Sparkassenfusion Aller guten Dinge sind zwei

Auf der Suche nach einem geeigneten Partner: Die Fürstenfeldbrucker Sparkassen-Hauptstelle am Marktplatz (hier auf einem Foto von 2016 mit einem passenden Plakat des Gewerbeverbands).

(Foto: Günther Reger)

Landsberg bringt den geplanten Dreierbund der Sparkassen zu Fall. Nun gibt es Pläne, nur Fürstenfeldbruck und Dachau zusammenzulegen. Die aber könnten am Stadtrat scheitern

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Überraschend deutlich, mit 41 gegen zehn Stimmen, hat der Landsberger Kreistag am Dienstag gegen die geplante Fusion der Sparkassen Fürstenfeldbruck, Dachau und Landsberg votiert. Damit ist das Projekt zumindest vorerst geplatzt. Denkbar wäre nun noch ein Zweierbund aus Dachau und Fürstenfeldbruck. Den müssten aber alle Gremien der Sparkassen und der beteiligten Gemeinden, Städte und Landkreise befürworten. Am Mittwoch herrschte bei den Sparkassen in Dachau und Fürstenfeldbruck Katerstimmung, während die Kritiker das Ergebnis feierten.

Noch ist nicht klar, wie es nach dem Scheitern des Dreierbundes, das sich durch entsprechende Ankündigungen des Landsberger Landrats bereits abgezeichnet hatte, weitergeht. Klar ist, dass Landsberg und Dießen das Spielfeld verlassen haben. Denn nur wenn die Landsberger Kreisräte dem Beispiel der Fürstenfeldbrucker Amtskollegen gefolgt wären und die Auflösung ihres eigenen Zweckverbandes sowie den formalen Beitritt zum Dachauer Zweckverband beschlossen hätten, wäre aus den drei einzelnen Instituten die "Amper-Lech-Sparkasse" geworden - mit acht Milliarden Euro Bilanzsumme der drittgrößte Verbund der Region hinter der Stadtsparkasse München und der Kreissparkasse München, Starnberg und Ebersberg. Landrat Thomas Karmasin hatte die Bankenhochzeit jüngst im Kreistag in eine Metapher gekleidet: Das sei so, als wenn man aus drei Kleintransportern einen richtigen Lastwagen mache.

Dieser Lastwagen aber hat nun platte Reifen. Die Befürworter hatten vergeblich auf Gutachten gepocht, Skalen- und Synergieeffekte herausgestrichen und waren unterm Strich zum Ergebnis gekommen, dass die Amper-Lech-Sparkasse besser gerüstet wäre für einen schwieriger werdenden Markt mit niedrigen Zinsen und schwindenden Margen. Kritiker, allen voran der Sprecher des Landsberger Bürgerforums, Rainer Gottwald, sowie der Grünen-Landtagsabgeordnete und Kreisrat Martin Runge aus Gröbenzell, wiederum hatten den Spieß umgedreht: Aus den Gutachten gehe hervor, dass die Sparkassen auch allein lebensfähig seien. Ergo bestehe auch gar keine Notwendigkeit für einen über den "Stand-Alone-Fall" hinausgehenden Abbau von Arbeitsplätzen. Zudem glauben sie nicht an Zusicherungen, auch eine große Sparkasse bleibe in der Fläche präsent und könne weiterhin auf Privatkunden wie Mittelständler passgenau zugeschnittene Finanzdienstleistungen anbieten.

Karmasin äußerte sich am Mittwoch bestürzt über das Landsberger Votum. Die Motive seines Kollegen Thomas Eichinger (CSU) und der Kreistagsmehrheit könne er nicht nachvollziehen. "Ich bedauere das - nachdem wir da so viel Zeit, Engagement und Geld reingesteckt haben." Karmasin empfiehlt nun ebenso wie sein Dachauer Kollege Stefan Löwl, die Fusion mit Dachau zu prüfen - allerdings nur, wenn der Fürstenfeldbrucker Stadtrat Zustimmung signalisiert. Der Stadtrat freilich gilt als tief gespalten. Jüngst zeichnete sich eher eine knappe Mehrheit gegen die Fusion ab. Noch am Dienstagabend sagte Oberbürgermeister Raff als Reaktion auf das Landsberger Votum die für Donnerstag angesetzte Sondersitzung ab, auf der abgestimmt werden sollte.

Karmasin glaubt, dass Fürstenfeldbruck und Dachau sich im Falle positiver Abstimmungen relativ schnell zusammenschließen könnten: "Das wäre kein Hexenwerk und würde wohl heuer noch klappen." Das hält auch Sparkassenchef Klaus Knörr für denkbar. Am 20. Juni soll sich der Verwaltungsrat mit der Sache beschäftigen. Anschließend sei es "eine politische Entscheidung". Er sei weiterhin "überzeugt von dem Konzept" und halte eine Fusion für sinnvoll. Wer dies ablehne, müsse auch bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Einen "Plan B" habe die Sparkasse zwar nicht in der Schublade. Knörr macht aber auch kein Geheimnis aus seiner Meinung, dass Bruck und Dachau immer "der Nukleus" des Projekts gewesen seien und auch zu zweit wohl noch im dritten Quartal zu einer Lösung kommen könnten. Vieles könne vom Dreier- auf den Zweierbund übernommen werden. Und wenn Bruck doch solo bleibt? Auch das sei möglich, räumt Knörr ein, der Ende des Jahres in Ruhestand gehen wird. Aber dann müsse man "hart am Wind segeln", um die großen Belastungen zu meistern.

"Mit großer Freude und Erleichterung" nahmen die Kreistagsgrünen die Landsberger Absage auf. Martin Runge lobte die Landsberger Kreisräte dafür, dass sie "nicht unreflektiert den Ansagen der Sparkassen-Nomenklatura von der Großartigkeit einer Fusion folgen wollten" und warnte im gleichen Atemzug vor dem Zweiermodell. Peter Falk, Sprecher der SPD-Fraktion im Kreistag, bestreitet ebenfalls "weiteren Fusionsbedarf: Jetzt müssen die Hausaufgaben auf bestehender Ebene angegangen werden. Sparkassen sollen möglichst ortsnah und kundenorientiert arbeiten."

Zufrieden äußerten sich in den sozialen Medien auch Vertreter der Stadtratsfraktionen, so auch Alexa Zierl (Die Partei und Frei). Ihrer Überzeugung nach hätte spätestens der Stadtrat am Donnerstag die Fusion zu Fall gebracht - wenn dieser " endlich mal abstimmen dürfte". Die Mehrheitsverhältnisse seien mittlerweile klar. Sie hofft, dass die Brucker Sparkasse alle Fusionspläne nun "auch ohne Abstimmung komplett beerdigt". Denn "auch eine Zweier-Fusion fände im Brucker Stadtrat keine Mehrheit." Herwig Bahner (FDP) pflichtete Zierl bei und kritisierte Raff und Knörr. Man habe das Gefühl, dass diese das gar nicht interessiere. Die Signale würden seit Monaten ignoriert. Dem Stadtrat sei eine fundierte Debatte über das Projekt nie ermöglicht worden. Für die Stadt gibt es laut Bahner noch viel mehr Gründe, Nein zu sagen als in Landsberg: "Für uns ist die Fusion nämlich selbst betriebswirtschaftlich eher kein Vorteil und, was die Verteilung der Anteile betrifft, ein wirtschaftliches Minus im dreistelligen Millionenbereich." Zierl verweist zudem auf Pläne der EU, für Banken mit Bilanzsummen bis fünf Milliarden Euro die Regulierungsanforderungen zu senken. Allein liege Bruck unter dieser Grenze, gemeinsam mit Dachau aber werde diese Marke gerissen.