veranstaltungen im Jahr und das Ganze kostet euch überhaupt nichts und einen Raum brauchen wir auch nicht. Dann fragt man doch nur, wo ist der Haken?", sagt Breitenfellner. Doch den Haken gibt es bei seinem Konzept nicht. Die Karten kosten nicht mehr als in vergleichbaren Häusern, das Programm ist ähnlich, die Zahl der Termine auch. Möglich ist das, weil Christian Stock, Besitzer des Mietbüro-Komplexes "Stockwerk", Breitenfellner den Raum kostenfrei zur Verfügung stellt. Nur die Neben- und Technikkosten muss Breitenfellner zahlen.

Einen Vorteil gegenüber großen Stadthallen sieht der 35-Jährige auch in der schlanken Verwaltung. Er muss keine Rechenschaft ablegen gegenüber der öffentlichen Hand, keine Berichte schreiben, sich nicht um Bürokratie kümmern. Für die Büroarbeit hat er eine Halbtagsstelle, den Rest macht er selbst. Auch an den Veranstaltungsabenden packt er an, ist bei jedem Termin da. "Letzten Freitag habe ich noch beim Abbau geholfen. Als ich nach Hause gekommen bin, war es drei Uhr", nennt er ein Beispiel. Am Ende ist es wahrscheinlich diese Leidenschaft, das Feuer, mit dem Breitenfellner sein Projekt voran treibt, die für den Erfolg verantwortlich ist. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Seit der ersten Veranstaltung 2007, damals noch im Freizeitheim, haben 100 000 Interessierte seine Veranstaltungen besucht.

Angefangen hat alles damit, dass Breitenfellner 2005 mit der Idee einer Musiknacht an den Bürgermeister herangetreten ist. "Der hat gesagt, die Idee ist gut, aber machen kann das die Gemeinde nicht." Also hat der damals 22-Jährige das komplette Projekt selbst und auf eigene Verantwortung gestemmt. Die Musiknacht war ein Erfolg und hat sich zu einer bis heute jährlich wiederkehrenden Veranstaltung entwickelt. Einfach zu machen, wo andere Bedenken haben, damit hat Breitenfellner schon früh begonnen. Als 13-Jähriger habe er angefangen, Fan-Fahrten zu Spielen des FC Bayern zu organisieren. Highlight sei eine Fahrt zum UEFA-Pokal-Spiel 1996 in Barcelona gewesen. Schriftlich habe er dem Busunternehmen den Auftrag erteilt, nach seinem Alter hat keiner gefragt. Erst die Busfahrer haben bei der geplanten Abfahrt besorgt geschaut. "Aber ich habe gesagt, kein Problem, hier sind die 6000 Mark, die ausgemacht waren, wir müssen noch schnell die Getränke einladen und dann kann's losgehen."

Mit dieser anpackenden Art ist Breitenfellner schnell in der Politik gelandet, hat in der Jungen Union Karriere gemacht, war Bürgermeisterkandidat. Doch sein event-orientierter Stil und seine klare Haltung sind nicht bei jedem in der Partei gut angekommen. Im vergangnen Jahr hat er seine Politikerkarriere dann beendet - um sich mit voller Kraft seinen anderen Projekten widmen zu können. "Ich glaube, die Kultur ist einfach beständiger und reflektierter als Politik", sagt er heute. Doch der 35-Jährige organisiert nicht nur das Kulturprogramm, sondern gibt mit seiner Agentur "Breitenfellner Kommunikation" auch das vierteljährlich erscheinende Landkreismagazin "Gustl" heraus. Und seit Anfang 2016 betreibt er in Eichenau noch erfolgreich ein eigenes Restaurant, das "Flori".

Diese Vielseitigkeit wirkt sich auch auf die Kultur im Stockwerk aus. Denn Breitenfellner hat kein kulturelles Studium absolviert oder einen sonstigen ausgeprägten Background. "Ich war zwar in der Schule ganz gut in Musik, aber ich weiß nicht, ob ich heute überhaupt noch Noten lesen könnte. Und an ein Instrument sollte man mich besser auch nicht lassen", sagt er und lacht. Aber vielleicht, ergänzt er, sei genau das der Vorteil. "Ich glaube, dass ich dadurch ein Programm machen kann, das der Masse gefällt. Weil ich eben auf einem Level mit meinem Publikum bin."

Denn darauf, dass seine Veranstaltungen möglichst ausverkauft sind, muss Breitenfellner durchaus achten. Meistens gelingt das, das Stockwerk hat eine hohe Auslastung. Denn jeder Euro, den die Veranstaltungen Verlust machen, muss Breitenfellner aus der eigenen Tasche bezahlen. Oft ist er froh, wenn am Ende des Abends eine schwarze Null steht. Viel Profit jedenfalls, das wird schnell klar, lässt sich selbst als "kommerzieller" Kulturveranstalter nicht machen.