Augustinermönch von Markt Indersdorf Von der Notlüge zum Wunder

Der selige Marold half der Legende nach im 12. Jahrhundert armen Menschen, indem er ihnen Essen aus dem Kloster brachte. Dabei wurde er ertappt und bekam doch die Unterstützung des Abts.

Von Sonja Siegmund, Markt Indersdorf

Am Waldrand nahe der Kreisstraße zwischen Indersdorf und Straßbach erinnert ein Marterl an den seligen Bruder Maroldus. Ein Ölbild zeigt zwei Ordensleute im unterschiedlichen Habit und daneben einen Laienbruder, der betend vor einem Bildstock kniet. Bekrönt wird das Gemälde von der Patrona Bavariae, die Schutzheilige Bayerns und des Augustinerklosters Indersdorf. Darunter ist zu lesen: "Hier starb im Jahr 1172 der selige Marold, auf den Knien vor dem Bild des Gekreuzigten, ein Vorbild der Geduld und barmherzigen Liebe." Zuweilen liegen frische Blumen vor dem Marterl dieses Laienbruders, der bis heute in Indersdorf verehrt wird. Daneben lädt eine Bank Spaziergänger oder Radfahrer zum Verweilen und zum Nachdenken über Marolds wundersames Leben ein.

Nach der Chronik des Chorherren Georgius Penzl von 1745 wird ein frommer Laienbruder mit Namen Marold kurz nach der Gründung des Chorherrenstifts aufgeführt. In der Penzl-Chronik heißt es, dass um das Jahr 1172 "Marholdus, treu in seiner Lebensführung und standhaft im Gehorsam gegen die Ordensregeln war und in aller Demut die Werke der Barmherzigkeit für die Armen Christi ausgeübt hat". Vierzig Jahre lang versah Marold mit großem Eifer, heiliger Einfalt und inniger Andacht seinen Dienst. Als Cellerar hatte er die Aufgabe, für Küche und Keller des Klosters sowie für einen Gutshof in Straßbach zu sorgen. Unterwegs ruhte er immer an einem Bildstock mit dem gekreuzigten Christus zum Gebet aus.

Ein Bild des frommen Augustinermönchs Marold ist in der Klosterkirche von Markt Indersdorf zu sehen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Aus den Klosterurkunden ist überliefert, dass es in Straßbach seit der Besiedelung des Augustinerklosters 1126 einen Meierhof gab, in dem eine Pilgerherberge und ein Siechenhaus für alte und kranke Menschen untergebracht waren. Marold, durch den beklagenswerten Zustand der Kranken gerührt, sammelte für diese Menschen Reste von Brot und Wein, die im Kloster übrig geblieben waren und Speisen, die er sich selbst vom Mund abgespart hatte.

Diese fromme Gewohnheit erregte indes den Argwohn übelwollender Ordensbrüder, die wegen Marolds großer Freigebigkeit Schaden für das Stift befürchteten. Deshalb schwärzten sie ihren Mitbruder beim Propst an. Dieser wollte sich selbst von der Wahrheit überzeugen. Als sich Marold wieder auf dem Weg nach Straßbach befand, überraschte ihn Propst Heinrich und fragte nach dem Inhalt des Korbes. Der völlig verängstigte Laienbruder erwiderte, dass er nur eine Flasche mit Lauge zum Reinigen der Kranken und dazu Späne zum Erwärmen dieser Lauge mit sich trage.

Als der Propst nachsah, fand er, wie Marold beteuert hatte, nur Späne und Lauge nebeneinander verpackt im Korb vor. Das erstaunte ihn sehr, glaubte Heinrich doch, Brot und Wein vorzufinden. Marold erschrak darüber noch mehr, sodass er seine Verfehlung eingestand, die er für die Kranken und Armen begangen hatte. Propst Heinrich hatte nun mit eigenen Augen gesehen, dass der Laienbruder durch ein Wunder von Gott gesegnet worden war. Aufgrund dessen ließ er Marold gewähren und erlaubte ihm seine guten Taten. So wurde aus einer Notlüge ein Wunder. Solche mit Nahrungsmitteln verbundene Wunder waren im Mittelalter verbreitet, beispielsweise bei der Heiligen Elisabeth von Thüringen oder Notburga von Eben.

Ein Marterl erinnert an den seligen Bruder Maroldus von Markt Indersdorf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein zweites Wunder um den seligen Marold hat sich der Legende nach im Jahre 1172 nahe Straßbach ereignet. Plötzlich starb der Laienbruder während des Gebets vor der Bildsäule des gekreuzigten Christus und verblieb so, wie ihn der Tod überrascht hat. In diesem Augenblick erklangen alle Glocken im Kloster Indersdorf wie von selbst. Das Läuten endete erst, als seine Mitbrüder den toten Marold gefunden hatten, kniend und mit erhobenen Händen. Sie trugen den Leichnam in feierlicher Prozession in die Klosterkirche und bestatteten ihn vor dem Augustinus-Altar in einem Hochgrab, zu dem bis ins 18. Jahrhundert eine Wallfahrt bestand.

Propst Gelasius Morhardt schreibt 1762 in seiner Chronik über Maroldus: "Bey dessen etwas erhöhten Grab ware viel Jahr ein großer Zulauff des Volcks, welches auch viele Votiv-Tafle aufhängete, welche aber alle auf einsmahligen Befehl des Ordinarii hinweg genohmen, und das Grab dem übrigen Kirchen-Pflaster gleich gemacht wurde, dass man also dermahlen eben so wenig mit Gewißheit sagen kan, wo seine Grabstatt seye, als wenig man wissen kan, wo vor 600 Jahren in der vorigen alten Kirche der Altar S. Augustini gestanden seye."

Der selige Marold ist bis heute in der Marktgemeinde präsent. Die Straße vom Marienplatz am Kloster bis hin zum Klinikum Indersdorf wurde ihm gewidmet. In der Klosterkirche ist der Laienbruder kniend vor einem Kruzifix abgebildet, an der Stelle seines Todes hat man ein Marterl errichtet.

Wie früher werden bis heute die Wundertaten des seligen Marold an der Grundschule erzählt, erklärt Hans Kornprobst, gebürtiger Indersdorfer und engagierter Heimatforscher. In seiner umfangreichen Sammlung über die Indersdorfer Kirchen- und Klostergeschichte hat er auch ein Lied zu Ehren des seligen Marold gefunden

Diese Komposition mit Text stammt von dem Geistlichen Rat Balthasar Ranner, der von 1936 bis 1948 in der Klosterkirche als Seelsorger wirkte. Bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Indersdorfer Kinder gerne nach dem Ortsheiligen Marold getauft, ähnlich wie in Altomünster die Rufnamen "Alto" oder "Birgitta" üblich waren.

Marold Bachhuber, von Beruf Zahntechniker und ehrenamtlicher Kirchenpfleger, ist nach dem Indersdorfer Ortsheiligen getauft worden. In seiner Jugendzeit in den Sechzigerjahren sei der Vorname oft in Indersdorf zu hören gewesen. Außerhalb werde er zuweilen auf seinen seltenen Vornamen angesprochen, worauf er kurz auf den seligen Marold verweist.