Schulstreit Ratsbegehren soll Gröbenzell befrieden

Die Grünen wollen die Bürger möglichst schnell über die Sprengeländerung abstimmen lassen. So soll die Einführung der Ganztagsschule gesichert werden

Von Wolfgang Krause und Erich C. Setzwein

Rund 200 Schüler und Eltern protestieren am Donnerstagnachmittag in Gröbenzell für den Erhalt ihrer Grundschule.

(Foto: Günther Reger)

Mit einem Ratsbegehren wollen die Grünen die Einführung der Ganztagsschule in Gröbenzell sicherstellen und den Ort befrieden. Die Idee: Die Bürger sollen möglichst schnell über die umstrittene Sprengeländerung abstimmen, damit noch vor der Schuleinschreibung im April eine Entscheidung vorliegt. "Das ist der goldene Weg aus diesem Dilemma", sagte Ortsvorsitzender Walter Voit am Donnerstag der SZ. Denn wenn man abwarte, bis das Bürgerbegehren der Eltern der Bernhard-Rößner-Schule eingereicht werde, werde es zu spät sein.

Wenn der Gemeinderat das Ratsbegehren sofort auf den Weg bringt, könnte der Bürgerentscheid dagegen noch im März stattfinden. Zur Abstimmung gestellt werden soll nach den Vorstellungen der Grünen die von der Gemeinderatsmehrheit beschlossene Sprengeländerung, bei der die Schule an der Bernhard-Rößner-Straße zur Dependance der Ährenfeldschule wird, um dort und an der Gröbenbachschule im September je eine Ganztagsklasse anbieten zu können. Hinter der Idee des Ratsbegehrens stehen nach Voits Angaben auch die parteiinternen Gegner der Sprengeländerung. Die Grünen waren im Gemeinderat zuletzt gespalten. Fraktionschef Markus Rainer, Monika Baumann und Ursula Retz stimmten mit CSU und Freien Wählern für die Dependance-Lösung, Martin Runge und Sabine Gramer-Muck lehnten sie ebenso wie die Vertreter von SPD, FDP und UWG ab. Voith selbst steht zu der umstrittenen Sprengeländerung, betonte aber, dass es wichtig sei, dass die Politik einen Weg finde, um die Auseinandersetzungen zwischen den Eltern zu beenden. Auch Rainer bedauerte, dass die Situation eskaliert ist. "Das muss man befrieden", sagte er der SZ.

Die Grünen wollten das Ratsbegehren noch in der Sitzung am Donnerstagabend einbringen. Da es nicht auf der Tagesordnung stand, konnte darüber aber nicht abgestimmt werden. Rainer kündigte deshalb an, eine Sondersitzung zu beantragen, um den Bürgerentscheid möglichst schnell auf den Weg zu bringen.

Kurz vor der Sitzung demonstrierten am Donnerstagnachmittag etwa 200 Menschen - Eltern mit ihren Kindern sowie deren Großeltern und Angehörige - in Gröbenzell für den Erhalt der Grundschule an der Bernhard-Rößner-Straße. Auf dem Weg vom S-Bahnhof bis zum Versammlungsort skandierten die Demonstranten "B-R-S, bitte rette unsere Schule", der Slogan des Bürgerbegehrens. Auf den teilweise selbst gemalten Plakaten und Transparenten hatten die Teilnehmer ihre Losungen gepinselt, unter anderem "Wir wollen nicht das fünfte Rad am Wagen sein" oder "Drei selbständige Schulen für Gröbenzell" und gaben damit ihrer Sorge Ausdruck, dass die Schule an der Rößner-Straße ihre Eigenständigkeit verlieren könnte. Martina Ludwig von der Elterninitiative forderte per Mikrofon vom Gemeinderat, die Entscheidung über die Änderung der Schulsprengel zurückzunehmen. "Auch bei drei Sprengeln ist eine Ganztagsschule möglich", sagte Ludwig. Die Pläne der Gemeinde, die Rößner-Schule der Ährenfeldschule anzugliedern, halten die Eltern für falsch. Martina Ludwig: "Es ist ein Fehler, die Sprengel aufzulösen, durch die Herabstufung zur Dependance-Schule wird das Weiterbestehen nicht mehr garantiert." Die Eltern sollten mit den bisherigen Äußerungen von den Kommunalpolitikern nur beruhigt werden, kritisierte Ludwig.

Dass es nicht nur die Eltern sind, die sich über die Entscheidung des Gemeinderates aufregen, zeigte die Zahl der Demo-Teilnehmer im fortgeschrittenen Alter. Ähnlich wie die älteren Menschen, die sich vor einer Woche auf dem grünen Markt für das Anliegen der Initiative interessiert und sich in die Listen des Bürgerbegehrens eingetragen hatten, reagierten sie auch am Donnerstag vor dem Rathaus. Eine Frau wies darauf hin, dass die dritte Schule, die seinerzeit extra in dem stark wachsenden Gemeindeteil gebaut worden sei, unbedingt ihren Status behalten müsse und nicht zur Dependance werden dürfe.