SZ-Serie: O Du Fröhliche! Licht, Zauber und ein geplatzter Traum

Manfred Piringer ist mit seinem Weihnachtshaus in Olching weit über die Stadtgrenzen hinweg bekannt. In der Vorweihnachtszeit führt er neunmal pro Woche eine selbst geschriebene Show auf. Eigentlich wollte der gebürtiger Wiener einen Vergnügungspark eröffnen

Von Julia Bergmann, Olching

Wer drei Monate darauf verwendet, 30 000 LED-Lämpchen in seinem Garten zu verteilen, wer ein Christkind auf dem Balkon platziert und eine 30-minütige Weihnachtsgeschichte inklusive professioneller Tonaufnahmen und mehrerer Protagonisten inszeniert, der muss einfach ein Weihnachtsenthusiast sein. Oder? "Eigentlich nicht", sagt Manfred Piringer, der mit seinem bunt geschmückten Olchinger Weihnachtshaus weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt geworden ist. Nach der unerwarteten Offenbarung bleibt es einen Moment lang still in Piringers Refugium, dessen Weihnachtsschmuck ihn 5000 Euro gekostet hat. Dann schiebt er hinterher: "Also, ich liebe Weihnachten schon und auch alles was mit Licht, Magie und Zauber zu tun hat. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn nur ein einzelner Weihnachtsbaum im Garten stehen würde." Wieso er sich dann die Mühe macht? Nun, angefangen hat alles mit dem geplatzten Traum eines Vergnügungsparks in der Steiermark.

Piringer, gebürtiger Wiener, hatte bereits einen Investor gefunden, der 150 Millionen Euro in seinen Traum stecken wollte. Auch ein passendes Grundstück war schon gefunden, als der Investor plötzlich auf ein anderes Konzept umschwenken wollte. Für den Olchinger war es undenkbar, seine Pläne, seinen Traum vom perfekten Vergnügungspark, zu opfern und der Investor sprang ab. "Es hat mir das Herz gebrochen. Man hat diesen Stern schon so nah und plötzlich öffnet sich der Boden und man versinkt darin", sagt er. Für den 52-Jährigen ein herber Rückschlag, aber die Faszination für Themen- und Vergnügungsparks blieb. Seit vielen Jahren lebt er sie nun "im Kleinen" mit seinem Weihnachtshaus aus. Seit 2009 führt er dort sogar selbst geschriebene Shows auf.

Etwa drei Monate dauert der Aufbau der Beleuchtung am Olchinger Weihnachtshaus. Sie besteht aus 30 000 LED-Lichtern.

(Foto: Günther Reger)

Alle zwei Jahre schreibt Piringer seitdem eine neue Geschichte, die in der Vorweihnachtszeit mehrmals pro Woche inmitten des bunten Lichtermeers spielt. Vor jeder Aufführung treibt ihn die Frage um: "Schaffe ich es, die Leute mit meinen Geschichten und Ideen in meinen Bann zu ziehen?" In diesem Jahr hat sich der Kameramann für einen politischen und sozialkritischen Plot entscheiden. Die Hauptdarsteller, Snowy der Schneemann und das Häschen, werden von der 80-jährigen Granny in die Zukunft geholt. Die alte Dame will ihrer Enkeltochter zeigen, was ein Schneemann ist und was es mit Weihnachten auf sich hat. Denn mittlerweile bestimmt ein schurkenhafter Großkonzern das Leben der Menschen, die Umwelt ist kaputt und Weihnachten, freie Tage und das Renteneintrittsalter wurden abgeschafft. Freilich, die Geschichte so aufzubereiten, dass sie gleichermaßen für Erwachsene wie auch für deren Kinder interessant ist, war für Piringer eine Herausforderung. "Es ist eine Geschichte, von der ich weiß, sie wird nicht jeden ansprechen", sagt er. Aber er wolle die Menschen, egal welchen Alters, dennoch für Politisches und Umweltthemensensibilisieren. Piringer wünscht sich, dass die Erwachsenen Zuhause das Gesehene mit ihren Kindern besprechen.

Die Reaktionen auf seine Geschichten fallen unterschiedlich aus. "Je nachdem, wer im Publikum ist", sagt er. Zur ersten Aufführung des Jahres kommen etwa 40 Zuschauer. Zwei Frauen unterhalten sich während der Vorführung, ein paar Kinder sind von Snowy und dem Häschen so fasziniert, dass sie sich ganz dicht an die Absperrung drängen. Wieder andere können sich irgendwann nicht mehr auf die Geschichte konzentrieren, während ein Vater seinen Sohn mit fast kindlicher Begeisterung auf das Lichtspiel aufmerksam macht. Die Geschmäcker sind verschieden, das weiß Piringer. "Wer die Kunst des Kindseins verloren hat, wird sich darauf nicht einlassen können", sagt er über die Show.

Manfred Piringer führt seit 2009 selbstgeschriebene Weihnachtsgeschichten in Olching auf.

(Foto: Johannes Simon)

Während der Aufführung arbeitet Piringer auf Hochtouren. Die Dialoge, die musikalischen Einlagen - alles ist genau getaktet und der Olchinger muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Er muss die Figuren, die über drei Häuseretagen und den Garten verteilt stehen, mittels eines Stangensystems oder eines Seilzugs bewegen. Meist läuft alles reibungslos, aber kleine Pannen können passieren. Etwa beim Manövrieren der Granny-Puppe auf dem Balkon, deren Kostüm zunächst etwas locker saß. "Es ist schon lustig, wenn dir plötzlich die Hose einer 80-Jährigen ins Gesicht fällt", sagt Piringer. Aber Zwischenfälle wie diese bleiben selten, immerhin ist Piringer, was die Umsetzung der Shows angeht, Perfektionist. Für die Gesangseinlage der Enkeltochter Marie hat er eigens eine professionelle Sängerin engagiert. Auch davon, wie die Puppen in seinen Stücken aussehen sollen, hat er ganz genaue Vorstellungen. Für Granny hatte er ursprünglich den Typ "Mrs. Doubtfire" aus dem gleichnamigen Spielfilm im Sinn. Ihr Gesicht sollte das einer herzlichen, älteren Dame sein. Um die perfekte Maske zu finden, habe er wochenlang recherchiert und schließlich ein seltenes Exemplar in Irland aufgetrieben.

Wie lange Piringer die Weihnachtsgeschichten noch aufführen möchte, weiß er nicht. Sollten irgendwann nicht mehr so viele Besucher kommen oder die positiven Reaktionen ausbleiben, würde er die Shows einstellen. Noch ist es nicht so weit. An manchen Abenden müsse er gar eingreifen, um ein Verkehrschaos wegen der parkenden Autos vor seinem Haus zu verhindern. Noch kommen die Menschen. Ihre Zustimmung ist es, die den Olchinger immer weiter antreibt. Diese Zustimmung war auch der Grund dafür, dass der Olchinger sein Weihnachtshaus über die vergangenen zehn Jahre hinweg immer weiter ausgebaut hat. "Aber irgendwann", sagt er, "ist auch die schönste Sache zu Ende." Immerhin sei er kein Großverdiener. Die Ausgaben zahle er privat, Zuschüsse gebe es nicht. Sein einziger Antrieb: "Ich will die Leute mit meinen Geschichten ein bisserl zum Träumen einzuladen". Das Träumen, das Magische, es gehöre nun mal zu Weihnachten dazu, findet Piringer. Es gehöre zu dieser Jahreszeit, wenn eine ganz spezielle Stimmung in der Luft liege, wenn er die Straßen entlangschlendert, die leuchtenden Bäume in den Fenstern der Häuser sieht und jedes Jahr ein bisschen sentimental wird.

Die nächsten Aufführungen finden bei gutem Wetter am Freitag, Samstag und Sonntag, jeweils um 17, 18 und 19 Uhr statt. Weitere Termine unter www.das-weihnachtshaus-in-olching.de.